Wie sollen sie’s denn lernen?

In Gesprächen mit anderen Agenturchefs höre ich immer wieder von Agenturen und Unternehmen, die keine Praktikanten und Trainees mehr einstellen. Denn: Die Arbeiten, die diese Berufseinsteiger klassischerweise übernehmen, könne doch die KI viel besser und schneller erledigen. Dieser Trend spiegelt sich auch wider in der Fülle von erstklassigen Bewerbungen, die uns in den letzten Monaten erreicht.

Für unsere Branche bedeuten solche Entscheidungen über kurz oder lang ihr Ende. Ich bin überzeugt davon, dass Agenturen zwar ihr Geschäftsmodell anpassen müssen, dass es aber auch in Zukunft noch Agenturen braucht, die konzipieren, positionieren, beraten, den Wandeln vorantreiben und Maßnahmen auch umsetzen. Wenn wir aber jetzt nicht in die Ausbildung des Branchennachwuchses investieren, fehlen uns bald die gut ausgebildeten Consultants, junge Menschen, die nicht nur prompten können, sondern die KI-Ergebnisse auch bewerten und einordnen und optimieren können.

Die KI macht’s einfach, eine Pressemeldung oder ein Posting zu erstellen. Für einen richtig guten Text braucht‘s aber Erfahrung, Schreibgefühl, Wissen, um das Ergebnis auf Qualität und Richtigkeit hin prüfen zu können. Ein Konzept in Sympra-Qualität kommt nicht fertig aus der KI, denn es fließen auch hier Erfahrung, Empathie und das Wissen um Machbarkeit und Passgenauigkeit auf die Kundenbedürfnisse in das finale Dokument ein. Die Liste der Aufgaben in einer Kommunikationsagentur und die Anforderungen an die Consultants ließe sich fast beliebig erweitern.

Daher setzen wir uns bei Sympra – übrigens seit Gründung unserer Agentur vor über 30 Jahren – mit großem Engagement in die Ausbildung des Branchennachwuchses ein. So stellen wir, vielleicht antizyklisch, auch in diesem Jahr wieder eine Trainee ein. Wir haben aktuell eine Praktikantin an Bord, im August kommt die zweite. Wir haben in diesem Jahr drei Bogy-Praktikanten Einblicke in die PR-Welt vermittelt. Wir unterstützen die Young Professionals unseres Agenturverbands GPRA, wir haben dabei mitgewirkt, ein Weiterbildungsformat für die Mid-Levels auf den Weg zu bringen, und wir begleiten die Studierenden der PRIHO, der Public Relations Initiative der Universität Hohenheim.

Als Lehrbeauftragter an der Hochschule der Medien (HdM) Stuttgart durfte ich im Sommersemester rund 40 Studierende im ersten Semester in die Public Relations einführen (s. Foto). Dazu holte ich mir mit Eveyln Engesser von Unicepta, Jasmin Sieverding von Leadec, Pitt Marx von Thales und Frank Zeithammer vom Evangelischen Medienhaus weitere Praktiker als Gastdozenten ins Seminar. An der Universität Hohenheim berichten meine Kollegin Sophie Tutzschke und ich aus dem Agenturalltag, Studierende der HdM und der Macromedia-Hochschule besuchen uns zusammen mit ihren Dozentinnen regelmäßig in der Agentur.

Ich halte die Ausbildung in der Agentur und den Austausch mit Hochschulen für essenziell, damit Sympra, damit aber auch unsere Branche insgesamt agil und kreativ bleibt. Wer heute lieber in KI-Modelle, statt in die Ausbildung investiert, springt definitiv zu kurz. Public Relations bleiben – und der Begriff impliziert das ja bereits – nämlich vor allem eines: people business.

Sympra unterstützt Trade Estonia bei der PR für smarte Produktion in Deutschland

Trade Estonia hat die Kommunikationsagentur Sympra in Stuttgart beauftragt, die PR-Arbeit in Deutschland zu unterstützen. Ziel der Zusammenarbeit ist es, Estland als Standort für smarte industrielle Lösungen im deutschen Markt gezielt zu positionieren und estnische Unternehmen in diesem Bereich kommunikativ zu begleiten. Das erste gemeinsame Projekt ist die Hannover Messe.

Am estnischen Gemeinschaftsstand in Hannover präsentieren Unternehmen aus Estland Lösungen für industrielle Anwendungen, die Estlands digitale Kompetenz und industrielle Innovationskraft sichtbar machen. Als Teil von Enterprise Estonia, einer staatlich getragenen Organisation für Innovation und internationale Geschäftsentwicklung, bringt Trade Estonia estnische Unternehmen mit Partnern in Ausland zusammen – durch Fachmessen, Geschäftsreisen und gezielte B2B-Marktaktivitäten.

„Trade Estonia begleitet estnische Unternehmen bei der Erschließung internationaler Märkte und beim Aufbau von Geschäftsbeziehungen. Mit Sympra haben wir einen PR-Partner an unserer Seite, der die Industrie versteht und estnische Technologien und Lösungen für smarte Produktion gezielt in relevanten Medien positionieren kann. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit und darauf, Estlands Stärken in Digitalisierung und smarter Industrie im deutschen Markt noch sichtbarer zu machen“, erklärt Janika Prott, Projektmanagerin für internationale Kommunikation bei Trade Estonia.

„Wir haben bereits in der Vergangenheit für internationale Wirtschaftsförderungen gearbeitet und unterstützen aktuell inländische Einrichtungen. Das Know-how, das wir bei diesen Projekten sammeln konnten, bringen wir gerne in die Zusammenarbeit mit Enterprise Estonia ein“, erklärt Sympra-Geschäftsführer Veit Mathauer.

Über Sympra
Sympra GmbH (GPRA) ist eine auf B2B-Themen spezialisierte Agentur für Öffentlichkeitsarbeit und beschäftigt zurzeit 20 Mitarbeiter in Stuttgart und München. www.sympra.de.

Echt jetzt!

Ich habe mich neulich mit einem Hochschulprofessor unterhalten, der mir berichtete, wie versiert seine Studierenden mit der KI umgehen, was dazu führt, dass Hausarbeiten und Präsentationen sinnlos geworden sind, weil sie zu großen Teilen oder komplett von ChatGPT oder einem anderen KI-Tool erstellt werden.

Wir haben in letzter Zeit einen ganzen Schwung Bewerbungen auf zwei ausgeschriebene Stellen erhalten. So unterschiedlich die Kandidatinnen und Kandidaten, so unterschiedlich die Art und Weise, wie sie sich vorstellen und ihre Skills dokumentieren. Fast alle Bewerbungen bestanden aus einem Anschreiben und einem Lebenslauf mit Foto. Bei zwei CVs hatte ich den Verdacht, dass das Foto mithilfe von KI erstellt oder wenigstens bearbeitet wurde. Bei zwei Bewerbungen weiß ich es inzwischen, denn da hatte wir mit den Kandidaten ein erstes Kennenlerngespräch via Teams geführt.

