„Tyskland, Sverige för vuxna“

„Deutschland ist Schweden für Erwachsene“, dieses Zitat stammt von Horace Engdahl – schwedischer Literaturkritiker, der inzwischen in Berlin lebt. Mein „Austauschkollege“ Behrang erzählte am Montag ganz nebenbei von Engdahls Standpunkt und brachte mich damit ins Grübeln. Denn eigentlich war ich mir doch ziemlich sicher, dass Schweden längst nicht mehr in den Kinderschuhen steckt.

Eine Woche war ich nun in Malmö, das erste Mal in meinem Leben auf schwedischem bzw. überhaupt skandinavischem Boden. Eine Arbeitswoche lang habe ich Wirtén-Luft geschnuppert. Unsere Partneragentur im Public Relations Network (PRN) hat mich aufgenommen und gewährte mir interessante Einblicke in die Agenturarbeit und den schwedischen Alltag. Ich würde es mir nicht anmaßen, Engdahls Aussage bereits nach so kurzer Zeit in Schweden zu bewerten – zumal er damit vor allem Bezug auf die Literatur-Landschaft in Schweden nimmt, von der ich ehrlich gesagt keinen Schimmer habe. Aber ich habe erste allgemeine Eindrücke dieses Landes erlangt und dabei immer wieder mehr oder weniger bewusst den Vergleich zu Deutschland gezogen. Nicht nur bei der PR-Arbeit, auch bei alltäglichen Dingen.

Wirtén und Sympra – das passt!

Inhalte, Themen, Kunden und Qualitätsstandards – es sind sehr große Parallelen zwischen Wirtén und Sympra zu erkennen. Was natürlich auch daran liegt, dass die Mitglieder im Public Relations Network ganz bewusst ähnlich ausgerichtet sind. Wirtén betreut Kunden aus den Bereichen Mobilität, Stromver- und Abfallentsorgung sowie Kommunen und Städte. Meist sehr komplexe und erklärungsbedürftige Themen. Kunden, wie sie auch ganz ähnlich in den Referenzen von Sympra zu finden sind. Corporate Publishing und Medienarbeit sind zwei wichtige Aufgabengebiete von Wirtén. Presseartikel, Newsletter, Kunden- und Mitarbeitermagazine entstehen mit einem sehr hohen Qualitätsanspruch. Die meisten Berater haben einen journalistischen Hintergrund. Mehrere haben mir von der schwierigen wirtschaftlichen Lage des schwedischen Zeitungsmarkts erzählt, die noch weitaus bedrohlicher zu sein scheint als in Deutschland. Oftmals wechseln die Journalisten daher in die PR. Die übrigen Redakteure haben deshalb alle Hände voll zu tun. So konnte ich mithören, wie meine Gegenübersitzerin einige Journalisten bzgl. einer Pressereise kontaktierte und mit ganz ähnlichen Reaktionen zu kämpfen hatte wie unser Einer. „Nö, ich habe keine Einladung bekommen… Ach so, doch, stimmt, da ist sie ja….Das konnte ich mir aber noch nicht genauer anschauen, tut mir leid…Die Reise und der Artikel dazu würde mich zwei Tage kosten – sorry, das schaffe ich im Moment einfach nicht“. Ganz ähnliche Gespräche habe ich in Deutschland auch schon geführt. 😉

Nach einer Woche Wirtén fasse ich zusammen: Ich würde die Agentur guten Gewissens jedem meiner deutschen Kunden empfehlen, wenn er PR-Support in Schweden benötigt!

Ganz schön flexibel, die Schweden!

Flexible Arbeitszeiten werden bei Wirtén großgeschrieben. Und auch der Arbeitsort kann sehr spontan und flexibel gewählt werden. Ausgestattet mit Notebook, Serverzugang und Smartphone sind die Consultants immer und überall erreichbar und einsatzbereit. So kann es auch sein, dass das Büro mal einen Tag lang unbesetzt bleibt. Gar keine Seltenheit ist das im Sommer, wenn es gang und gäbe ist, dass jeder Mitarbeiter vier Wochen Urlaub hat. Dass wir bei Sympra grundsätzlich versuchen, nicht länger als zwei Wochen am Stück Urlaub zu nehmen, hat da schon für große Augen gesorgt. 🙂

„Als Schwede hat man es gut in Berlin, einfach nur weil man schwedisch ist.”

Wirtén hat für mich den Kontakt zu Minc hergestellt – eine Einrichtung für Start-ups im Herzen von Malmö. Junge Unternehmen können sich dort bewerben und wenn ihre Idee überzeugt, bekommen sie kostenlos ein kleines Büro gestellt. Zudem sind immer Advisors aus verschiedenen Bereichen vor Ort – beispielsweise ein Jurist oder eine Kommunikationsberaterin – die den Einsteigern bei Fragen zur Verfügung stehen. Einen Nachmittag hat mich Erik Stenberg dort aufgenommen und mir die Idee und Hintergründe von Minc gezeigt. Er und seine Partner haben selbst erst kürzlich den Support vom Minc in Anspruch genommen und tunaspot gegründet. Eine zukunftsorientierte Idee auf Basis von Google Maps und Spotify. Damit soll jeder die Möglichkeit haben, ortsgebundene Playlisten anzulegen und mit anderen zu teilen. So kann man, wo immer man ist, auf die regional empfohlene Musik zugreifen. Vor allem für Unternehmen/Marken sieht Stenberg hier eine große Einsatzmöglichkeit.

Die zweijährige Start-up-Zeit hat tunaspot erfolgreich hinter sich gebracht und auch schon Investoren gefunden. Nun will Stenberg mit seiner Idee nach Berlin – dem Silicon Valley Europas. Und er ist guter Dinge, denn Ideen von Schweden seien in Berlin eigentlich immer willkommen – einfach nur, weil sie aus Schweden stammen. Mit dieser Aussage ist mein Weltbild wieder zurecht gerückt, denn das war bisher auch mein Eindruck: Deutsche finden Schweden irgendwie cool und halten sehr viel von diesem Land. Sehr viel mehr als Engdahl! 🙂

 

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