Sitzfleischkultur oder #arbeitviernull ?

Wann werden wir arbeiten – 9 to 5 oder wann immer wir wollen? Das ist nur eine der Fragen, die vergangenen Donnerstagabend auf der Agenda standen: Die Reinhold-Maier-Stiftung und die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit hatten zum Thema „Arbeiten in der digitalisierten Welt“ eingeladen. Stempeluhr oder flexible Arbeitszeiten, Crowdworking oder Dezentralität – die Digitalisierung verändert die Wirtschaft auch durch neue Arbeitsformen. Und keine Frage, dass eine Arbeitskultur, die auf Flexibilität beruht, auch Herausforderungen mit sich bringt. Genug Stoff also für interessante Diskussionen rund um #arbeitviernull, was die Gäste trotz sonnigen Wetters in die stylischen Räumlichkeiten der Design Offices lockte.

Den Impuls gab Dr. Thomas Sattelberger, Innovationspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, mit seinem sehr lebhaften Vortrag. Seine Botschaft: Veränderungen gab es schon immer, und auch die kommenden werden wir meistern. Bis dahin müssen wir aus seiner Sicht aber noch ein paar Hürden nehmen. Arbeitsrecht und Arbeitsschutz etwa müssten sich den neuen Gegebenheiten anpassen, denn natürlich ist es eine rhetorische Frage, ob der Arbeitsschutz künftig ins Homeoffice kommen wird, um die Beleuchtung zu prüfen oder Kabelbinder im Arbeitszimmer anzubringen. Arbeitsverträge, auf Flexibilität ausgerichtet und individuell auf den einzelnen Mitarbeiter abgestimmt, machen nicht nur deutlich mehr Arbeit, sondern strapazieren auch den Überblick über die Konditionenvielfalt. Nichtsdestotrotz sieht Sattelberger uns der digitalisierten Arbeitswelt näher, als es vielen Unternehmen derzeit bewusst ist. Hotelbranche, Einzelhandel oder das Verlagswesen haben bereits digitale Wettbewerber, die klassische Geschäftsmodelle und Arbeitsweisen infrage stellen. Doch so drastisch muss es gar nicht sein. Die Veränderungen sind allerorten spürbar, und für Sattelberger gibt es keine Alternative, als „sich mit ihnen anzufreunden“.

Die anschließende Diskussionsrunde bereicherte Tobias Ködel, Head of Leadership 2020 der Daimler AG mit seinen Erfahrungen aus einer „Legehennen-Fabrik“, wie Sattelberger Großkonzerne zuvor betitelt hatte. Ködel ist sich sicher, dass es vor allem einer Veränderung in der Führungskultur bedarf, um Arbeit 4.0 zu etablieren. Wichtige Faktoren der neuen Arbeitskultur sind flache Hierarchien und Flexibilität. Ihnen will Daimler mit dem Projekt „Leadership 2020“ ausreichend Raum geben. Denn, da sind sich die beiden Referenten einig, es wird nicht damit getan sein, dass Unternehmen „die Mitarbeiter in den fancy Hauptstadtbüros der Corporate Start-ups mit flachen Hierarchien unterbringen“. Zwar lernten Menschen durch Inspiration und das Einfinden in neue Situationen, Vorbilder und ein bisschen Übung könnten indes nicht schaden: „Wir Menschen sind Gewohnheitstiere“, sagt Ködel. „Best-Practice-Beispiele helfen, aus alten Strukturen herauszukommen und neue anzunehmen.“ Ergo: Auch digital Ding will Weile haben.

Über den Verfasser

Isabelle Hirsch studierte Crossmedia Redaktion/Public Relations an der Hochschule der Medien. Nach dem erfolgreichen Abschluss im Frühjahr 2018 unterstützt sie jetzt Sympra als Trainee. Sie schreibt nicht nur für den SYMPRABLOG sondern ist auch privat in den einschlägigen sozialen Netzwerken zu finden.

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