Was soll ich sagen: Zwischen der adretten und dynamischen Person auf dem Foto und der Person, die sich uns im Videocall zeigte, gab es wenig Ähnlichkeit. Das führte in einem Fall so weit, dass wir ernsthaft Zweifel bekamen, ob wir tatsächlich mit dem Bewerber selbst sprachen oder vielleicht doch mit jemand ganz anderem. Die Person, die uns virtuell gegenübersaß, machte längst nicht den Eindruck von Entschlossen- und Motiviertsein, den ihr Foto uns vorab vermittelte, war nicht dezent gestylt wie auf dem offensichtlich KI-generierten Portraitbild. Wobei: Letzteres war hyperrealistisch scharf im Gegensatz zum stark verpixelten Video, weil entweder die Kamera oder das WLAN schwach war. Für uns war’s enttäuschend, weil wir uns in der Kombi aus Text und Bild auf eine andere Person eingestellt hatten.

Ich frage mich halt: Wenn die Person schon beim Bewerbungsfoto trickst: Kann ich dann dem Rest der Bewerbung glauben? Stimmt der Lebenslauf? Sind die Zeugnisse womöglich auch mithilfe von ChatGPT bearbeitet?

Inzwischen weiß ich, dass es zum Thema KI-Bewerbungsfotos umfangreiche Diskussionen und Tipps auf Karriereseiten im Web gibt. Mit Pros und Contras. Und guten und schlechten Beispielen. Ich halte diese Entwicklung für ungut, wenigstens bei Sympra verbessert ein KI-optimiertes oder KI- generiertes, realitätsfernes Portraitbild die Einstellungschancen nicht.

Was macht man so in Dubai?

Raphael Pohland, Grafikdesignpartner von Sympra, Kunde und Freund des Hauses, ist vor ein paar Monaten nach Dubai gezogen. Was macht man da eigentlich? Und wie lebt es sich in dieser neuen Welt? Warum zieht derzeit es so viele in die Vereinigten Arabischen Emirate? Wir wollten es genau wissen und haben ihn gefragt. 

Hey Raphael, viele Grüße nach Dubai. Was machst Du denn hier?

Ich arbeite in Dubai bei der DEECKE HOLDING, einem deutschen Unternehmen, das seinen Hauptsitz inzwischen hier hat und zusätzlich Niederlassungen in Deutschland und Südafrika betreibt. Die DEECKE HOLDING folgt vier strategischen Säulen: Finanzprodukte, Immobilien, Marketing & Communications sowie die Vermietung von Luxus-Villen in Südafrika. Wir unterstützen Kunden, die eine Immobilie in Dubai suchen oder strukturierte Anlagemöglichkeiten schätzen. Zudem bieten wir Urlaubserlebnisse in Luxusvillen in Südafrika an.

In diesem Kontext bin ich Managing Director der DEECKE Creative Agency. Das heißt, ich trage die Verantwortung für internes Marketing, Branding und Kommunikation über alle Geschäftsbereiche hinweg. Unser Team entwickelt Markenarchitekturen, Positionierungen, Kommunikationsstrategien, Leadgenerierung über Performance Marketing, die sowohl intern als auch extern funktionieren – in verschiedenen Märkten und kulturellen Kontexten.

Darüber hinaus unterstützen wir auch externe Kunden, darunter viele deutsche Unternehmen, beim Markteintritt in Dubai und den VAE. Das reicht von strategischer Positionierung über Marken- und Kommunikationsdesign bis hin zu praktischer Umsetzung vor Ort.

Arbeitest Du auch mit einheimischen Unternehmen zusammen, oder befindest Du Dich eher in einer internationalen Bubble?

Mein Büro ist in der Business Bay, ich wohne in Downtown. Mein beruflicher Alltag spielt sich zwischen Marketing, Finanzen, Immobilien und Unternehmern aus unterschiedlichsten Nationen ab. Europäer, Asiaten, Afrikaner, Amerikaner. Dubai ist in dieser Hinsicht ein globaler Knotenpunkt.

Direkte Berührungspunkte mit Emiratis habe ich bislang kaum. Das liegt weniger an Abschottung, sondern an der Struktur der Stadt. Rund 85 bis 90 Prozent der Bevölkerung sind Expats. Viele Geschäftsbereiche, insbesondere im Finanz- und Immobilienumfeld, werden operativ stark von internationalen Akteuren getragen. Die Emiratis begegnen einem vor allem auf institutioneller Ebene, in Behörden, bei strategischen Projekten oder als Eigentümer größerer Strukturen. Im operativen Tagesgeschäft bewegt man sich jedoch oft in einer sehr internationalen Bubble.

Das ist interessant, weil Dubai dadurch weniger wie eine klassische nationale Wirtschaft wirkt und mehr wie eine globale Plattform. Man arbeitet nicht primär mit „Einheimischen“ oder „Ausländern“, sondern mit Menschen, die alle aus einem anderen Kontext kommen und hier unter denselben Spielregeln agieren. Diese Spielregeln verbinden stärker als Herkunft. Und genau das macht die Dynamik hier aus.

Du lebst und arbeitest seit einigen Monaten in Dubai. Was hat Dich veranlasst, Stuttgart hinter Dir zu lassen und hier neu starten?

Es war weniger ein Weglaufen als eine neue Erfahrung. Ich hatte irgendwann das Gefühl, dass ich etwas Neues machen musste. Die Geschichten, die ich aus Marketing- und Brandingsicht erzählt habe, fühlten sich für mich auserzählt an. Nicht falsch. Aber zu vertraut. Ich kannte die Mechanik, die Dramaturgie, die Argumentationsmuster. Und genau das hat mich unruhig gemacht.

Stuttgart steht für Stabilität, Struktur, Planbarkeit. Das schätze ich bis heute. Aber ich merkte, dass ich mich in dieser Sicherheit ein Stück weit eingerichtet hatte und ich gemerkt habe, wie mich die verkrusteten Prozesse und regulatorischen Spielregeln immer mehr herausgefordert haben. Man versucht sich in Dauerregulationsschleifen zu bewegen. Aber man darf nicht rennen, sondern immer über Hindernisse steigen. Man richtet sich ein, man akzeptiert. Irgendwann wiederholt man sich.

Dubai hat mich gereizt, weil hier das Spielfeld größer wirkt. Ich wusste nicht, was mich erwartet. Und ich hatte auch keinen Plan hierher zu gehen. Es hat sich ergeben. Ganz ehrlich: Es ist lauter hier. Direkter. Luxuriöser. Ich stolpere regelmäßig darüber. Aber genau das war der Punkt. Ich wollte Reibung.

Wie unterscheidet sich der Mindset zwischen den Geschäftsleuten in Dubai von denen in Deutschland?

Für mich liegt der Unterschied weniger in Kultur als in der Haltung zu Entscheidung, Risiko und Verantwortung.

In Dubai wird schneller entschieden und klarer gesprochen. Der Ton ist direkter, gelegentlich rau, selten verklausuliert. Man sagt, was möglich ist, was es kostet und bis wann es umgesetzt wird. Geschwindigkeit ist keine Pose, sondern Erwartung. Entscheidungen müssen funktionieren, sie müssen nicht erst ausführlich erzählt oder moralisch eingeordnet werden.

