Block. Chain. Blockchain.

Ja, die Blockchain ist in vieler – nicht aller! – Munde. Meist wirkt die Sache etwas nerdig, behaftet mit Buzzwords. Grund genug also, das Thema einmal auf die Kette zu bringen.

Wie funktioniert‘s?

Um das Prinzip zu veranschaulichen, ein einfaches Beispiel: Eine Bio-Orange wächst auf einer spanischen Plantage am Orangen-Baum. Damit jeder weiß, dass es sich um eine Bio-Orange von genau dieser Plantage handelt, legt der Bauer eine Karteikarte bei sich an. Darauf ist eingraviert „Diese Orange hat Bauer XY angebaut.“ Er verkauft die Orange nun weiter an den Händler. Der Händler seinerseits legt ebenfalls eine Karte an, auf der steht „Diese Orange hat Händler Z für 25 Cent im Sommer von Bauer XY gekauft.“ Händler Z gibt die Orange weiter an den Supermarkt, der seinerseits einen Datensatz eröffnet mit dem Inhalt „Supermarkt A hat die Orange von Händler Z ins Sortiment gegeben.“ Und dann kommt der Kunde B, kauft eine Orange, und direkt wird in seiner persönlichen Karteikarte der Satz eingetragen„Kunde B hat die Orange für 1,50 Euro im Supermarkt A gekauft.“ Bei jeder Transaktion wiederum notiert der vorherige Besitzer seinerseits auch den nachfolgenden auf seiner Karteikarte, inklusive Kontaktdaten. Lückenlos lässt sich dann zurückverfolgen, wo die Orange her kommt und welche Transaktionen sie hinter sich hat. Die Daten sind also auf viele Stellen verteilt. Sollte ein an der Kette Beteiligter seine Karteikarte aus welchen Gründen auch immer verändern wollen, dann geht das nicht ohne Zustimmung der anderen. Die Kette lässt sich nicht lösen.

Etwas technischer, Bitteschön!

Übertragen auf die dezentrale Technologie, hat jeder, der an der Kette beteiligt ist (der Miner), alle oder einen Teil der Daten bei sich auf dem Computer in einem Peer-to-Peer Netzwerk gespeichert. Hierfür stehen verschiedene Blockchain-Softwares zur Verfügung. Die Datenblöcke sind wie eine Kette miteinander verknüpft und zwar über digitale Codes, die sogenannten Hashes. Anhand dieser Hashes lassen sich aber auch die Informationen der Blöcke überprüfen. Sollten also die Informationen im Block verändert werden, passt der Hash nicht mehr. Die Kette wäre ungültig. Und daher können Einzelne eine solche Kette auch nicht verändern, sondern die Mehrheit muss zustimmen. Die Technologie des Distributed Ledger – also eines „verteilten Logbuchs“ – deren wichtigster Vertreter die Blockchain ist, kann die Datenverwaltung in Unternehmen oder vor allem Behörden ganz massiv verbessern. Sie verbindet Digitalisierung mit Vertrauen, lässt sich nach heutigem Stand nicht manipulieren. Um aktuelle Herausforderungen wie eine energiefressende Architektur, einen Stau an der Kette auf Seiten der Miner, eine langsame Performance aufgrund statischer Ketten etc. in den Griff zu bekommen, gilt es, die Technologie entsprechend weiterzuentwickeln.

Und nun?

Natürlich kann man sich fragen „muss ich wirklich wissen, was eine Blockchain ist, wie sie funktioniert und welche Technologie dahinter steckt?“. Nein. Es interessiert ja auch die wenigsten, ob sie ihre Mails über einen SMTP, IMAP oder POP3 Port verschicken. Hauptsache, es funktioniert! Ähnlich wird es auch in wenigen Jahren mit der Blockchain sein. Dann werden hinter vielen Anwendungen Blockchains stecken, völlig unbemerkt.

Sympra ist ein Top-Arbeitgeber – weiß auch FOCUS-BUSINESS

Sympra zählt zu den „Top-Arbeitgebern Mittelstand“. Sagt die Redaktion FOCUS-BUSINESS und ließ uns dies gestern mittels zugesandter Urkunde wissen. Wie die Redaktion darauf kam? Wir haben mindestens zehn Bewertungen auf der Plattform kununu.de, davon mehr als fünf seit dem 1. Januar 2017 und durchschnittlich wenigstens 3,5 Sterne. Dies, und eine Mitarbeiterzahl zwischen 11 und 500 genügten, um als eines von 2.800 Unternehmen ausgezeichnet zu werden. Immerhin: Die Grundgesamtheit war mit 750.000 Unternehmen doch recht groß!

1. Wir freuen uns natürlich, dass uns FOCUS-BUSINESS auszeichnet, zumal als einzige Public-Relations-Agentur in Baden-Württemberg. Ganz so schlecht ist es also nicht, wie der Schwabe sagen würde.

2. Wir könnten das jetzt kommunikativ so richtig ausschlachten. Mit der Urkunde kam eine Muster-Presseinfo und das Angebot, ein Siegel für Mails und Drucksachen (EUR 6.500), eine Trophäe (EUR 250), weitere Urkunden (35 EUR das Stück) und jede Menge Ausgaben der Zeitschrift mit dem Ranking zu erwerben.

3. Mir fällt auf, dass ich vermutlich zum ersten Mal eine Ausgabe von FOCUS-BUSINESS in der Hand halte. Ganz gut gemacht, so eine Art Manager-Magazin im FOCUS-Format. Ich ahne, dass wir nicht nur Preisträger, sondern auch Testimonial und Multiplikator für das Blatt werden, wenn wir kräftig und kostenpflichtig auf den Putz hauen.

