Runter mit dem Energieverbrauch: Neues Wohnen in der Stadt

Wohnraum in den Städten wird immer kostbarer, Energie immer teurer. Micro-Apartments, Tiny-Houses, die mit weniger als 10 m2 Fläche auskommen, oder Aktiv-Stadthäuser, die mehr Energie produzieren als sie verbrauchen – das sind Ansätze, um die hohen Kosten für Energie und Wohnen zu senken. Intelligente Grundrisse, moderne Bautechnik mit hohem Vorfertigungsgrad, nachhaltige Baustoffe und neuartige Energiekonzepte tragen zum energieeffizienten Gebäudebetrieb bei. Wie dabei technisches Monitoring ins Spiel kommt, und wie der Plus-Energie-Standard weiter optimiert werden kann, gab es beim ersten „Talk im Tower“ zu hören, den die Stuttgarter Ingenieursgesellschaft EGS-plan im 14. Stock des debitel-Gebäudes in Stuttgart-Vaihingen veranstaltet hat.

Alles nach Plan? Gebäude auf dem Prüfstand
Wer heute baut oder Gebäude betreibt, hat einige Herausforderungen zu meistern: Sie müssen nutzer- und umweltfreundlich sein, Technik und Anlagen haben stets optimal zu funktionieren, Verbrauch sollte reduziert und der Komfort gesteigert sein. Ab 2020 sollen Neubauten nach der europäischen Gebäuderichtlinie nur noch als Niedrigenergiegebäude errichtet werden. „Energieeffizienz bei Neubau und Sanierung von Gebäuden reicht aber nicht aus, um die Klimaziele bis 2050 zu erreichen“, sagt Dr. -Ing. Boris Mahler von EGS-plan. „Wir müssen zusätzlich an den Bestand.“ Und da jedes Bauwerk ein Unikat ist, kann die Fehlerquote hoch sein. Beispiele dafür gibt es genug, etwa falsch angeschlossene oder eingestellte Anlagen oder auch nur offen gelassene Fenster. Komplexe Gebäude sollten daher mit Probebetrieb und aussagekräftiger Datenerhebung übergeben werden. Ein Monitoring des Gebäudebetriebs ist empfehlenswert, energetische Ziele werden häufig erst nach einem Jahr erreicht.

Architekten AG, Kassel Bildquelle: Constantin Meyer Photographie
Aktiv-Stadthaus Frankfurt | HHS Planer + Architekten AG, Kassel Bildquelle: Constantin Meyer Photographie

Pilotprojekt AktivPlus-Stadthaus in Frankfurt
Beim ersten und größten innerstädtischen Mehrfamilien-Wohnhaus im Effizienzhaus-Plus-Standard wurde gleich nach der Fertigstellung vor zwei Jahren ein Monitoring durchgeführt, das bewies: Das achtgeschossige Aktiv-Stadthaus mit 74 Wohnungen erzeugt in der Jahresbilanz mehr Energie als es verbraucht. Dafür sorgen unter anderem ein „Energiedach“ mit Photovoltaikanlage und eine Fassade mit Photovoltaikelementen. Wärme wird mit einer elektrischen Wärmepumpe erzeugt, als Wärmequelle wird der nahegelegene Abwasserkanal genutzt. Der Bau liegt auf einem schmalen 150 m langen Grundstück in der Nähe des Hauptbahnhofs, das lange unbebaut war. Die Tragkonstruktion ist aus Stahlbeton, Dach- und Außenwände aus vorgefertigten Holzrahmenelementen. Die Apartments sind zwischen 60 und 120 m2 groß und mit einem Budget für Heizung, Warmwasser und Elektrizität vermietet, das bereits im Mietpreis enthalten ist. Die spannende Frage für die Mieter war: Wie viel Strom und warmes Wasser verbrauche ich eigentlich, und wann?

Mit iPads in jeder Wohnung die Energie im Blick
Hier war Nutzerfeedback gefordert: Um den Verbrauch genau nachverfolgen zu können, wurde jede Wohnung mit einem Tablet PC mit einer vorinstallierten App ausgestattet. Jede Mietpartei erhielt damit den Überblick über den Energieverbrauch im Verhältnis zum Budget. Außerdem gab es ein Ranking aller Verbräuche im Haus, zu einzelnen Haushaltsgeräten in einem Teil der Wohnungen oder auch Infos zum Car-Sharing-Angebot. Laut einer Umfrage haben 80 Prozent der Mieter das Tablet im ersten Jahr einmal pro Woche bedient und damit ihr Bewusstsein für Energie und Wohnen geschärft. Interessant dabei: besonders beliebt war das Ranking – und damit die Antwort auf die Frage „Wie gut stehe ich mit meinem Energieverbrauch eigentlich da?“.

EnergiePlus für Studenten
Zurzeit baut die Wohnbau Studio Planungsgesellschaft das erste Studentenwohnheim, das mehr Energie produziert, als es verbraucht. Das „Campo V“ ist damit das erste AktivhausPlus in Geschossbauweise in Stuttgart. Mit einem hohen Eigenstromanteil aus erneuerbaren Energien, reduzierten Energiebedarf und Speichermöglichkeiten für Strom und Wärme mithilfe einer Batterie setzt es Standards für energieeffizientes Wohnen in Ballungsräumen. Auch hier wird es ein Monitoring-Projekt zum energieeffizienten Gebäudebetrieb geben – und die Nutzer sind gefragt!

Über den Verfasser

Anahita Shakour-Wiegand ist Senior Consultant für die Redaktion von Bau-Themen und berät Kunden in allen Bereichen der PR, vornehmlich als Bau-Expertin. Agenturerfahrung im Baubereich sammelte sie zuvor sechs Jahre als Consultant und Senior Consultant in einer Agentur für Bauwesen, Wohnen und Einrichten.

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