Risiko gehört selbstverständlich dazu. Es wird kalkuliert und trotzdem getragen. Scheitern beschädigt den Ruf nicht automatisch, solange Verantwortung übernommen wird. In Deutschland wird Risiko intensiver analysiert, dokumentiert und strukturell abgesichert. Das ist präzise und professionell, aber es verlangsamt Bewegung.

Ein weiterer Unterschied liegt im System. Gründen und Investieren ist in Dubai rechtlich vergleichsweise unkompliziert. Weniger Regularien, weniger Prozessschleifen, weniger administrative Reibung. Die Gesetze wirken so, als seien sie für Menschen gemacht, die etwas vorhaben. Gleichzeitig sind die Spielregeln klar definiert und werden konsequent eingehalten. Genau das schafft Vertrauen.

Bemerkenswert ist, dass dieses Modell in einer Stadt funktioniert, in der rund 85 bis 90 Prozent der Bevölkerung Ausländer sind. Multikulturell, dicht, ambitioniert und dennoch stabil. Die Sicherheit entsteht aus klaren Regeln, die für alle gelten.

Was mich zusätzlich überrascht hat: Luxus ist hier selbstverständlicher Teil der Unternehmenswelt. Geschäftstermine finden in Räumen statt, die eher Galerie als Konferenzraum sind. Gespräche über Millionen laufen bei Trüffelpasta und Champagner. Glanz wird nicht als Widerspruch zur Seriosität gesehen, sondern als Ausdruck von Leistungsfähigkeit. Erfolg darf sichtbar sein.

Für meine schwäbische Sozialisierung ist das aber alles ein wenig zu laut. Ich staune und versuche zu realisieren und zu akzeptieren. Ich arbeite aber noch daran. Manchmal ertappe ich mich, wie ich mit meinem schlesisch-schwäbischen-pietistisch-katholischen Kopfmischmasch darüber stolpere. Noch nie war open minded so schwer wie in Dubai. Ich komme aus einer Welt, in der man Erfolge eher introvertiert realisiert und Zahlen lieber intern diskutiert. Hier wird Präsenz offensiver gelebt. Man zeigt, was man kann. Man zeigt, was man erreicht hat. Ich staune darüber regelmäßig und merke, wie mein geerdeter Reflex manchmal kurz die Stirn runzelt. Gleichzeitig lerne ich, dass Sichtbarkeit hier Teil des Spiels ist und dass sie Substanz nicht ersetzt, sondern flankiert. Es gibt sehr viele Egos. Vielleicht sind sie aber der größenwahnsinnig-napoleonische Impuls, den es hier benötigt.

Welche Learnings hast Du bereits gemacht, und welche kannst Du uns weitergeben? Wo können wir von Dubai lernen oder kopieren?

Mein wichtigstes Learning ist: Klarheit ist produktiver als Komfort. Viele Diskussionen, die wir für Tiefe halten, sind in Wahrheit Aufschub. Wenn man gezwungen ist, schneller Position zu beziehen, spart das enorme Energie.

Ein zweites Learning betrifft den Umgang mit Risiko. Dinge werden gestartet, getestet, korrigiert. Perfektion entsteht im Prozess. Diese Iterationskultur ist effizient und reduziert unnötige Rechtfertigungsrunden. Verantwortung wird übernommen, statt verteilt.

Ein drittes Learning liegt im Zusammenspiel von Freiheit und Begrenzung. Weniger Detailregulierung, mehr klare Prinzipien. Wenn Erwartungen transparent sind und Konsequenzen nachvollziehbar bleiben, entsteht Ordnung ohne Daueraufsicht. Dieses Modell funktioniert selbst in einer extrem vielfältigen Gesellschaft. Vielfalt braucht Klarheit.

Kopieren lässt sich vor allem der Mut zur Entscheidung, die Reduktion auf Wesentliches und das Vertrauen in individuelle Verantwortung. Ebenso der selbstbewusste Umgang mit unternehmerischer Präsenz. Leistung darf sichtbar sein. Leistung wird nicht argwöhnisch betrachtet, sondern als Resultat von Erfolg. Hier wird gemacht, statt sich hinter Exceltabellen zu verstecken. Entscheidungen müssen hier nicht erst als „richtig“ erzählt werden, um getroffen zu werden. Sie müssen funktionieren. Die Bewertung kommt später. Das reduziert Theater, Meetings und PowerPoint-Folklore erheblich.

Was man nicht kopieren sollte, ist Tempo ohne Struktur. Geschwindigkeit funktioniert nur dort nachhaltig, wo Regeln klar sind und Durchsetzungskraft vorhanden ist. Aktionismus ohne Verantwortung erzeugt Chaos. Mein persönliches Fazit: Weniger erklären. Klarer entscheiden. Risiken benennen und trotzdem handeln. Und akzeptieren, dass ein rauerer Ton manchmal ehrlicher ist als ein perfekt formulierter Konsens.

Was funktioniert besser in Deutschland? Was vermisst Du von Deinem Arbeitstag in Stuttgart?

Ich vermisse die Nähe zur Natur. In Stuttgart war sie Teil des Alltags. Ein kurzer Weg ins Grüne, Wald, Weinberge, Jahreszeiten, die man wirklich spürt. Hier in Downtown ist alles dichter, vertikaler, künstlicher. Die Stadt pulsiert, aber sie atmet anders. Natur ist hier mehr geplant.

Und ganz klar: Ich vermisse meine Familie und meine sozialen gewachsenen Kontakte. Momentan bin ich alleine hier. Das verändert den Rhythmus eines Arbeitstages stärker als jedes Meeting oder Projekt. Erfolg, Tempo, neue Impulse – all das fühlt sich anders an, wenn man sie nicht unmittelbar teilen kann.

Dubai ist ja geschäftiges neues Zentrum im Nahen Osten geworden. Wie ist das Leben jenseits der Arbeit? Was machst Du abends und an Wochenenden?

Dubai wird oft als reine Arbeitsmaschine beschrieben. Das stimmt nur halb. Jenseits der Meetings ist das Leben hier erstaunlich lebendig. Ich bin sehr offen empfangen worden und habe in kurzer Zeit viele neue Bekanntschaften gemacht. Das liegt sicher auch daran, dass die Stadt stark von Expats geprägt ist. Viele Menschen sind neu hier, viele bauen sich gerade etwas auf. Dadurch entsteht eine gewisse Offenheit. Man kommt schneller ins Gespräch, Netzwerke bilden sich unkompliziert.

Am Wochenende gibt es eine enorme Bandbreite an Möglichkeiten. Grillen in der Wüste unter freiem Himmel, Strandtage am Meer, spontane Besuche in Galerien oder bei Events. Die Stadt bietet eine fast überfordernde Auswahl. Man kann sehr aktiv sein oder sich einfach treiben lassen.