4. Unsere Kunden fragen uns regelmäßig, ob sie sich nicht bei den diversen Arbeitgeber- und Unternehmensrankings beteiligen sollen, zu denen sie meist von prominenten Schirmherren und -damen eingeladen werden. Wir sind eher skeptisch, was solche kostspieligen Engagements angeht. Wer einen Blick in den Stellenteil der Zeitung oder auf Anzeigen in einschlägigen Stellenportalen wirft, stellt fest, dass sich offenbar jede zweite Firma als „Top-Unternehmen/-Arbeitgeber/100/…“ bezeichnen darf – die Gründe dafür sind vielfältig.

5. Pressemeldungen über solche Auszeichnungen werden selbstredend eher selten veröffentlicht. Das kann man den Redakteuren auch kaum verübeln, sowohl in quantitativer Hinsicht, als auch mit Blick auf die Bewertungsgrundlagen (s.o.). Für ausgezeichnete Hidden Champions im Schwarzwald oder auf der Schwäbischen Alb mag sich der Lokalredakteur zuweilen noch erwärmen. Aber die Erwartungen sollten nicht zu hoch sein, wie wir unseren prämierten Kunden nimmermüde erläutern. Für die eigene Website und für soziale Medien ist es natürlich wunderbarer Content.

6. Wir werden unsere Auszeichnung also nicht an die große Glocke hängen. Aber wir haben unsere Urkunde gerahmt und an unserer Wall of Fame aufgehängt, denn bei aller Skepsis: Um es gänzlich zu ignorieren, klingt es einfach zu gut.

Meine CeBIT

Kurz nach dem Mittagessen an einem Dienstag Mitte März 1987. Ich hatte Semesterferien und absolvierte ein Praktikum bei der Standard Elektrik Lorenz AG (SEL) und machte mich zusammen mit meinen Kollegen Andrea und Jürgen in einem Ford Escort auf den Weg nach Hannover. Hinter Würzburg legten wir eine Kaffeepause ein und freuten uns auf ein gemeinsames Abendessen im Hotel. Es begann zu dämmern, und irgendwo hinter Kassel gab’s Blitzeis. Stau. Wenig später fing es an zu schneien. Wir bewegten uns im Zeitlupentempo zusammen mit ungezählten anderen Lkws und Pkws Richtung Norden. Zu dieser Zeit hatten wir weder Navi noch Handy (technologiebedingt) noch ein funktionierendes Autoradio (Escort-Besitzer-bedingt). Wir wussten nicht recht, wo wir sind, geschweige denn, wie die Straßenverhältnisse vor uns waren – und wann bzw. ob wir jemals ankommen sollten. In Göttingen verließen wir die Autobahn, um bei McDonald’s was zu essen – es war jetzt schon viel später, als unsere anvisierte Ankunftszeit im Hotel, der Parkplatz vor dem Burgerladen der einzige, der vom Schnee geräumt war. Kurz drauf wieder auf der A7 im Stop-and-Go-Verkehr, der bis nach Hannover reichte. Nun: Wir erreichten unser Hotel auf dem Bocksberg gegenüber dem Messegelände um kurz vor 6 Uhr am Morgen, duschten, frühstückten und gingen zum Briefing auf den Messestand. Diese CeBIT ging als „Schneebit“ in die Annalen ein.

Diese Messe war für mich, der ich bislang nur die kleine Südwest-Messe in meinem Heimatort gekannt hatte, eine Veranstaltung der Superlative. Größtes Messegelände der Welt, Halle 1 – die größte Messehalle der Welt, SEL war mit 500 Mitarbeitern auf zwei Riesenständen präsent, der Vorstandsvorsitzende hatte sein Hotel am Timmendorfer Strand und kam täglich mit dem Hubschrauber zum Messegelände, der Bundeskanzler hatte sich angesagt, der Postminister sowieso. Es gab einen bunten Abend für Journalisten mit Delikatessen, die frisch aus Stuttgart eingeflogen wurden, und schwäbischen Kabarettisten und schönen Geschenken. Überhaupt: Geschenke. Ich kam mit einem ganzen Koffer voller Wein, Schreibblöcke, einem Taschentuch, einem Speckbrett, Spielzeug und noch mehr nach Hause, vieles davon bei den Hostessen der Nachbarstände gegen die Werbegeschenke unseres Standes eingetauscht. Zufällig war an einem der Abende für mich eine Eintrittskarte für einen Showkampf zwischen Steffi Graf und Monika Seles übrig. Einen Abend verbrachten wir in der „Münchner Halle“ auf dem Messegelände, wo sich insbesondere japanische Gäste sehr wohlfühlten und gerne auch mal die Blaskapelle dirigierten. Was ich tatsächlich auf den beiden Messeständen an den acht (!) Tagen gearbeitet hatte, weiß ich nicht mehr so genau. Es war auf jeden Fall bis dahin eine meiner beeindruckendsten Wochen. Echtes big business!

3-Stunden-Nächte und gegrillte Heidschnucken 

Viele CeBIT-Besuche folgten. Inzwischen mit Sympra, unterstützten wir immer wieder SEL, die inzwischen Alcatel und später Alcatel-Lucent hieß. So erstellten wir für die 500 Mitarbeiter eine tägliche Zeitung, um sie darüber zu informieren, was auf ihren Messeständen den ganzen Tag lang passierte. Wir führten tagsüber Interviews, schossen Bilder, recherchierten Themen („Wie viele Bockwürste kochen Sie jeden Tag?“), nach Messeschluss fingen wir an zu layouten. Irgendwann in der Nacht fuhren wir in unser Quartier in Pattensen, um morgens um 6 Uhr wieder auf dem Stand zu sein, um den aktuellen Pressespiegel zusammenzustellen, der Bestandteil der Zeitung werden sollte. Diese kopierten wir, hefteten sie und drückten sie pünktlich ab 8.30 Uhr dem Standpersonal in die Hand.

