Neu gelernt

In den vergangenen drei Wochen habe ich neue Formen der Wissensvermittlung ausprobiert  – in allen drei Fällen mit digitaler Unterstützung.

Audivisuell on demand

Die beiden Hochschulen HTW Dresden und TU Dresden haben unter Leitung von Prof. Dr. Ralph Sonntag Ende 2010 ein neues Ausbildungsangebot für Studierende im Bereich Social Media gestartet. Die Ausbildung soll frühzeitig ein sich neu entwickelndes Berufsbild erschließen und bedarfsorientiertes und praxisrelevantes Wissen zu den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Unternehmen vermitteln. Experten aus der Praxis dozieren in sogenannten eLectures zu unterschiedlichen Web-2.0-Themen; ich sprach über den Nutzen von Social-Media-Guidelines und welche Inhalte diese haben sollten. Der Vortrag wird auf Video aufgenommen und mit den begleitenden PowerPoint-Charts auf der Plattform Lecturnity synchronisiert. Die Studierenden können sich nun jederzeit die Online-Vorlesungen anschauen, sich virtuell dazu austauschen und Informationen herunterladen. Die Inhalte sind prüfungsrelevant, wollen die Teilnehmer die Weiterbildung mit einem Zertifikat abschließen. Die EU fördert das Projekt mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF). Nachhaltigkeit wird unter anderem durch die Wiederverwendung an anderen Hochschulen erreicht.

eLectures der HTW Dresden: http://social-media-experten.de

Innovation by 3D-Collaboration

Open Innovation war das Thema, das Prof. Dr. Sonja Salmen von der Hochschule Heilbronn in Zusammenarbeit mit der MFG Baden-Württemberg und Sympra in der virtuellen Welt Second Life durchgeführt hat. Für uns schon das dritte Weiterbildungsprojekt dieser Art (2009 auf Twinity, 2010 auf Second Life). Open Innovation steht für die Einbeziehung von Menschen außerhalb des Unternehmens in den Innovationsprozess. Experten aus Beratungsfirmen gaben an den drei Abenden Einblicke, wie diese neue Art der Ideenfindung bereits heute in der Praxis funktioniert, welche Ergebnisse dabei entstehen (sogar Autos werden so auf den Markt gebracht!) und was von rechtlicher Seite her zu beachten ist. Das Ganze fand im virtuellen Hörsaal statt; die Zuhörer ließen sich dort von ihren Avataren vertreten. Perspektivenwechsel, räumliches Hören über den Kopfhörer und unterschiedliche Möglichkeiten, um sich mit einem oder mehreren Teilnehmern zu unterhalten (per Chat, akustisch, via integrierter Twitterwall) führten schon nach kurzer Zeit dazu, dass man sich tatsächlich in der virtuellen Welt glaubte – man sprich von Immersion, dem Eintauchen in die künstliche Umgebung. Die Teilnehmer bzw. deren Avatare fanden sich schließlich zu Arbeitsgruppen zusammen, um auf Basis ausgewählter Methoden gemeinsam neue Produkte für eine Restaurantkette und einen Automobilzulieferer zu kreieren. Den Abschluss bildete das Get-Together in der Lounge, wo die Avatare in Grüppchen zusammenstanden und über den Vortrag und die Workshops diskutierten, oder chillten und groovten.

 

Open Innovation by 3D Collaboration: http://forschungsprojekt2011.hs-heilbronn.de