Was ich persönlich sehr schätze, ist etwas Banales: Ich sitze gerne im Café. Beobachten, lesen, nachdenken. In Downtown gibt es dafür unzählige Orte. Die Mischung aus internationalem Publikum, Architektur und permanenter Bewegung hat ihren eigenen Reiz. Dubai ist schnell, ja. Aber es bietet auch viele Räume, in denen man Tempo bewusst herausnehmen kann. Man muss sie nur nutzen.

Wie ist das kulturelle Angebot in Dubai?

Das kulturelle Angebot in Dubai ist größer, als man von außen vermuten würde, aber es funktioniert anders als in europäischen Städten. Es gibt eine lebendige Kunstszene, vor allem in Alserkal Avenue in Al Quoz. Dort entstehen Ausstellungen, Projekträume, Archive, kleinere Festivals. Vieles ist international geprägt, experimentell, temporär. Kunst ist hier weniger historisch gewachsen, mehr kuratiert und bewusst gesetzt. Manchmal wirkt es ein wenig kuratiert dirty.

Dazu kommen Museen, internationale Messen, Design-Events, Architektur, Mode, Musik. Die Stadt importiert kulturelle Impulse aus aller Welt und setzt sie in einen eigenen Kontext. Das wirkt manchmal wie eine gut organisierte Dauer-Inszenierung, manchmal überraschend roh. Was man weniger findet, ist das organisch gewachsene Milieu mit jahrzehntelanger Patina. Dubai ist jung. Kultur entsteht hier parallel zum Städtebau. Sie hat Tempo. Sie hat Kapital. Sie hat Bühne. Ich würde sagen: Dubai ist kulturell kein Archiv, sondern ein Experimentierraum. Wer Geschichte sucht, wird weniger fündig. Wer Gegenwart und Dynamik sucht, hat hier eine erstaunliche Auswahl

Kommst Du wieder zurück nach Deutschland?

Das lasse ich mir bewusst offen. Ich bin noch nicht lange genug hier, um eine abschließende Entscheidung zu treffen. Ein Standortwechsel ist mehr als ein beruflicher Schritt. Dafür braucht es Zeit. Entscheidend ist für mich auch die familiäre Situation. Ob meine Familie nachkommt, wie sich das für alle anfühlt, welche Dynamik entsteht. Das wiegt schwerer als jede berufliche Überlegung. Im Moment geht es für mich darum, Erfahrungen zu sammeln, zu lernen und ehrlich zu prüfen, wie tragfähig dieser Schritt ist. Alles Weitere ergibt sich aus der Realität. „Inschallah“, wie man hier sagt. Wenn Gott will. Oder etwas nüchterner: wenn es sich richtig fügt.

 Vielen Dank für die Einblicke, Raphael.

PRN-Agenturen zu Gast bei Sympra

Am 29./30. Januar 2025 fand die Mitgliederversammlung unseres internationalen Agenturverbunds Public Relations Network (PRN) in Stuttgart statt; wir von der Sympra GmbH (GPRA) waren diesmal Gastgeber.

Gekommen waren Agenturvertreter aus Europa, Asien und Amerika, weitere schalteten sich virtuell zu. Was stand auf dem Programm?

  • Wir durften Marius Buterchi, den Geschäftsführer der B2B-Agentur Synapse PR, als neuen PRN-Partner für Rumänien begrüßen.
  • Welche neuen Formate stehen für das Storytelling zur Verfügung? Dazu zeigten Melanie Schneider und Christina Wahlstrand-Hartmann von unserer schweizerischen Agentur open up Beispiele aus ihrem Portfolio. Meine Kollegin Stefanie Bäuerle stellte verschiedene Scrollytelling-Formate vor, die wir für Kunden von uns realisiert haben.
  • Braucht’s Wikipedia in Zeiten der KI überhaupt noch? Ja, definitiv, wie wir von Dr. Rudolf Simon lernen konnten. KI-Plattformen brauchen valide Informationen, wie sie z. B. die Wikipedia-Autoren zur Verfügung stellen. Kein Wunder also, dass Microsoft, Meta, Amazon und Alphabet Wikipedia großzügig finanziell unterstützen.
  • Am Nachmittag ging’s zur Dürr AG nach Bietigheim-Bissingen. Seit zehn Jahren unterstützen wir den Anlagenbauer – in Zusammenarbeit mit unseren PRN-Partneragenturen – bei der Fachpressearbeit in rund einem Dutzend Länder. Kristin Roth und Harald Pandl stellten den Gästen ihr Unternehmen vor und führten uns durch Testzentrum und Produktion, wo wir z. B. sehen konnten, wie komplette Karosserien durch ein Wasserbad gezogen werden, wie Motorhauben lackiert werden, ohne das auch nur ein Tropfen Lack danebengeht, und wie Lackierroboter mithilfe von Sprühköpfen mit 2.000 Düsen filigrane Muster lackieren. Das fand nicht nur ich sehr beeindruckend, sondern vor allem auch meine Kolleginnen und Kollegen, die uns schon seit Jahren bei der Medienarbeit für Dürr unterstützen und diese Anlagen auch zum ersten Mal live erleben durften.

So wichtig wie das fachliche Programm ist natürlich der informelle Austausch. Dazu hatten wir u. a. zweimal beim Abendessen mit schwäbischen Spezialitäten und während des Kulturprogramms am Wochenende ausreichend Gelegenheit. Gerade dies macht unser Netzwerk so wertvoll: Denn nur wenn ich meine Partner gut kenne und ihnen vertraue, dass sie auf dem gleichen Qualitätsniveau arbeiten wie wir und wir dasselbe Verständnis von Kommunikation haben und wenn wir uns sympathisch sind, können wir mit gutem Gewissen und mit Freude deren Leistungen unseren Partnern anbieten. Hier unterscheidet sich PRN deutlich von anderen, oft nur virtuellen Agenturnetzwerken.

Sympra hat Public Relations Network (PRN) vor 20 Jahren mitgegründet, und ich bin seither im Board des Netzwerks, seit fünf Jahren dessen Chairman. Zusammen mit unseren Partneragenturen bieten wir Kommunikationsdienstleistungen in rund 30 Ländern weltweit an.

Bei mir war’s Isla, bei Norbert war’s Ella.

Am vergangenen Mittwoch erhielt ich eine Nachricht über LinkedIn von der mir bis dato unbekannten Isla Lennox: Sie sei aufgrund meiner Postings zu Hightech-Themen auf mich aufmerksam geworden. Sie arbeitete bei einer britischen Roboterfirma, für die sie nach Weihnachten in Stuttgart das Deutschlandbüro aufbauen werde, und sie sei auf der Suche nach einer Kommunikationsagentur.

Mmh, ich schau mir zunächst mal die Profilseite von Isla an: Sie arbeitet tatsächlich als Program Director bei einem renommierten Hersteller von Robotern in London, war davor bei einem anderen Unternehmen als Senior Program Director tätig und davor vier Jahre lang in unterschiedlichen Positionen bei FANUC. Studium in Manchester und Sydney. Einige lesenswerte Beiträge gepostet bzw. geteilt, teilweise mit erstaunlicher Resonanz aus der Community. Macht alles einen seriösen Eindruck. New-Biz-Anfragen via LinkedIn kommen ja durchaus vor. Ich antworte ihr.