Ein anderer Kunde von uns hatte seine gesamte Mannschaft – das war ein ganzer Bus voll – in Privatzimmern in Winsen an der Aller untergebracht, eine gute Fahrstunde vom Messegelände entfernt. Da der Geschäftsführer seine Schäfchen auf dem Weg ins Quartier immer noch zum Abendessen einladen wollte, bedeutete dies für das Personal einen reichlich späten Feierabend. Wir waren bei diesem Softwarehersteller nicht nur für den Standbau und die Pressearbeit zuständig, sondern auch für die Wellness der Mitarbeiter, sprich: Hatte jemand ein Problem, einen Sonderwunsch oder musste was wissen, durfte er sich jederzeit an meine Kollegen Veronika und Helmut wenden. Auch das Hammelgrillen irgendwo in der Nähe von Celle hatten wir organisiert.

Prägende Erinnerungen an tolle Tage

Im Laufe der Jahre war die CeBIT fester Bestandteil unseres Agenturjahres, immer verbunden mit Stress, weil manche Exponate halt erst Tage vor Messestart fertig wurden oder weil kreative Marketingkollegen noch kurzfristig geniale Ideen hatten. Wir sind mit einem VW Polo voller Petit fours nach Hannover gereist, im Zug, nie mit dem Flugzeug. Zeitweise betreuten wir ein halbes Dutzend unserer Kunden intensiv auf der CeBIT und kamen in echte Probleme mit unseren Personalressourcen. Unsere Volontäre und Trainees konnten hier zeigen, wie belastbar sie sind. Ich erinnere mich an einige sehr erfolgreiche Pressekonferenzen, tolle Gespräche mit Redakteuren, an technische Innovationen, die hier Premiere feierten (z. B. ISDN), an Menschenmassen, die sich interessiert durch die Gänge schoben, an die Entourage, die mit dem Bundeskanzler oder der Bundeskanzlerin die Runde machten (toll, wenn sie auch auf einen unserer Stände kamen!), an die Delegationen, die sofort erkennbar aus dem Ostblock oder aus dem Nahen Osten angereist waren, an Günter Jauch, der eine Show auf einem unserer Stände moderierte, und an ein Michael-Jackson-Double, das Playback sang …

Ich krieg’s nicht mehr zusammen, wie oft ich auf der CeBIT war. Die letzten Jahre nicht mehr, denn unsere Kunden wollten sich den Aufwand nicht mehr antun. Auf der letzten CeBIT, die ich vor ein paar Jahren besucht habe, gab es schon arg viele Lounges und Blumenarragements, wo in besseren Zeiten Verkaufsgespräche geführt wurden. In den vergangenen Jahren interessierte mich die Messe kaum noch. Über das neue Konzept habe ich gelesen, für eine Reise an die Leine konnte es mich nicht mehr animieren. Schade.

Brexit: Do British companies escape the EU GDPR?

In Germany, the first panic regarding the EU General Data Protection Regulation (GDPR) has subsided. But what is the situation in the United Kingdom? Is the Brexit a kind of “GDPRexit”? Are British companies and agencies still interested in EU legislations at all? Sympra asked Aimee Postle from Prova PR, our partner agency in Warwick.

What are the most important changes with the GDPR compared to the previous data protection laws? In general and specific for agencies like Prova?

Aimee: GDPR places a lot more emphasis on the record-keeping around consent when it comes to retaining and using personally identifiable data. While organisations needed to ensure consent under the previous regulations, GDPR offers a more structured framework to comply with.

What do British agencies and companies in general think about the GDPR? Do they care about the European law?

Aimee: There was a lot of media coverage around GDPR and many of our clients had questions about how they would be affected. The PR and marketing world understands why the regulation is in place but there was initial misunderstanding in the sector around the impact that it would have on managing communications channels responsibly.

In Germany there was some panic at first, because many were afraid that they would no longer be allowed to do anything with personal data. Has there been anything similar in the UK?

Aimee: There was initial GDPR panic, with many organisations wondering how to ensure compliance. As GDPR is a bit of a ‘grey’ regulation i.e. it is about intent and not just action, there were concerns about how companies could prove they were compliant. High profile stories included the pub chain Wetherspoons deleting it’s entire email database rather than trying to unpick and prove compliance.

What role does Brexit play for the future validity and in discussing and handling the GDPR in UK?

Aimee: It is likely that the USA will implement a similar policy to the EU GDPR regulations and so, essentially, anyone wishing to trade outside of the UK will need to comply, regardless of Brexit. The regulations will apply to personally identifiable information of anyone in the EU and, potentially, the USA – a large number of global citizens.

Thank you, Aimee!

Journalismus – lebendig, bunt und mit Tiefgang

Auf riffreporter.de haben freie Journalistinnen und Journalisten die Möglichkeit, ihre Beiträge zu publizieren. Die Themen sind vielfältig, die Bezahlmodelle einfach, die Community besteht aus erfahrenen Profis. Ziel der Plattform: Qualitätsjournalismus und unabhängige Journalisten zu stärken. Wir haben mit Eva Wolfangel, Aufsichtsratsvorsitzende der RiffReporter eG, gesprochen.

Was steckt hinter den RiffReportern?

Wir, die RiffReporter Genossenschaft, sind ein genossenschaftlicher Zusammenschluss von freien und unabhängigen Autorinnen und Autoren sowie Fotografinnen und Fotografen. Auf unserer gemeinschaftlich betriebenen, multimedialen Plattform publizieren und verkaufen Journalisten ihre Inhalte. Aktuell haben wir 80 Autoren-Mitglieder, von denen etwa die Hälfte aktiv ist. Die andere Hälfte bereitet ihre Angebote vor. Zudem haben wir rund 30 investierende Mitglieder, darunter die Schweizer Demokratiestiftung und die gemeinnützige GLS Treuhand e.V.. Investierende Mitgliedschaften sind für Unterstützer, Mäzene und gemeinwohlorientierte Institutionen oder Impact Investoren gedacht. Sie haben aber keinen inhaltlichen Einfluss.

