Storytelling fürs D-Netz

Ganz vorab: Bin heute im Büro beim Aufräumen zufällig auf zwei ungewöhnliche Pressebilder gestoßen.

Vorab: Das D-Netz, Nachfolger des C-Netzes, das war das erste digitale Mobilfunknetz in Deutschland und wurde 1992 eingeführt.  Da die Deutsche Telekom (D1) mit Mannesmann Mobilfunk (D2) zum ersten Mal einen Wettbewerber hatte und Digitaltechnik günstiger war als die analoge, war abzusehen, dass die Preise purzeln würden und das “Handheld” (der deutsche Begriff “Handy” war noch nicht Usus) zu einem Alltagsgerät für ein paar Millionen Menschen werden könnte – wenn man ihnen nur nahebringt, dass sie so was tatsächlich brauchen.

Das Briefing an die PR-Agentur*: An die Zielgruppe denken! Einsatzszenarien erfinden! Nutzen aufzeigen! Geschichten erzählen! Locker sein!

Die Umsetzung: 

„Reben-Kostbarkeiten werden einem nicht jeden Tag angeboten. Wie wichtig ist da die schnelle Verbindung zum Kunden oder zum Büro zuhause. Aber nicht jede Winzer-Schatzkammer bietet gleich ein Telefon. Mit dem D-Netz-Handtelefon 9109 HA hat man sofort die entscheidende Verbindung. Innerhalb Deutschlands und in Europa. High-Tech auf kleinstem Raum gepaart mit Leistungsstärke und zukunftsweisendem Design.“

 

„Wie schnell wird man Zeuge eines Unfalls. Und wie oft ist auch heute noch kein Telefon in der Nähe. Hilfe holen und entscheidende Informationen vorab durchgeben können, ist ein ganz dicker Pluspunkt mobiler Funktelefone. Mit dem D-Netz-Handtelefon 9109 HA hat man sofort die entscheidende Verbindung. Innerhalb Deutschlands und in Europa. High-Tech auf kleinstem Raum gepaart mit Leistungsstärke und zukunftweisendem Design.“

Zwei Akkuversionen hielten das ‘Handheld’ zwischen 48 Stunden (Standard) und 72 Stunden (Power-Pack) in Bereitschaft und boten 1,5 Stunden Sprechzeit. Je nach Akku-Version wog das 9109 HA bis zu 425 Gramm.

Mein Rating: Jo, Storytelling gut und schön, aber die Geschichten sollten halt auch Sinn machen. Ob der Weinkenner im tiefen Keller wohl Mobilfunkempfang hatte? Ich würde das mal bezweifeln. Und der Herr im zweiten Bild ist ja offensichtlich ein Arzt, was die Arzttasche mit Stethoskop vermuten lässt. Vielleicht sollte er lieber die kleine Schürfwunde des Mädchens versorgen, als gleich den Notarzt zu rufen? Genaue Beobachter erkennen übrigens den vermeintlichen Arzt wieder: Er kam wohl direkt von der Weinprobe und fuhr mit seinem Volvo das Rad fahrende Kind an …

*Sympra hat dieses Telekommunikationsunternehmen über 20 Jahre lang bei der Öffentlichkeitsarbeit unterstützt – kreativ und erfolgreich. Für diesen frühen Storytelling-Ansatz gab ein Wettbewerber ein kurzes Gastspiel. Das ist auch schon wieder so eine Art Storytelling …

Über den Verfasser

Veit Mathauer ist einer der beiden Geschäftsführer von Sympra. Wirtschaftswissenschaftler, Journalist, PR-Mensch, Boardmitglied im internationalen Public Relations Network (PRN) und Blogger. Ansonsten auch in den einschlägigen sozialen Netzwerken zu finden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.