Es entsteht ein kleiner Dialog

Es entsteht ein kleiner Dialog: Sie schreibt mir, was sie braucht. Ich berichte, was wir können. Sie fragt, was man in Stuttgart kennen sollte. Ich empfehle ihr den Besuch des Mercedes-Benz Museums und der Staatsgalerie. Sie teilt mir mit, dass sie das interessant findet und gerne einen Kennenlerntermin vereinbaren möchte. So weit, so gut.

Ich schlage ihr einen Termin im neuen Jahr vor, wenn sie ohnehin in Stuttgart sei. Sie findet die Idee gut, bittet, die künftige Kommunikation via WhatsApp zu führen. Ich werde etwas skeptisch, schaue mir noch einmal Islas Profil an und schicke ihre meine Kontaktdaten.

Kurz darauf: WhatsApp-Nachricht von Isla: „Hello, it’s me, Isla. We‘ve chatted von LinkedIn.“ Geht mir ein bisschen schnell, ich schreibe was Unverfängliches wie: „Nice to see you here.“ Sie: „Isla, this stands for joy, happiness and luck!“. Hä?? Sie weiter: „Could we have a phone call today?“ Ich: „Today I am short of time, better tomorrow.“ Sie schickt mir ein GIF mit einer Espresso-Maschine: „I will have a coffee soon. What helps you get through the day?“ Jetzt finde ich es seltsam, zeige die Korrespondenz meiner Kollegin und bitte um ihre Einschätzung. Beide sind wir der Meinung, die „Akquiseaktion“ zunächst einmal nicht weiterzuführen.

Zwei Stunden später schickt Irma die nächste Nachricht

Zwei Stunden später schickt Isla die nächste Nachricht, in der sie sich beschwert, dass ich ihre Frage nicht beantwortet habe, was doch ein sehr unfreundlicher Act gegenüber einer Dame sei.

Das wird mir zu übergriffig. Die Tatsache, womöglich einen interessanten Kunden nicht zu gewinnen, nehme ich in Kauf, lösche die WhatsApp-Kommunikation, blockiere Isla und mache dasselbe auf LinkedIn, zudem melde ich die verdächtige Person. Um auf Nummer sicher zu gehen, ruft meine Kollegin bei dem britischen Roboterhersteller in London an und will sich mit Isla Lennox verbinden lassen – welch Überraschung: Eine Mitarbeiterin mit diesem Namen gibt es dort nicht.

Isla, Ella oder wie auch immer sie heißt, wirkt sympathisch und echt, ist aber KI-generiert.

Ich schau mir das LinkedIn-Profil von Frau Lennox jetzt noch einmal an: Das Foto – sie sieht zugegebenermaßen ziemlich gut aus – dürfte bei ganz genauem Hinschauen ein KI-generiertes Bild sein. Bei der Angabe ihres aktuellen Arbeitgebers hat sie offenbar versehentlich einen Blanc vor den Unternehmensnamen gesetzt, weshalb auch das Logo des Unternehmens nicht dargestellt wird. Und schließlich: 307 Kontakte (inzwischen sind es nur noch 204?) sind in der Tat recht wenige. Aber: alles durchaus möglich.

Vermutlich konnte ich einen Scammingversuch rechtzeitig abwehren

Vermutlich konnte ich einen Scammingversuch rechtzeitig abwehren. Ich bin zwar grundsätzlich misstrauisch bei der Kontaktaufnahme von fremden Menschen, im Fall von Isla wurde ich aber erst skeptisch, als sie den Aufbau einer Beziehung so sehr forcierte. Dass dies genau die Methode ist, mit der Lovescammer neue Opfer suchen, lese ich zwei Tage später im SPIEGEL: Dort wird die Geschichte von Norbert Schulz erzählt, der ebenfalls via LinkedIn kontaktiert wurde, von „Ella“, für die er bereit war, seine Ehe zu beenden, sein Haus zu verkaufen, sein ganzes Leben hinter sich zu lassen. Ella Davenport wurde erfunden, um ihm Geld zu stehlen.

Über Scamming habe ich schon einiges gelesen und mich über die vermeintliche Naivität der Opfer gewundert. Nach Islas professionellem Versuch, sich mir zu nähern, kann ich durchaus nachvollziehen, dass diese Betrüger*innen bei vielen Menschen leichtes Spiel haben. Dass LinkedIn hier ein Einfallstor für perfide Manipulation ist, hätte ich nicht unbedingt erwartet.

Meine kurze Erfahrung inkl. rechtzeitig gezogener Notbremse möge als Warnung verstanden werden.

Von einem agilen Bürgermeister und wieder verwendeten Ziegelsteinen (im Reichsformat)

Der AK BAU lud zur Jahreshauptversammlung nach Erfurt. Am Interessanten war’s aber in Sundhausen, Urleben und Blankenburg.. stacey dash nude ahahahterror_exclusive

Wir treffen uns am Freitagmorgen am Hotel in der Erfurter Stadtmitte und fahren mit dem Bus in die Thüringer Provinz. Hier ist wirklich nicht viel los: große landwirtschaftliche Flächen, kleine Dörfer mit geschlossenen Ladengeschäften und leeren Wohnhäusern, wenige und wenn, dann vor allem ältere Menschen auf der Straße. Wie viele ländliche Gegenden ist auch der Unstrut-Hainich-Kreis geprägt vom Wegzug der Bevölkerung und dem daraus resultierenden Leerstand. Soziale und medizinische Angebote sind rar, Heimatgefühl und Zusammenhalt in der verbliebenen Gemeinschaft nehmen ab.

Wir kommen in Blankenburg an und werden vom Bürgermeister Christopher Kaufmann vor dem Backhaus des Dorfes bereits erwartet. Er wird uns berichten, wie er hier gegensteuert, um das Leben auf dem Land wieder attraktiver zu machen. Das erste Beispiel hierfür steht gleich gegenüber des Backhauses: der Gesundheitskiosk von Blankenburg – einer von fünfen in der Region. Entwickelt und gebaut in experimenteller Holzbauweise von PASEL-K Architects. In den Gesundheitskiosken erhalten die Dorfbewohner zu festgelegten Zeiten Gesundheitsberatung, Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen und andere Services. Über frei zugängliches WLAN und große Fachbildschirme können sie mit Ärztinnen und Ärzten im nächstgelegenen Gesundheitskiosk oder in der Klinik sprechen. Ganz nebenbei ist der Kiosk auch Treffpunkt für Jung und Alt.

