Transforming Communication – oder: Wir haben es in der Hand

Es war irgendwann im vergangenen Jahr. Zwischenzeitlich hatten wir sie oft genug in appetitliche Häppchen gepackt: die Vorteile und Probleme der agilen Arbeitsweise unserer Konzernkunden, die Chancen und Risiken der Digitalisierung bei den Mittelständlern, die Verheißungen des digitalen Arbeitsplatzes für mehr Mobilität, bedarfsgerechtes Lernen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, wie sie die Berater gerne propagieren. Wir hatten einige unserer Kunden beim Umkrempeln ihrer Kommunikation beraten und hier jedes Mal grundständig neu denken müssen. Intern diskutierten wir über flexible Arbeitszeiten und warfen geübte Meeting-Formate über den Haufen, während wir uns parallel zu Blockchain-Summits anmeldeten, neue Methoden wie Design Thinking für uns zu entdeckten und in einem Potpourri aus visionären Vorträgen und Events der Welt 2025ff ins Auge blickten. Ja, und wir hatten Krisen gemanagt zu Themen, die sich bislang nicht als Gefahrenzonen verdächtig gemacht hatten. Kurz: Höchste Zeit, die Sache mit der andauernden Transformation mal auf den Punkt zu bringen. Wir verändern. Während, weil, nur wenn wir uns verändern. Sind gleichermaßen Teil des Prozesses und ihr Treiber. Transforming Communication: das Motto unseres nächsten Streckenabschnitts.

 

Unerklärliches als Taktgeber
Leitplanke 1: Veränderungen, die selbst vor Dimensionen wie Zeit und Raum nicht Halt machen, vermessen auch die kommunikativen Herausforderungen neu. Wo etwas beginnt, das binnen kürzester Zeit alternativlos ist, wo sich Veränderungsprozesse nicht mehr von A wie Anfang bis Z wie Zielerreichung durchdeklinieren lassen, wo Geschäftsfelder infrage stehen, deren leiseste Erschütterung noch bis vor kurzem als systemkritisch galt, wo eingeübte Rollenverteilungen obsolet werden und Wertschöpfungsketten jederzeit wie Kartenhäuser in sich zusammenfallen können, müssen wir unsere Rolle als Kommunikatoren und das, was wir können, neu justieren.

Die Gemengelage ist komplex. Was uns zunächst einmal entgegenkommt, denn mit komplexen Sachverhalten kennen wir uns aus. Die digitale Transformation in den Unternehmen zu begleiten, das heißt durchaus auch, ihre Themen zu verstehen. Wissen, worum es geht, wenn von Blockchain, IoT, Agilität, Scrum, Disruption, Industrie 4.0 und anderen Buzzwords der Digitalisierung die Rede ist. Wir müssen das erklären, denn tatsächlich bleibt die sachliche Auseinandersetzung auch oder gerade in Zeiten von „Content made by everybody“ ein wesentliches Element der Meinungsbildung. Nichts weniger ist nämlich gefragt, wenn der Wandel gelingen und möglichst wenig(e) dabei auf der Strecke bleiben soll(en): eine grundlegende Neuausrichtung des Mindsets. Orientierung geben? Gut. Aber nicht genug.

Vorreiter im Blindflug
Leitplanke 2: Die Kommunikation ist gefordert, neben Informations- und Impulsgeber auch Mutmacher und Integrator zu sein. Sie muss die Tragweite der Veränderungen antizipieren – unternehmenskulturell, betriebswirtschaftlich, sozial. Und zwar noch bevor sich diese am Horizont abzeichnen, und ohne sich dabei auf Erfahrungswerte berufen zu können. Denn das ist ein wesentlicher Kern dieser durch die Digitalisierung getriebenen Transformation, die eben nicht nur einzelne Branchen oder Personengruppen erfasst: Sie ist keine vorübergehende Erscheinung, sie hat kein erklärtes Ziel, kein definierbares Ende. Die technische Entwicklung befeuert vielmehr einen fundamentalen gesellschaftlichen Wandel, dem die Player in den vertrauten Anwendungsdomänen hinterherlaufen. Sie sind Getriebene, die sich nicht darauf verlassen können, dass morgen noch gilt, was heute wahr ist.

Das bedeutet für uns nicht weniger, als die Kommunikatoren dabei zu unterstützen, ihre Arbeitsweise neu zu erfinden. Ohne Genaueres zu wissen Neues zu wagen. Die schnelle Idee der langfristigen Planung vorzuziehen. Ihre Toolbox um neue Methoden zu erweitern, um den disruptiven Ansatz für sich fruchtbar zu machen. Und mit gutem Beispiel voranzugehen, wenn es darum geht, immer wieder und immer öfter von Null anzufangen. Wir müssen das können, um weiterhin in der Lage zu sein, die kommunikativen Herausforderungen unserer Kunden zu lösen.

Glücksfall oder Fallstrick?
Leitplanke 3: Allen Unkenrufen zum Trotz, behaupten wir jetzt mal, externe Berater, Ideengeber, Draufseher, Unterstützer, Einfänger, Umsetzer (…) – also Leute wie wir – werden weiterhin gebraucht. Ja, es stimmt natürlich, dass es in der Zwischenzeit und angesichts der oben skizzierten Arbeitsweise durchaus sinnvoll sein kann, sich erst einmal im eigenen Haus zu versuchen, bevor man vermeintlich teure Externe ins Boot holt. Aber die Spezies der Agenturmenschen hat einen, sie hat den entscheidenden Vorsprung: Sie ist geübt im Ausprobieren, Scheitern, Aufstehen. Längst gewöhnt an temporäres Einsteigen in Projekte, die schnelle, gezielte, individuelle und natürlich bisher ungesehene Lösungen erwarten.

Geschwindigkeit und Kundenorientierung – das ist die Währung der neuen, digitalen Zeit. Werte, die zu unserer DNA gehören und mit ihren Schwestern Zuverlässigkeit und Fairness eine unwiderstehliche Verbindung eingehen. Keine Frage: Die Transformation mit ihren ständig neuen Gesichtern verlangt andauernde Aufmerksamkeit und ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit. Das zu leisten, ist extrem anstrengend, und wird uns zwingen, uns immer wieder zu häuten, neue Formen anzunehmen – im doppelten Wortsinn. Wir werden liebgewonnene Denk- und Verhaltensmuster verlieren. Und dafür den Spielraum gewinnen, die Veränderung aktiv mitzugestalten. In diesem Sinne: Transforming Communication – das ist Sympra 2019ff.

 

Über den Verfasser

Veronika Höber ist Geschäftsführerin von Sympra.

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