Gibt es redaktionelle Schwerpunkte?

Thematisch sind wir breit aufgestellt: Wissenschaft, Gesellschaft, Kultur, Umwelt und Technologie werden in allen erdenklichen Ausrichtungen behandelt. Solche inhaltlich eigenständigen Projekte, bei denen sich mehrere Autoren zusammenschließen und tief in die Materie eindringen, heißen bei uns ‚Korallen‘. Davon gibt bereits 20 Stück – unter anderem zu Journalismus der Dinge, Lobbyismus oder Bildungspolitik oder meine Koralle „Die VR-Reporterin“ über virtuelle Realität.

Was hat Euch zur Gründung bewogen?

Mit dieser besonderen Form des digitalen Journalismus‘ haben wir vor knapp zwei Jahren begonnen. Nicht zuletzt als Reaktion auf die bisherige Abhängigkeit von Verlagen, die uns immer schlechtere Bedingungen anbieten – vermutlich, weil sie selbst in der Klemme sitzen: Die großen Medienhäuser entwickeln einerseits erst zögerlich ihre Geschäftsmodelle in Zeiten der Digitalisierung weiter; Konsumenten auf der anderen Seite sind es noch nicht gewohnt, für Online-Artikel zu bezahlen.

Das klingt nach einem Dilemma…

Die Folge sind manchmal besonders reißerisch aufgemachte Titel, mit dem Ziel, möglichst viele Klicks auf kostenlose, aber inhaltsleere Texte zu bekommen. Hier bringen die Anzeigen das Geld. Das halte ich für gefährlich, denn so werden Geschichten verzerrt. Um aber fundierte und hochwertige journalistische Arbeit zu leisten, ist die entsprechende Finanzierung wichtig. Auch für Nachwuchs-Journalisten, die sich noch am Markt etablieren müssen, bietet unsere Plattform eine Möglichkeit, ihre Marke und eine zahlungsbereite Community aufzubauen. Und auch wir etablierten Journalistinnen und Journalisten haben keine Erfahrung damit, unsere Arbeit direkt an Leserinnen und Leser zu verkaufen. Dabei sind wir teils schon als unsere eigene Marke etabliert und haben sehr treue Leser. Da ist ein logischer Schritt, unsere Produkte selbst anzubieten.

Es geht also auch um einen Kulturwandel?

Richtig! Wir wollen gute Arbeit in entsprechender Qualität anbieten. Gleichzeitig glauben aber viele Menschen, Journalisten arbeiteten nicht mehr unabhängig. Dem wirken wir entgegen, unter anderem mit einer sehr strikten Qualitätssicherung. Wir nehmen nur ausgewiesene Journalistinnen und Journalisten auf, redigieren intern unsere Texte gegenseitig. Ein Ethikrat und wir als Aufsichtsrat sorgen zudem dafür, dass die Unabhängigkeit gewahrt bleibt, also dass keine Interessenskonflikte auftreten. Ein wichtiger Grundsatz ist beispielsweise: Wir lassen uns nicht von denen bezahlen, über die wir schreiben. Und Texte werden den Protagonisten nicht vor Erscheinen zur Freigabe vorgelegt.

 Wie verdienen Journalisten ihr Geld auf RiffReporter?

Die User entscheiden, wie und wofür sie Geld ausgeben. Das reicht von Einzelkäufen über Abos bis hin zur gezielten thematischen Förderungen einzelner Korallen. Die Genossenschaft leitet die erzielten Einnahmen an die Autoren bzw. die Autoren-Teams weiter, abzüglich einer Pauschale, mit der die Genossenschaft betrieben wird. Wichtig: Die Rechte an den Texten verbleiben bei den Autorinnen und Autoren, sodass diese sie  selbstverständlich auch an anderen Stellen publizieren können.

Wo wollen die RiffReporter mittel- und langfristig hin?

Wir wollen wachsen! Unsere Mitglieder sollen von ihrer Arbeit gut leben können. Hierzu entwickeln wir unser Angebot kontinuierlich weiter. Vor allem mit Flatrates für Institutionen wie Hochschulen und Bibliotheken, aber auch für Verlage, wollen wir das Korallenriff ausbauen. Dabei haben wir stets das Ziel vor Augen, mit Themenvielfalt, Qualitätssicherung und Medienbildung unseren Beitrag für die Gesellschaft zu leisten.

 

Über Eva Wolfangel:

Eva Wolfangel (www.ewo.name) ist freie Journalistin, Speakerin und Moderatorin. Sie schreibt seit vielen Jahren (u.a. für Die ZEIT, Spiegel, Geo, Süddeutsche Zeitung, Technology Review und andere) über neue Technologien, deren Implikationen und wie sie unser Leben verändern. Bei den Riffreportern baut sie derzeit ein eigenes journalistisches Format in der Virtuellen Realität auf. 2017 wurde sie mit ihrer Reportage „Mein Leben als Avatar“ für den Deutschen Reporterpreis nominiert und 2018 mit dem „European Science Writer of the Year“ Award ausgezeichnet.

Wie viel Journalismus steckt in der Unternehmenskommunikation?

Eigene Kundenmagazine, Markengeschichten, Social-Media-Postings: Immer häufiger umgehen Unternehmen bei ihrer Kommunikation den Journalisten als Gatekeeper. In einer spannenden Podiumsdiskussion, organisiert vom Berufsverband DPRG, tauschten sich drei zum Thema aus, die es wissen müssen: Sabine Schröder, Leiterin Corporate Publishing der Porsche AG, Matthias Straub Chefredakteur von fischerAppelt und Michael Gerste, Korrespondent der Automobilwoche. Wir fassen zusammen.