Dass dieses Konzept realisiert werden konnte und bei der Bevölkerung ankommt, ist vor allem engagierten Menschen wie Christopher Kaufmann zu verdanken. Der umtriebige Bürgermeister erzählt, wie er Förderprogramme aufgetan hat und gegen welche Widerstände er auf allen Ebenen ankämpfen musste, wie er im Architekten Prof. Ralf Pasel einen Partner gefunden hat, der nicht nur innovative Kioske entwirft, sondern auch noch gleich Studierende aus verschiedenen Ländern in die thüringische Provinz schickt, um die Holzgebäude zu errichten. Er hat einen Fahrdienst für ältere Mitbürger eingerichtet und bereits am zweiten Tag eine Abmahnung kassiert, weil er keine Lizenz zur Fahrgastbeförderung vorweisen konnte. „Nicht schlimm“, so Kaufmann, „denn wir haben kurzerhand einen Verein gegründet und unternehmen seither tägliche Vereinsfahrten.“ Ähnlich pragmatisch verlief die Gründung von Thüringens kleinster Schule, an der er mitwirkte: Mit zehn Schülern gestartet, werden dort heute über 100 Kinder unterrichtet. Kaufmanns Optimismus und Tatendrang beeindrucken uns schwer.

In Sundhausen, dem benachbarten Dorf, bauen gerade Studierende aus Berlin, Wien, Rotterdam, Santiago de Chile und Haifa zusammen mit Nachwuchshandwerkern einen leerstehenden Konsum aus DDR-Zeiten zu einem neuen Dorfmittelpunkt aus. In einem Haus-in-Haus-Konzept machen sie das alte Gebäude wieder bewohnbar; inzwischen beherbergt es neben einer Bürgermeisterei, einem Gesundheitskiosk und der Dorfkümmerei auch eine Mietarztpraxis. Die Sto Stiftung fördert das Projekt.

Erfurt hat Großes vor: die ICE-City entsteht

Wir fahren zurück nach Erfurt, um die Baumaßnahmen auf einem ehemaligen Bahngelände zu besichtigen. Durch die Busscheiben sehen wir zahlreiche verlassene Bahngebäude, einen großen Parkplatz, Gleisanlagen – aber niemand scheint uns auf dem großen Areal zu erwarten. Der Grund dafür: Wir sind an der falschen Bahnbrache angekommen, nicht an der, die wir eigentlich anschauen wollen. Diese ist zehn Busminuten entfernt und noch einmal deutlich größer! Hier, in Sichtweite zum Erfurter Hauptbahnhof, entsteht auf einer 30 Hektar großen Fläche die ICE-City.

Die Deutsche Bahn AG investiert als einer der größten Bauherren auf dem riesigen Gelände viel Geld. So will sie zum Beispiel für rund 130 Millionen Euro einen Verwaltungssitz für mehr als 1.000 Mitarbeitende errichten. Bereits jetzt laufen die Vorbereitungen für den Bau des DB Campus als bundesweite Aus- und Weiterbildungseinrichtung. 110 Millionen Euro werden auf 7.600 Quadratmetern investiert, 15.000 Quadratmeter umfasst eine Grün- und Freizeitanlage. Wir befinden uns in einem alten Backsteingebäude, Teil des früheren Güterbahnhofs, das erhalten bleiben soll – im Gegensatz zu anderen Gebäuden, die bereits abgerissen sind. Deren Mauerziegel, weit über hundert Jahre alt und alle im sogenannten Reichsformat (25 cm × 12 cm × 6,5 cm), lagern einige Hundert Meter weiter auf großen Haufen. Dort werden sie im Auftrag der Firma Concular gesäubert, nach Farben sortiert und palettiert, damit sie in den neuen Gebäuden wieder zum Einsatz kommen können. Concular hat sich darauf spezialisiert, Materialien in Bestands- und Neubauten zu digitalisieren und in einer Materialdatenbank zur Verfügung zu stellen. Wer Bedarf an Material hat, kann in dieser Datenbank suchen. Bei einem Match von Angebot und Nachfrage kümmert sich das Start-up darum, dass die Materialien von der Rückbau- zur Neubaustelle kommen und misst dabei die Einsparungen von CO2-Emissionen und Abfallaufkommen.

Was noch?

  • Wir haben die Mauerkronenbrücke besichtigt, die eine Jury zur schönsten Fuß- und Radwegbrücke gekürt und mit dem Deutschen Brückenbaupreis 2025 ausgezeichnet hat.
  • Ich habe gelernt, dass ein Architekt beim Bau eines Hauses über 3.700 verschiedene Normen berücksichtigten muss – ein Grund, warum Bauen immer teurer wird. Und warum eigentlich jedes Büro einen Rechtsbeistand braucht.
  • Die Deutsche Bahn AG investiert in den attraktiven Aus- und Weiterbildungsstandort auch deshalb, weil bis 2030 – also in fünf Jahren! – etwa die Hälfte aller Angestellten in Rente gehen wird, was konkret rund 100.000 Mitarbeiter von insgesamt etwa 214.000 bedeutet.

Zum Schluss

  • Erfurt ist eine schöne und lebendige Landeshauptstadt; wer noch nie dort war, sollte das schleunigst nachholen.
  • Der AK BAU ist ein wertvolles Netzwerk von Kolleginnen und Kollegen aus Redaktionen, Unternehmenspressestellen und Agenturen – mit Schwerpunkt im Baubereich.

Sympra erneut als „sozial engagiert“ ausgezeichnet

Der pregnant underthescrubsLea-Mittelstandspreis ist bundesweit der teilnehmerstärkste Wettbewerb, der Corporate-Social-Responsibility-Aktivitäten (CSR) kleiner und mittlerer Unternehmen auszeichnet. Der undotierte Preis steht unter dem Motto „Leistung – Engagement – Anerkennung“ (Lea). Ausgeschrieben wird er vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus, der Caritas in Baden-Württemberg und der Diakonie in Baden-Württemberg. Zur Bewerbung eingeladen waren alle baden-württembergischen Unternehmen mit maximal 500 Beschäftigten, die Wohlfahrtsverbände, soziale Organisationen, Initiativen, Einrichtungen oder (Sport-)Vereine unterstützen und sich gemeinsam mit ihnen gesellschaftlich engagieren. Die öffentliche Anerkennung dieser CSR-Aktivitäten soll zugleich Motivation dafür sein, in der Dauerhaftigkeit dieses Engagements nicht nachzulassen.

Sympra wurde in diesem Jahr bereits zum neunten Mal in Folge als „sozial engagiert“ ausgezeichnet, war 2024 sogar für den Lea Award nominiert. Beworben haben wir uns mit unseren Aktivitäten rund um unsere Streuobstwiese, der PR-Aktivitäten für diese bedrohte Kulturlandschaft, unseren Einsatz für soziale Einrichtungen und unseren Wissenstransfer für mehr ökologische Projekte in der Kreativwirtschaft.

