Wie ist die Schwerkraft eigentlich aufgebaut?

Das Institut, links der Reaktor

Grenoble. Ein Ort in Südostfrankreich, den mancher mit der Winterolympiade 1968 oder dem jährlich stattfindenden Jazzfestival in Verbindung bringt. In der größten Hochgebirgsstadt der Alpen sind aber auch eine der weltweit besten Business Schools, die Grenoble École de Management, und bedeutende Großforschungseinrichtungen wie das Institut Laue-Langevin (ILL), das sich der wissenschaftlichen Neutronenforschung verschrieben hat, beheimatet. Das ILL betreibt seit mehreren Jahrzehnten Grundlagenforschung und ist eine europäische Erfolgsgeschichte. Hierhin führte mich oder eher führte ich vor kurzem eine Pressereise.

Peter Geltenbort vom ILL erklärt die Funktionsweise der Neutronenquelle
Peter Geltenbort vom ILL

Rückblende: Am 22. Januar 1963 begründen Konrad Adenauer und Charles de Gaulle mit der Unterzeichnung des Elysee-Vertrags die französisch-deutsche Zusammenarbeit. Ein Aspekt des Vertrages ist die Kooperation bei Wissenschaft und Forschung. Heute gilt das deutsch-französische Tandem als Motor der EU-Forschung. Die Gründung des ILL im Januar 1967 war eines der ersten konkreten Resultate der Zusammenarbeit. 1973 schloss sich Großbritannien den beiden Gründungsmitgliedern an. Die drei Gründerstaaten besitzen und finanzieren das Institut zu gleichen Teilen.

Der Gebäudekomplex des Instituts atmet den Baustil der sechziger Jahre und einige grundlegende Bauteile des Hochflussreaktors stammen noch aus dieser Zeit, wie gusseiserne Plaketten mit Firmennamen belegen. Der Reaktor selbst wurde zwischen 1993 und 1995 überholt und erzeugt den höchsten Neutronenfluss der Welt mit einer thermischen Leistung von 58 Megawatt. Die Mitarbeiter im ILL sind im besten Sinne europäisch und zeigen mit ihrer freundlichen offenen und mehrsprachigen Art wie Europa erfolgreich zusammenwächst. Der hochgewachsene deutschstämmige Abteilungsleiter referiert auf Englisch über das Institut, der englische Vize-Direktor begrüßt uns mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht, die aus Italien stammende Mitarbeiterin der Presseabteilung erklärt mit leicht französischem Akzent auf Englisch wie das ILL vor Erdbeben gesichert ist. Und der deutsche Direktor bleibt nicht nur dank seines prägnanten Namens Richard Wagner präsent, sondern auch wegen seiner kenntnisreichen und spannenden Ausführungen über die Forschungen an seinem Institut.

Very Cold neutronsRichtig beeindruckend wird der Rundgang durch das ILL, wenn man durch die Druckschleuse die kuppelgekrönte 60 Meter hohe Halle mit dem Reaktor betritt. Von außen wirkt das Gebäude unscheinbar, seine Größe ist schwer zu ermessen. Innen aber ruht mein Blick auf einem riesenhaft wirkenden Kran, der zum Beispiel schwere Betonplatten innerhalb der Halle transportiert. Der Raum selbst ist voller Instrumente und Forschungsgerätschaften, Wissenschaftler im Arbeitsmantel eilen an uns vorbei. Da zum Zeitpunkt des Besuchs der Neutronenstrahl nicht in Betrieb war – er funktioniert im Dauerbetrieb während Zyklen von je 50 Tagen – konnten wir einen Blick in das Abklingbecken werfen und das bläuliche Leuchten des Tscherenkov-Lichts sehen.

Die Gründungsidee des ILL war es, eine starke Neutronenquelle für die zivile Grundlagenforschung zu schaffen. Das ist gelungen, denn seit nunmehr vierzig Jahren, befindet sich in den Räumlichkeiten des ILL die weltweit stärkste mit einer Leistung von 58 Megawatt. Sie wird ständig auf den neuesten Stand der Forschung und Sicherheitstechnik gebracht. Das ILL versteht sich als Service-Institut, das seinen Hochflussreaktor der wissenschaftlichen Gemeinschaft weltweit zu Forschungszwecken zur Verfügung stellt. Mehrere Tausend Forschungsvorschläge gehen jährlich beim ILL ein. Wissenschaftliche Komitees prüfen und wählen daraus diejenigen aus, die sie für am sinnvollsten halten. 2.000 Wissenschaftler führen jährlich über 1.200 Experimente durch. Experimente, die nicht nur für die Grundlagenforschung wichtig sind, sondern oft auch für die industrielle oder die therapeutische Anwendung.

Zu den aktuellen Forschungsergebnissen am ILL gehören unter anderem:

  • ein neues Radioisotop zur verbesserten Krebstherapie, das zielgerichteter wirkt und geringere Kollateralschäden in gesundem Gewebe verursacht
  • die Schwerkraft-Resonanz-Spektroskopie, die helfen kann, die grundlegende Struktur  der Schwerkraft zu entschlüsseln
  • neueste Erkenntnisse zur Funktionsweise der Frostschutzproteine in Fischen der Arktis.

x
Doch das steht im Einzelnen auf einem anderen Blatt bzw. auf der Webseite des Instituts Laue-Langevin.

Über den Verfasser

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.