Kundenmagazine sind längst nicht mehr das einzige Unternehmensmedium – moderne Organisationen veröffentlichen ihre Botschaften auf zahlreichen eigenen Kanälen wie dem Newsroom, Blog oder in sozialen Netzwerken und organisieren diese Kommunikation meist selbst bzw. mithilfe von Dienstleistern. Grund für diesen Wandel ist der Wunsch, integrierter kommunizieren zu können, Transparenz und Authentizität zu zeigen, Kundenbindung aufzubauen und die Deutungshoheit zu haben. So sind der Corporate Newsroom und diverse Online-Kanäle schnelle Informationsplattformen, um sich über eine Organisationen zu informieren. Ursprünglich journalistische Medien werden dabei zum Nebenmedium. Dabei entstand die Idee des Newsroom doch durch den Journalismus. Das wörtlich übersetzte „Nachrichtenzimmer“ bezeichnet einen zentralen physischen Arbeitsplatz, an dem Meldungen eingehen, verteilt und auf verschiedenen Plattformen verarbeitet werden. Das Ziel einer solchen Plattform ist es, Rezipienten kanalübergreifend aktuell und schnell zu informieren. Und jetzt nutzen Unternehmen, wie auch die Porsche AG, genau diese Idee in virtueller Form für sich. Sozusagen ein Unternehmensblog mit nachrichtlichem Content zusammen gefasst auf einer Seite. Aktuelle Presseinformationen über neue Produkte oder einen Personalwechsel werden zeitgleich mit dem Versand an die Presse, in einem virtuellen Newsroom veröffentlicht. Adaptiert die Unternehmenskommunikation also bewusst redaktionelle Strukturen und macht sie dem Journalismus am Ende sogar Konkurrenz? Die drei Podiumsteilnehmer waren sich einig, dass man diese Frage nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten kann.

Glaubwürdig kann vieles sein
In der Unternehmenskommunikation wird oftmals mit Redaktionsplänen gearbeitet und auch darüber nachgedacht, welche Nachricht auf welchem Kanal wie gespielt wird. Die Verknüpfung verschiedener Plattformen ist dabei ein wichtiger Punkt. Allerdings haben diese redaktionellen Strukturen wenig mit der eigentlichen Qualität des Journalismus zu tun. Wichtige Werte des Journalismus seien Unabhängigkeit und Neutralität, so der Vertreter der Automobilwoche. Das treffe auf Corporate Media schlichtweg nicht zu, denn sie dienen dem Interesse der jeweiligen Organisation. Auch kontrovers diskutierte Unternehmensnachrichten stammen von einem subjektiven Absender. Also gehe es weniger um die Frage, ob Journalisten durch die Unternehmenskommunikation ersetzt werden, sondern vielmehr darum, wie viel Glaubwürdigkeit in Unternehmenspublikationen stecke, so der Konsens. Denn ja: Unternehmen sind qualitätsorientiert, aber Themen werden meist nur einseitig beleuchtet.

Das bedeutet für das öffentliche Publikum etwas mehr Arbeit. Natürlich können sich Rezipienten sehr gut auf Corporate Blogs, in Unternehmensmagazinen und in Corporate Newsrooms einlesen – möchten sie sich jedoch ausgewogen und objektiv informieren, sollten unabhängige Medien hinzugezogen werden.

Macht vs. Neutralität
Zu Recht macht sich oftmals die brisante Frage breit, worin in Zeiten von thematischer und handwerklich professionell gestalteter Unternehmensmeldungen noch der Mehrwert eines journalistischen Mediums liegt. Die Antwort der drei Gäste war eindeutig: Das eine sei PR aus Unternehmenssicht, und das andere unabhängiger Journalismus. Ähnlich sieht es bei der Machtfrage aus: Die Machtverhältnisse zwischen Unternehmenskommunikation und Journalismus sind nicht ausgewogen. Unternehmen verfügen über mehr Mittel, die sie für aufwendig gestaltete Produkte ausgeben können. Ein gutes Beispiel ist das Mercedes-Benz „Me“-Magazin, das 2017 überarbeitet wurde und in neuem, hochwertigem Design erschien. Für eine solche Gestaltung fehlt den meisten Medienhäusern schlichtweg das nötige Kleingeld. Ein weiteres Indiz ist die vermehrte Abwanderung von Journalisten in die Unternehmenskommunikation. Was laut der Podiumsteilnehmer dennoch nicht verallgemeinert werden sollte: Nicht jeder Journalist möchte auf die Unternehmensseite und nicht jedes Unternehmen veröffentlicht hochwertige Magazine. Vor allem im Mittelstand legen Entscheider viel Wert auf unabhängige Fachmedien – also Medien, in denen eine jeweilige Branche vereint ist. In solchen Magazinen können sich Facharbeitende über branchenspezifische Neuerungen informieren. Dies führte zu einem wichtigen Fazit: Auch wenn Organisation eigene Medien publizieren, möchten sie mit ihren Produkten in Fachmedien zu finden sein.

Mehr mit- als gegeneinander
Die Podiumsdiskussion hat gezeigt, dass sich Journalismus und Corporate Communication gegenseitig ergänzen, sogar bereichern können. Es geht um einen Pool an Informationen, die Unternehmen bereitstellen – und um tiefgehende Recherchen der Journalisten. Das stärkt die Reputation auf beiden Seiten, wenn Unternehmensmeldung neutral aufbereitet werden und Journalisten Informationen aus erster Hand erhalten.

Wie die Nähnadel digital wird

Die Nähnadel ist eine geniale Erfindung, vor langer Zeit von einem schlauen Kopf erdacht. In der heutigen Welt der Produkte ist die Nadel allerdings ein analoger Dinosaurier und für mich gerade deswegen ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie auch ein Hersteller mit traditionellem Sortiment sich digital neu erfinden kann. Damit so etwas gelingt, braucht es wiederum schlaue Köpfe. Davon gab es auf dem Hightech Summit Baden-Württemberg genügend. 37 Redner lieferten den mehr als 1.000 Teilnehmern des Technologiekongresses Informationen zur digitalen Transformation und zu Erfolgschancen im Datenzeitalter. Konkret ging es immer wieder um die Frage: Was bringt die Digitalisierung meinen Kunden? Im Fall der Nähnadel ist die Antwort eindeutig: Sehr viel! Nämlich mehr Sicherheit, höhere Produktivität und geringere Umweltbelastungen.