„Wenn Unternehmen über ihren wirtschaftlichen Auftrag hinaus Verantwortung übernehmen, entsteht etwas Großes: gelebte Menschlichkeit“, sagte André Peters, Vorstand des Diakonischen Werks Baden im Neuen Schloss in Stuttgart vor 350 Gästen. „Der Lea-Mittelstandspreis würdigt genau dieses Engagement – und zeigt, wie viel Kraft in Partnerschaften liegt, die sich für das Gemeinwohl einsetzen.“ Oliver Merkelbach, Vorstandsvorsitzender des Caritasverbandes Rottenburg-Stuttgart, war beeindruckt, wie kreativ und tatkräftig Unternehmen ihre Ideen umsetzen. Er sagte: „Inmitten von Polarisierung, Klimakrise und sozialer Ungleichheit macht der Preis deutlich: Wer Haltung zeigt, kann den Unterschied machen.“

Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus des Landes Baden-Württemberg, betonte: „Zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen in unserem Land übernehmen Verantwortung, die weit über ihr wirtschaftliches Handeln hinausgeht. Ihr freiwilliger Einsatz für Umwelt und Gesellschaft ist gerade in herausfordernden Zeiten ein kraftvolles Zeichen von Haltung, Weitsicht und Gemeinsinn – und alles andere als selbstverständlich. Mit dem Lea-Mittelstandspreis würdigen wir dieses außergewöhnliche Engagement auch in diesem Jahr mit großer Wertschätzung und öffentlicher Anerkennung.“

Dr. Klaus Krämer, Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, und Heide Reinhard, Prälatin im Kirchenkreis Nordbaden der Badischen Landeskirche, würdigten als Schirmherr und Schirmherrin das Engagement, das die Unternehmerinnen und Unternehmer für die Gesellschaft einbringen. Sie halten deren unternehmerisches Wirken für unverzichtbar, gerade angesichts der großen gesellschaftlichen und ökologischen Fragen dieser Zeit. Dr. Klaus Krämer, Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, sagte: „Besonders beeindruckt mich die Spannbreite der Firmen mit weniger als 20 Mitarbeitenden bis hin zu Firmen mit mehreren Hundert Beschäftigten. Haltung ist also keine Frage der Größe. Es ist vielmehr großartig, wie uneigennützig Betriebe Verantwortung für andere Menschen übernehmen und deren Leben nachhaltig verbessern.“ Heide Reinhard erklärte: „Arbeitgeber, die sich für das Gemeinwesen einsetzen, sind für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer attraktiv. Das ist gut so. Denn das gesellschaftliche Engagement eines Unternehmens stellt einen entscheidenden Beitrag für unsere Zukunftsfähigkeit dar.“

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Jobkiller oder Möglichmacher – was Cobots alles können

Im vergangenen Jahr habe ich auf der Maschinenbaumesse AMB zum ersten Mal einen kollaborierenden Roboter, einen sogenannten Cobot, live gesehen. Dort hat er eine Drehmaschine bestückt. Jetzt habe ich gelernt, dass Cobots auch helfen können, Menschen mit Einschränkungen auf den ersten Arbeitsmarkt zu bringen.

Ein Cobot ist ein Roboter, der speziell dafür entwickelt wurde, mit Menschen in einem gemeinsamen Arbeitsbereich zusammenzuarbeiten. Im Gegensatz zu herkömmlichen Industrierobotern, die eingehaust oder in durch Schutzzäune abgetrennten Bereichen ihre Aufgaben verrichten, können Cobots direkt neben Menschen arbeiten und mit ihnen interagieren. Beim Annähern verlangsamen sie ihre Bewegung oder bleiben stehen.

Cobots ersetzen Arbeitskräfte …

Ihre einfache Bedienung und hohe Flexibilität qualifizieren sie in der Fabrik für vielfältige Aufgaben – von der Bestückung von Mess-, Dreh-, Fräs- und Bohrmaschinen über die Bauteilmontage bis hin zur Verpackung. Sie übernehmen eintönige und zeitraubende Abläufe und verschaffen ihren menschlichen Kollegen damit Luft für qualifizierte Aufgaben.

Bei seiner Cobot-Präsentation zeigt unser Kunde HAHN+KOLB das Handling unterschiedlicher Bauteile: Greifer fassten runde oder kubische Werkstücke, öffneten die Türen von Maschinen und bestückten sie oder reinigten Werkstücke mit Druckluft. „Cobots entlasten die Kollegen und erhöhen die Maschinenlaufzeiten, beispielsweise über die Mittagspause und nach Feierabend“, weiß Norbert Salbeck, Anwendungstechniker Zerspanung bei HAHN+KOLB. „Für viele Fertigungsbetriebe sind die kollaborierenden Roboter eine gute Lösung angesichts des bestehenden Fachkräftemangels.


… oder schaffen Arbeitsplätze

Vergangene Woche nahm ich – eher zufällig – an einer Konferenz zum Thema Inklusion teil. Hier drehte sich alles darum, Ansätze zu finden, wie sich Menschen mit Einschränkungen in den ersten Arbeitsmarkt einbinden lassen. So berichtete z. B. ein Hotelmanager über seine guten Erfahrungen mit gehörlosen Mitarbeitenden im Housekeeping, verschiedene private und öffentliche Einrichtungen stellten ihre Beratungskonzepte vor. Am meisten hat mich aber der Vortrag von Prof. Dr. Mathias Hüsing vom Institut für Getriebetechnik, Maschinendynamik und Robotik an der RWTH Aachen beeindruckt.

Hüsing zeigte nämlich, wie Cobots die Integration und Inklusion von Menschen mit physischen Einschränkungen oder Schwerbehinderungen ermöglichen – sowohl im ersten Arbeitsmarkt als auch in Einrichtungen und Werkstätten. Die kollaborativen Roboter können die eingeschränkten Leistungsfähigkeiten der schwerbehinderten Menschen zielgerichtet ausgleichen. So greift zum Beispiel der Cobot nach speziellen Schraubdeckeln, führt diese einer Mitarbeiterin zur Sichtkontrolle vor, die dann entscheidet, ob die Qualität stimmt oder ob nachgearbeitet werden muss. In der Motorenfertigung bei Ford erhält ein Mitarbeiter Unterstützung durch einen Cobot, indem dieser schwere Bauteile hebt und für die Montage fixiert. In einem Labor schüttelt ein Cobot drei bis fünf Kilo schwere Glaskolben mit Flüssigkeiten für die anschließende Analyse.

Zahlreiche industrielle Betriebe beschäftigen zwar bereits Menschen mit Behinderungen, doch zumeist nur für sehr einfache Tätigkeiten und isoliert von den übrigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitsnehmern. Dies führt nicht zu einer Inklusion, sondern nur zu einer Integration in Form von Separation, in der schwerbehinderte Menschen sozial und räumlich ausgegrenzt werden.

Während also Cobots im „normalen“ Einsatz darauf ausgelegt sind, Arbeitskräfte zu ersetzen, weil aufgrund von Fachkräftemangel nicht verfügbar, erfüllen sie bei der Inklusion die gegenteilige Aufgabe: nämlich Arbeitsplätze zu schaffen, und zwar im ersten Arbeitsmarkt und nachhaltig.

 

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Bild 2: © HAHN+KOLB

Also, an uns lag’s nicht!

