Ökologisch und energieschonend: Bauen auf dem Weg in die Zukunft

Unser Kunde LBBW Immobilien beweist beim Projekt Schlossgartenquartier in Stuttgart, was Nachhaltigkeit für Gewerbeimmobilien bedeuten kann: Statt das Bestandgebäude abzureißen, wird dieses revitalisiert und saniert. Das Dach des Gebäudes in der Königstraße 1c erhält künftig eine abgeschrägte, begrünte Dachterrasse. (Foto: LBBW Immobilien)

Verdichten oder aufstocken, nach- oder umnutzen, leichter oder mit vorgefertigten Modulen bauen, Material recyceln oder CO2-neutral produzieren, Kreislaufwirtschaft fördern – die Liste der Möglichkeiten ist lang, um Ressourcen im Bauprozess zu schonen und den Flächen- und Energieverbrauch auf breiter Front zu verringern. Doch welcher Weg ist richtig?

Das Erfreuliche zuerst: Mein Eindruck ist, es geht voran. Vielerorts arbeiten Planende, Hersteller, Auftraggeber:innen, Ausführende und Forschende daran, nachhaltige Produkte und Bauweisen auf den Weg zu bringen. Es wird geforscht zu Leichtbaumethoden, klimafreundlicherem Beton und umweltfreundlichen Materialien wie beispielsweise Flachs, Pilzwerkstoffe oder naturfaserverstärkte Biopolymere, aus denen im 3D-Druck-Verfahren architektonische Bauteile wie Fassadenelemente entstehen. Lokal verfügbare natürliche Baustoffe wie Lehm oder Stein sowie Baukomponenten aus nachwachsendem Kork oder Holz sind ebenfalls gefragt. Da der Fichtenbestand durch den Klimawandel jedoch zurückzugehen droht, werden jetzt schon Verfahren geprüft, um vermehrt Buchenholz für standardisierte Träger und Stützen zu nutzen.

Lowtech oder Hightech?
Das Ziel ist, einfacher und auch kostengünstiger zu bauen – mit weniger Material, kreislauffähigen Modulen oder mit traditionellen Bauweisen und -stoffen. Zu den smarten Möglichkeiten, Klima und Natur zu schonen, gehören nicht nur CO2-neutrale Gebäude, die mit automatisierter Hightech zur effizienten Nutzung von Energie und Ressourcen beitragen. Grüne Fassaden etwa helfen, Wärmeinseln im urbanen Raum zu reduzieren und erhöhen zusätzlich die Aufenthaltsqualität. Auch Dächer werden zunehmend als grüne Oasen für mehr Klimaresilienz genutzt. Die Gebäudebegrünung boomt und lässt sich sogar mit Photovoltaik kombinieren. Beim Projekt Solar Decathlon Europe in Wuppertal ranken Grünpflanzen an einer Seilnetzstruktur empor, in die rautenförmige Photovoltaikelemente eingehängt sind. Auf Solardächern kann eine kühlende Pflanzendecke die Modulleistung sogar optimieren. Und im finnischen Tampere werden Urban Farming-Projekte auf Grünflächen und in Laboren getestet, um die nachhaltige städtische Agrarproduktion voranzutreiben.

Umbau statt Abriss
Der Bausektor ist für rund 40 % der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Anstatt abzureißen, das Baumaterial aufwendig zu trennen und zu entsorgen, um dann neu zu bauen, schonen Aufstockung, Umnutzung und Sanierung bestehender Gebäude das Klima. Fassaden werden zum Beispiel um neue vorgehängte Module ergänzt und Baustoffe oder Innenausbauteile wiederverwendet. Längerfristig gilt es, Kreislaufwirtschaft zu fördern und komplette Bauwerke als Rohstofflager zu nutzen – urban mining. Die digitale Planungsmethode BIM erfasst dabei alle Bauteile und zukünftig wohl auch ihre Bestandteile zur Wiederverwertung. Ein weiterer Vorteil: Die sogenannte graue Energie, die in Gebäuden gebunden ist, geht bei der Verwendung vorhandener Bausubstanz nicht verloren, das senkt CO2-Emissionen. Auch helfen diese Maßnahmen, den Flächenverbrauch zu reduzieren, ein wichtiger Baustein in dicht besiedelten Städten.

Der Lebenszyklus zählt
Um den Ressourcen- und Energieverbrauch zu senken, müssen alle Phasen des Lebenszyklus von Gebäuden berücksichtigt werden – von der Planung über die Erstellung und Nutzung bis zum Rückbau. Selbst bei den Vorprodukten von Baustoffen lässt sich bereits CO2 einsparen. Unser Kunde Uzin Utz erhielt den Umweltmanagementpreis, weil das Unternehmen zusammen mit seinem Rohstofflieferanten eine Methode gefunden hat, klimaschädliche Emissionen bereits beim Herstellungsprozess der Grundstoffe zu reduzieren. Emissionsarme, recycelbare und kreislauffähige Bauprodukte sowie nachhaltige Verpackungen tragen ihren Teil zum Klimaschutz bei. Oder der Papiersack wird gleich zusammen mit dem Material in den Betonmischer gegeben. Die Entsorgung entfällt so komplett, das spart Arbeitszeit und Abfall. Viele Wege führen zum Ziel.

Was ich spannend finde: nachhaltige Materialien und digitale Planungsmethoden sinnvoll mit lokalen Gegebenheiten und dem Notwendigen verbinden. Einfacher bauen: Statt unsere Ideen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln umzusetzen, sollten wir uns mehr auf die Möglichkeiten einlassen, die das Material anbietet. Ein intelligentes Zusammenspiel von Lowtech- und Hightech-Methoden kann in die klimapositive Zukunft führen.

Über die Verfasserin

Anahita Shakour-Wiegand ist Senior Consultant für die Redaktion von Bau-Themen und berät Kunden in allen Bereichen der PR, vornehmlich als Bau-Expertin. Agenturerfahrung im Baubereich sammelte sie zuvor sechs Jahre als Consultant und Senior Consultant in einer Agentur für Bauwesen, Wohnen und Einrichten.

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