Mühsame Suche mit Fingerspitzengefühl
Beim Zusammennähen von Hosen, Blusen & Co brechen jedes Jahr rund 5 Milliarden industrieller Nadeln. Für die Bekleidungsindustrie ein echtes Problem, denn bereits kleinste Splitter können Verbraucher verletzen. In den USA hat das schon zu Schadensersatz in Millionenhöhe geführt. Einen internationalen Standard, wie Nähereien mit Nadelbruch umzugehen haben, gibt es nicht. Wie auch immer das Ganze abläuft, das Verfahren ist mühselig. Nähmaschinen werden gestoppt, die winzigen Teile mit Fingerspitzengefühl und Metalldetektor gesucht, die Fundstücke als Beweis auf Papier geklebt, über Jahre aufbewahrt. Das muss doch für unsere Kunden einfacher gehen, dachte man sich bei Grotz-Becker – einem der weltweit führenden Hersteller von maschinellen Industrienadeln. Die pfiffigen Köpfe in Albstadt tüftelten ein spezielles Qualitätsmanagement aus und ließen es unter dem Namen INH (Ideal Needle Handling) patentieren. Das Herzstück ist ein Nadelausgabewagen, zugleich Sammelstelle für beschädigte und gebrochene Nadeln. Der Prozess machte das Handling beim Nadelbruch deutlich effektiver. Allerdings: die Nadelbruchstücke mussten weiterhin manuell auf Papier geklebt und physisch aufbewahrt werden.

Digitale Lösung spart Papier und Stahl
Die Schwaben rechneten nach: Im Durchschnitt werden 15 Nadeln auf einen Aufbewahrungsbogen geklebt. Das verbraucht jährlich 334 Millionen Blatt Papier. Zudem werden 90 Prozent der Nadeln nach Ablauf der Beweisfrist nicht recycelt. Das macht 3.150 t Stahl – hochgerechnet auf 20 Jahre entspricht das der Stahlmenge, aus denen die 102 Stockwerke des Empire State Buildings gebaut sind. Dieser Ressourcenverschwendung stellte Grotz-Becker eine digitale Lösung entgegen. Der Komponentenlieferant entwickelte eine mobile App, ein Verwaltungsprogramm und stattet die Nadelausgabewagen mit festinstallierten Tablets aus. Deren Kameras fotografieren die Nadelbruchstücke. Anschließend gibt der Benutzer über die App Daten ein, wie Standort, Datum oder die Nummer des Produktionsauftrags, um das Foto zuzuordnen. In Verbindung mit dem Verwaltungsprogramm entsteht ein exakt gekennzeichneter, jederzeit abrufbarer Bilddatensatz, der auch vor Gericht als Beweis anerkannt wird. Da die gebrochenen Nadeln nicht mehr auf Papier geklebt sind, lassen sie sich zudem einfach wiederverwerten. Die digitalisierten Nadelstücke sind wirklich ein cleveres Beispiel dafür, wie sich Probleme auf ganz neue Art und Weise lösen lassen, wenn Unternehmen ihre analogen Produkte mit Hightech verbinden.

 

 

Im Interview: Digital Evangelist Lukas-Pierre Bessis

Leben 2025: Das bringt uns die Zukunft

Nächste Woche live in der Stuttgarter Liederhalle: Lukas-Pierre Bessis – als Digital Evangelist unterwegs, auf den Bühnen der Welt zuhause. Seine Erfahrungen und sein Wissen teilt er gerne und mitreißend in Vorträgen und Workshops. Thema am 29. Oktober ist „Leben 2025: Das bringt uns die Zukunft“. Aber wer ist eigentlich Lukas-Pierre Bessis, woher kennt er die Zukunft und was hat es mit dem rosaroten Pony auf sich?

Agenturchef, Redner, Buchautor und Familienvater – und das alles in einer Person. Erzähl uns, wie Du dazu gekommen bist und wie Du das unter einen Hut bekommst?

Ich denke, zwei Dinge kommen bei mir zusammen: Erstens ein unbändiger Wissensdrang bzw. eine permanente Unruhe, immer weitermachen zu wollen. Ich suche ständig nach der nächsten Herausforderung. Das Zweite ist, dass ich immer nur das mache, was mir auch Spaß macht. Egal ob es Ideen sind, Vorträge oder Workshops – diese innere Haltung spüren meine Gegenüber. Gleichzeitig fühlen sich meine vielen Tätigkeiten nicht wie ein stressiger Job an, sondern sind einfach mein Leben.

Studiert hast Du Kommunikationspädagogik und Dein Jobeinstieg war im Bereich Marketing und Sales Controller. Wie bist Du auf Pink Pony gekommen?

Ich wollte eine Agentur oder vielmehr eine Ideenberatung aufbauen, die wirklich neue Wege geht und das musste sich selbstredend auch im Namen manifestieren. Pink Pony ist eine Analogie und gleichzeitig eine Disruption des Trojanischen Pferdes. Das Pink Pony erobert Herzen mit smarten Ideen.

Es gibt sehr viele Kreativagenturen. Kannst Du uns Deine Erfolgsgeheimnisse von Pink Pony nennen?

Pink Pony ist frei von Zwängen und kann dadurch frei beraten – und auch wirklich radikal sein. Pink Pony hat keine Agenturräume und keine festangestellten Mitarbeiter. Pink Pony ist die erste cloudbasierte Ideenagentur. Diese Struktur macht Pink Pony superagil und ermöglicht es, immer die richtige Idee mit den richtigen Leuten am dafür richtigen Ort umzusetzen.