Die Tage bekam ich beim Aufräumen einen Flyer in die Hand, der die Vorzüge eines Notebooks mit ausfahrbarem Display bewarb. Der Hersteller war vor ein paar Jahren ein Projektkunde von uns, das Produkt eine echte Sensation – aber leider ein Flop. Tatsächlich hatten wir immer mal wieder solche Produkte und Dienstleistungen, die wir bekannt machen sollten, die aber nicht ganz den Bedarf des Marktes trafen.

Das ergonomische Notebook

Schon vor 15 Jahren machten Notebooks stationären Büro-PCs Konkurrenz. „Doch die feste Verbindung zwischen Tastatur und Display erzwingt eine unbequeme Arbeitshaltung mit nach unten gerichtetem Blick“, hieß es damals in unserer Presseinformation. Vor allem dann, wenn Notebook-Nutzer länger in Umgebungen wie Hotels oder bei einem Kundenunternehmen arbeiten (klassisches Beispiel hierfür: der Wirtschaftsprüfer).  Während externe Monitore in Kombination mit Dockingstations und Tastaturen zwar Abhilfe schafften, waren sie wiederum kaum transportabel. Das hatte ein Schweizer Startup erkannt und zusammen mit einem renommierten Designer das erste ergonomische Notebook auf den Markt gebracht. Der Anwender stellt es auf, zieht das Display bis zur gewünschten Höhe nach oben heraus und hat fortan den Bildschirm auf Augenhöhe. Weil der Rechner dadurch eine etwas andere Statik benötigte, war er mit gut dreieinhalb Kilogramm auch deutlich schwerer als die Konkurrenzmodelle. Der neue Ansatz begeisterte die Medien: Wir gingen mehrfach auf Redaktionstour, stellten Testgeräte zur Verfügung und erzielten mit unseren Beiträgen eine enorme Reichweite, das Gerät wurde zum „Produkt des Monats“ gekürt. Aus PR-Sicht war der Produktlaunch ein großer Erfolg, aus Vertriebssicht leider nicht: Die Verkaufszahlen bewegten sich im unteren dreistelligen Bereich, das Unternehmen verabschiedete sich schnell wieder vom Markt.

Der ISDN-Teleschreiber

Schon in den ersten Jahren unserer Agentur beschäftigten wir uns intensiv mit dem Thema Telekommunikation. Damals wurde gerade das Integrated Services Digital Network, kurz ISDN, eingeführt. Die Älteren erinnern sich: Das war der internationale Standard der Übertragungs- und Vermittlungstechnik in einem digitalen Netz, in dem künftig Sprache, Daten, Text und Bilder transportiert werden konnten. Ein ISDN-Basisanschluss verfügte über zwei Kanäle à 64 kbit/s, zusammen ergab das also eine Gesamtbandbreite von 128 kbit/s. Dass Unternehmen damit Daten von einem Rechner zum anderen versenden konnten, war eine nachvollziehbare Anwendung. Beim Telefonieren würde sich die Sprachqualität verbessern (was meines Erachtens nie der Fall war). Aber schon das Versenden von Bildern war ein eher exotischer Dienst, vielleicht für Werbeagenturen oder Fotografen sinnvoll. Um aber ISDN eines Tages auch in die Privathaushalte zu bringen, brauchte es neue Anwendungen und Geräte – wie z. B. den Teleschreiber unseres Kunden. Das war ein Gerät bestehend aus einem kleinen Display und einem Pad, auf dem man mit einem Griffel schreiben und zeichnen konnte. Das Besondere war, dass die Zeichnungen nicht nur auf dem eigenen kleinen Bildschirm angezeigt wurden, sondern auch auf dem Bildschirm eine anderes Teleschreibers, der – über ISDN angebunden – wenige Meter oder viele hundert Kilometer entfernt stehen konnte. So ließen sich gezeichnete Grüße schicken oder die „Montagsmaler“ nachspielen. Auf der CeBIT in Hannover war’s eine Sensation, der Bundespostminister ließ sich damit ablichten, die Medien berichteten. Zur Marktreife hat es das Gerät nie geschafft. (Das war auch nicht nötig, denn bekanntermaßen fanden sich im Laufe der Zeit andere Anwendungen, um die 2 x 64 kbit/s einigermaßen sinnvoll zu nutzen.)

Die Revolution bei Gefahrguttransporten

Mit dem Thema Gefahrguttransporte hatte ich mich davor nie befasst. Doch dann meldete sich bei uns ein Start-up, das das Zeug hatte, eine ganze Branche auf den Kopf zu stellen. Die Idee entstand aus der Doktorarbeit eines der Firmengründer: Er hatte einen innovativen Edelstahlcontainer entwickelt, der wiederverwendbar, gut handhabbar und für alle möglichen Gefahrgüter einsetzbar war. Er konnte Einwegbehälter ersetzen, musste nicht wie andere Behälter nach jedem Einsatz gereinigt und konditioniert werden. Er konnte bei einem Unfall nicht platzen, was das aufwändige Reparieren von Straßenbelägen nach einem Unfall mit Gefahrgut ersparte. In seiner Doktorarbeit konnte der Unternehmer nachweisen, dass der branchenweite Einsatz seiner Lösung einen jährlichen volkswirtschaftlichen Nutzen in zweistelliger Milliardenhöhe versprach. Für jede auch noch so ausgefallene Frage hatte er einen nachvollziehbaren Lösungsansatz parat. Unsere PR-Aktivitäten waren fruchtbar – in Form von Veröffentlichungen, leider nicht von Aufträgen; das Unternehmen musste aufgeben. Der Grund: Die Gefahrgutlogistik ist ein Milliarden-Euro-Markt, auf dem sehr viele Akteure gutes Geld verdienen und der vielen Menschen einen Arbeitsplatz bietet. Die Idee unseres Kunden war zu ambitioniert, zu revolutionär, vielleicht zu früh. Der David war chancenlos gegen den Gefahrgutgoliath.

Was noch?

Wir unterstützten ein US-Unternehmen, das Elektroautos mit Wechselbatterien ausstatten wollte – die Medien fanden es interessant, der Markt nicht. Wir organisierten eine Pressekonferenz, auf der ein Mobiltelefon vorgestellt wurde, das eigentlich ein Smartphone war; aber für Icons auf einem Touchscreen war der Markt noch nicht vorbereitet. Auch der famose Speicher, in dem Mietinteressenten Unterlagen für ihre potenziellen Vermieter in der Cloud bereitstellen konnten, hatte gegen Dropbox und Mails wenig Chancen. Selbst dem Kästchen, das zwischen Ladenkasse und Drucker eingebunden DM-Beträge schnell in Euro-Beträge umrechnen konnte, blieb der Markterfolg vorenthalten. Genauso wie dem französischen Leichtfahrzeug, das man bereits mit 16 Jahren fahren konnte und das in Italien ein echter Burner war. Für alle diese Produkte haben unsere PR-Aktionen zu zahlreichen Veröffentlichungen, Likes und jeder Menge positiver medialer Resonanz geführt – aber leider haben sie alle gefloppt. Also, an uns lag’s nicht …