E-Learning und Blended Learning für Office 2010

Bislang war es in der betrieblichen Weiterbildung so: Wer den Umgang mit einer neuen Software oder einem Upgrade erlernen wollte, buchte einen oder mehrere Schulungstage. Entweder außer Haus bei einem Schulungsanbieter oder in einem Hotel, oder ein Trainer kam ins Unternehmen und erzählte einen Tag lang Wissenswertes über das neue Werkzeug. Die Teilnehmer schrieben eifrig mit, erhielten am Ende umfangreiche Schulungsunterlagen, vielleicht sogar ein Buch, auf jeden Fall ein Zertifikat.  Ob das Gelernte durch solch einen Crashkurs auch nachhaltig sitzen bleibt – eher unwahrscheinlich, trotz hohem Aufwand und erheblichen Opportunitätskosten. Unser Kunde Know How! AG, Spezialist für E-Learning-Lösungen, vertritt daher einen alternativen Weg, Neues zu erlernen, z. B. den Umstieg auf das MS-Office 2010: Blended Learning. Das Konzept umfasst eine Kick-off-Veranstaltung für alle Mitarbeiter, in der die Philosophie der Software und einige grundlegende Dinge erklärt werden. Das Erlernen der einzelnen Funktionen erfolgt dann aber in Form von E-Learning-Elementen, die der Mitarbeiter individuell und je nach Wissensdurst oder aktuellem Bedarf an seinem PC üben und erlernen kann. Mit diesem Ansatz ist der Lernerfolg nachweisbar höher, die Kosten deutlich geringer. Große Konzerne haben die Vorteile erkannt und schulen auf diese Weise inzwischen Zehntausende von Mitarbeitern; jetzt sollen auch mittelständische Unternehmen vom Blended Learning  profitieren. (Um das Thema bei dieser Zielgruppe bekannt zu machen, hat die Know How! AG Sympra mit Pressearbeit und Social Media Relations beauftragt.) Klar, dass auch wir hier bei Sympra die E-Learning-Software getestet und viele neue Funktionen gelernt haben.

Know How! AG - E-Learning - Lernsoftware - Seminare - Beratung & Qualifizierung - E-Learning Anbieter_1306417938901

Blended Learning für den Umstieg auf Office 2010: http://www.elearning-office2010.de

Ein Fazit

Ein direkter Vergleich der drei Methoden entspräche dem zwischen Äpfeln und Birnen, denn bei allen drei Projekten steht jeweils ein anderes Ziel im Vordergrund. Bei den Dresdner eLectures geht vor allem um den zeit- und ortsunabhängigen Genuss von Vorlesungen, gehalten von Fachleuten, die nicht so ohne weiteres zu einer realen Vorlesung z. B. nach Dresden kommen können. Second Life, schon lange totgesagt, zeigt, dass sich eine virtuelle Welt weniger für den Zeitvertreib, sehr gut aber für Aus- und Weiterbildung eignet. Die Plattform bietet inzwischen viele Möglichkeiten, in einer sehr realitätsnahen Umgebung zu lernen: So konnten wir die Charts zur Vorlesung auf einer großen Leinwand über dem Referenten sehen, in der Arbeitsgruppe haben wir an einem Whiteboard unsere Ideen auf Post-its geschrieben und angepinnt; beeindruckt hat mich aber vor allem, dass ich mich vor und während der Vorlesung und der Gruppenarbeit mit meinen Zuhörern bzw. Co-Referenten unterhalten konnte, am Schönsten war dies beim Chillout in der Lounge, wo wir in Grüppchen miteinander plauderten und einige Themen vertieften. Und zum Thema E-Learning: Das ist definitiv die Zukunft, eigentlich bereits die Gegenwart! Lernen im Kontext realer Aufgaben, wann ich Zeit und Lust dazu habe (mit der Umstieghilfe vor allem in dem Moment in dem ich das Wissen brauche!), abgestimmt auf meinen individuellen Kenntnistand – das ist dem Frontalunterricht bei weitem überlegen. (Ich erinnere mich noch an solche grausame Halbtages-Sessions bei Sympra, in denen mir Excel näher gebracht werden sollte – bis heute ohne nachhaltigen Erfolg.)

Eines haben alle drei Ansätze gemeinsam: Das Lernerlebnis und das Lernergebnis sind deutlich besser als bei traditionellen Methoden. Und: Lernen macht wieder Spaß!

Über den Verfasser

Veit Mathauer ist einer der beiden Geschäftsführer von Sympra. Wirtschaftswissenschaftler, Journalist, PR-Mensch, Boardmitglied im internationalen Public Relations Network (PRN) und Blogger. Ansonsten auch in den einschlägigen sozialen Netzwerken zu finden.

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