Auch in der Wissenschaft hast Du mitgemischt. Den Creative-Effectiveness-Prozess hast Du mitentwickelt. Erzähl uns doch etwas über die Idee bis hin zur Umsetzung.

Insbesondere in einem Land wie Deutschland, das über keine Rohstoffe verfügt, sind Ideen der größte Rohstoff bzw. unser Kapital. Obwohl das eigentlich jeder weiß, gibt es erstaunlicherweise keinen Ausbildungsweg oder Studiengang der explizit auf Ideenentwicklung zielt. Mitte der 2000er Jahre haben sich eine Gruppe aus der Universität der Künste, Berlin und ein Institut aus Frankfurt die Frage gestellt, was überhaupt richtige Ideen sind. 2007 kam ich dazu und wir fanden nicht nur die Antwort auf diese Frage, sondern definierten, durch Kombinieren unterschiedlicher Methoden u.a. aus der Neurowissenschaft und dem Design Thinking, einen Prozess, der es jedem ermöglicht herausragende Ideen zu entwickeln.

Inwieweit hat der Prozess Dich inspiriert, 2015 das Buch „Kill your Agency“ zu veröffentlichen?

Das Buch war eine logische Konsequenz. Nachdem wir die Methode seit 2009 in Anwendung hatten wurde ich immer häufiger gefragt, wo es das ganze Wissen nachzulesen gibt – und so schrieb ich das Buch.

Welche Resonanz gab es aus der Kreativbranche zu dem Creative-Effectiveness-Prozess und Deinem Buch?

Alles in allem positiv. Gute Agenturen wurden in ihrem Tun bestätigt, mittelmäßige Agenturen fühlten sich bedroht. Ein bis dahin befreundeter Agenturchef kündigte mir sogar die Freundschaft. Über ein Jahr lang war das Buch bei Amazon ein Bestseller unter den Top-Marketing-Fachbüchern.

Jetzt kommst Du in die Liederhalle nach Stuttgart. Was erwartet das Publikum?

Als nimmermüder Wissensjäger kam ich immer mehr mit der Digitalisierung in Berührung. Seit drei Jahren bereise ich die Welt, interviewe große und kleine Unternehmen bei der Digitalisierung, treffe mich mit Wissenschaftlern und halte mit dem erarbeiteten Wissen inspirierende Vorträge zum Thema Digitalisierung und Zukunft – meist auf Fachkongressen und Konferenzen. Insbesondere das Tempo dieser neuen Technologien und die Macht der Veränderung im beruflichen wie auch im privaten Umfeld haben mich dazu bewegt, den Vortrag Leben 2025 zu schreiben. Ich werde für jeden verständlich und nachvollziehbar die zentralen neuen Technologien, die in den kommenden sieben Jahren auf uns zukommen, in einem kurzweiligen Vortrag vorstellen.

Karten für den Vortrag von Lukas-Pierre Bessis in der Liederhalle gibt es hier: https://tickets.c2concerts.de/lukas-pierre-bessis-tickets-271.html

 

 

Einmal Klassik und zurück

Mit dem Arbeitskreis Baufachpresse unterwegs

DerArbeitskreis Baufachpresse ist der Berufsverband für „baupublizistisch Tätige“. Seine Mitglieder decken das gesamte Spektrum des Bauens, angefangen bei Architektur und Planung, über die einzelnen Sparten des Tiefbaus, Hochbaus und Ausbaus bis hin zum Ingenieurbau, dem Baumanagement wie auch dem Facility Management ab. Sie arbeiten in Redaktionen der Fachmedien, in Pressestellen von Unternehmen der Bau(stoff)industrie, in Verbänden, – wie ich – in Agenturen oder sind als Freelancer unterwegs. Hauptaktivität des Arbeitskreises ist die Jahrestagung, immer im Herbst, diesmal in Weimar. Ein paar Eindrücke.

Mit oder ohne Glas: da neue Bauhaus-Museum
In Weimar wurde 1919 das Bauhaus gegründet. 2008 haben der Bund und das Land Thüringen die Klassik Stiftung Weimar mit dem Bau eines neuen Bauhaus-Museums beauftragt. Den internationalen Architekturwettbewerb hat Prof. Heike Hanada, laboratory for art and architecture in Berlin, gewonnen – 536 Architekturbüros hatten ihre Beiträge eingereicht. Die Bauarbeiten begannen im November 2015, zum 100-jährigen Gründungsjubiläum des Bauhauses wird das bauhaus museum weimar am 6. April 2019 eröffnen. Prof. Hanada führte uns durch die weit fortgeschrittene Baustelle, erläuterte uns ihr Konzept, das Museumsgebäude als Verbindung zwischen dem Gau-Forum, einem Relikt der NS-Zeit, dem Stadtpark und der Innenstadt zu platzieren. Eine Besonderheit des Kubus ist seine vorgehängte Betonfassade: 400 Stahlbetonelemente aus weißem Zement werden derzeit montiert; später sollen integrierte LED-Bänder für Lichteffekte sorgen. Sehr beeindruckend, wie präzise die gerillten Elemente gestapelt am Gebäude verankert werden. Ein Museum in Betonoptik also? Das ist noch nicht ganz klar: Denn eigentlich soll (oder sollte) vor die Betonfassade eine Glasfassade gehängt werden, was meines Erachtens dem Gebäude ein komplett anders Aussehen geben würde. Da sich die Bauherren das Ganze inzwischen aber auch ohne Glas vorstellen könnten, wird noch einmal neu diskutiert. Dabei geht’s diesmal nicht in erster Linie ums Geld, sondern tatsächlich um die Ästhetik. Im November 2018 soll final entschieden werden – die Eröffnung im Frühjahr 2019 erfolgt aber auf jeden Fall ohne Glasfassade!

