Echt jetzt!

Ich habe mich neulich mit einem Hochschulprofessor unterhalten, der mir berichtete, wie versiert seine Studierenden mit der KI umgehen, was dazu führt, dass Hausarbeiten und Präsentationen sinnlos geworden sind, weil sie zu großen Teilen oder komplett von ChatGPT oder einem anderen KI-Tool erstellt werden.

Wir haben in letzter Zeit einen ganzen Schwung Bewerbungen auf zwei ausgeschriebene Stellen erhalten. So unterschiedlich die Kandidatinnen und Kandidaten, so unterschiedlich die Art und Weise, wie sie sich vorstellen und ihre Skills dokumentieren. Fast alle Bewerbungen bestanden aus einem Anschreiben und einem Lebenslauf mit Foto. Bei zwei CVs hatte ich den Verdacht, dass das Foto mithilfe von KI erstellt oder wenigstens bearbeitet wurde. Bei zwei Bewerbungen weiß ich es inzwischen, denn da hatte wir mit den Kandidaten ein erstes Kennenlerngespräch via Teams geführt.

Was soll ich sagen: Zwischen der adretten und dynamischen Person auf dem Foto und der Person, die sich uns im Videocall zeigte, gab es wenig Ähnlichkeit. Das führte in einem Fall so weit, dass wir ernsthaft Zweifel bekamen, ob wir tatsächlich mit dem Bewerber selbst sprachen oder vielleicht doch mit jemand ganz anderem. Die Person, die uns virtuell gegenübersaß, machte längst nicht den Eindruck von Entschlossen- und Motiviertsein, den ihr Foto uns vorab vermittelte, war nicht dezent gestylt wie auf dem offensichtlich KI-generierten Portraitbild. Wobei: Letzteres war hyperrealistisch scharf im Gegensatz zum stark verpixelten Video, weil entweder die Kamera oder das WLAN schwach war. Für uns war’s enttäuschend, weil wir uns in der Kombi aus Text und Bild auf eine andere Person eingestellt hatten.

Ich frage mich halt: Wenn die Person schon beim Bewerbungsfoto trickst: Kann ich dann dem Rest der Bewerbung glauben? Stimmt der Lebenslauf? Sind die Zeugnisse womöglich auch mithilfe von ChatGPT bearbeitet?

Inzwischen weiß ich, dass es zum Thema KI-Bewerbungsfotos umfangreiche Diskussionen und Tipps auf Karriereseiten im Web gibt. Mit Pros und Contras. Und guten und schlechten Beispielen. Ich halte diese Entwicklung für ungut, wenigstens bei Sympra verbessert ein KI-optimiertes oder KI- generiertes, realitätsfernes Portraitbild die Einstellungschancen nicht.

Über den Verfasser

Veit Mathauer ist einer der beiden Geschäftsführer von Sympra. Wirtschaftswissenschaftler, Journalist, PR-Mensch, Boardmitglied im internationalen Public Relations Network (PRN) und Blogger. Ansonsten auch in den einschlägigen sozialen Netzwerken zu finden.

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Kommentare zu diesem Post

Oliver Gassner

Ich rate den Leuten, die ich bei der Bewerbung begleite immer dazu, dass da keine zu große Schere zwischen dem aufgehen sollte, was Realität ist und dem was irgendwo steht. Das geht so wie in eurem Fall immer nach hinten los. Wobei die Leute soweit ich das einschätzen kann keine KI Fotos verwenden. Zumindest nicht für XING und LinkedIn, die Lebensläufe schaue ich mir in der Regel nicht an, da ist jemand anders zuständig