Viele Böden und ein Bunker im Stadtschloss
Seit Juli und bis 2023 ist das Stadtschloss Weimar wegen Sanierung geschlossen. Hier werden künftig verschiedene Kunstmuseen untergebracht sein, wobei der Zugang durch das Untergeschoss erfolgen wird. Und genau dieses haben wir uns angeschaut: ein Labyrinth von Gängen und Räumen, Gewölben und Treppen. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Böden immer wieder mal aufgeschüttet oder abgetragen, sodass es Höhenunterschiede von gut einem Meter gibt. Regelmäßig entdecken die Archäologen neue Steinböden. Im Dritten Reich wurde in den tiefsten Gewölbekeller ein riesiger Bunker einbetoniert. Zurzeit sind die Bauarbeiter damit beschäftigt, diesen Stück für Stück auszubauen. Die meterdicke Decke wird mithilfe von Seilen zerschnitten, über Hubbühnen herabgelassen und über Rampen ins Freie transportiert. Der Rückbau dürfte ein Vielfaches der damaligen Bauzeit und der Baukosten betragen.

Was gab’s noch?
Rechtsanwalt Florian Eckert von Heussen Rechtsanwaltsgesellschaft erläuterte uns die Auswirkungen der DSGVO auf die journalistische Arbeit. Es ging um Präventionsmöglichkeiten im Umgang mit Asbest und Staub. Und die neue Initiative Pro Steildach stellte sich vor: Sie will auf die Vorteile geneigter Dächer hinweisen und dafür sorgen, dass deren Marktanteil von rund 65 Prozent nicht vom Flachdach gefährdet wird. Vor allem gab’s natürlich interessante Gespräche mit den Kollegen, Erfahrungsaustausch, angeregte Diskussionen. Bemerkenswert fand ich, dass von den rund hundert Teilnehmern die meisten zum ersten Mal in Weimar waren, einige sogar zum ersten Mal in den östlichen Bundesländern. Nächstes Jahr findet die Jahrestagung in Wilhelmshaven statt – auch da war ich schon mal. 1973.

 

© Bilder: Sympra, AK Baufachpresse

Backstube 4.0 – zum Glück bleibt der Duft analog

Feinste Macaroons aus der ältesten Bäckerei Islands, preisgekröntes Gebäck von Tartine Bakery in L.A. oder von Hand geknetetes Biobrot aus Wien: Nein, ich bin nicht um die halbe Welt geflogen, um einen Blick in ausgezeichnete Bäckereien in den USA und in Europa zu werfen. Stattdessen habe ich mich in München in einen bequemen Lounge-Sessel gesetzt, mir eine 12 Oculus GO-Brille aufgezogen und bin auf virtuelle Besichtigungstour gegangen. Dieses multimediale Erlebnis war eine Premiere auf der iba 2018, der international größten Fachmesse für Bäcker und Konditoren, zu der rund 77.000 Fachbesucher aus aller Herren Länder kamen. Mich begeistert diese alle drei Jahre stattfindende Leistungsschau immer wieder aufs Neue, denn nirgendwo sonst gibt es diese einzigartige Mischung aus hochmoderner Maschinen- und Anlagentechnik, eingehüllt in den leckeren Duft frisch gebackener Brötchen.

Mit Sensorik aufs Gramm genau arbeiten
Digitalisierung, im Sinne von Backstube 4.0 mit intelligenten, vernetzten Maschinen, ist bislang vor allem ein Thema für die industriellen Großbäckereien. In der Großproduktion geht es schließlich auch um enorme Dimensionen. Als Normalverbraucher, der sich sein Brötchen beim Bäcker um die Ecke oder abgepackt im Supermarkt kauft, macht man sich davon keine Vorstellung. So misst ein industrieller Durchlaufofen leicht mal mehr als 37 m und  backt 11.000 Brote á 1,3 kg in einer Stunde. Eine industrielle Donut-Anlage kann stündlich bis zu 50.000 Donuts fertigen. Digitale Technologien eröffnen angesichts solcher Mengen ein enormes Einsparpotenzial, wenn Maschinenbauer sie geschickt einsetzen. Denn jedes Gramm Teig, das in der Produktion verschwendet wird, ergibt in der Summe viel Geld. Die zur iba neuentwickelte Sensorik ViControl beispielsweise zielt darauf ab, Kosten zu verringern. Sensoren überwachen die Teigstücke optisch, indem sie diese während des Produktionsprozesses exakt vermessen. Weicht etwa ein Brötchenteigling in der Höhe oder dem Durchmesser vom Zielwert ab, wird das visuell erkannt und auf einem Bildschirm angezeigt. Dadurch kann das Bedienpersonal frühzeitig reagieren, etwa, indem es die Anlagen anders konfiguriert. Das spart Ressourcen, produziert weniger Ausschuss und steigert insgesamt die Effizienz der Fertigungslinie.

Erfolgsrezepte virtuell veranschaulichen
In den kleinen Backstuben ist die Digitalisierung noch Zukunftsmusik. Doch mehr als 1.770 „Reisende“ auf der Virtual Bakery Tour und dementsprechend lange Warteschlangen vor der 3D-Rotunde belegten: Digitalisierung ist auch für Handwerksbäcker interessant  – und zwar keinesfalls nur als Unterhaltungsprogramm. Die 360-Grad-Videos zeigten erfolgreiche Geschäftsmodelle von Bäckereien in aller Welt, gewährten Einblicke in traditionell fertigende Backstuben und erklärten überzeugende Verkaufskonzepte. Das ist wertvoller Input für handwerklich arbeitende Bäckereien. Deren Zahl ist in den vergangenen 60 Jahren in Deutschland von rund 55.000 auf etwa 11.300 geschrumpft und viele kämpfen weiterhin ums Überleben. Um im Wettbewerb zu bestehen, ist jeder Impuls willkommen – vor allem, wenn er Erfolgsrezepte so anschaulich macht, wie bei der virtuellen Bäckereitour.