Mobile ist (noch) gar nicht wichtig

„Hi guys, how are you doing? Welcome to our event. I’m Tom.“ Ein gutgelaunter Tom Beidle begrüßt uns beim Networking-Abend der Kundenveranstaltung von Digital River, das im Juni in Prag stattfand. Beidle ist Group Vice President MyCommerce und in dieser Funktion für die self-service E-Commerce Lösungen für kleine und mittlere Unternehmen weltweit verantwortlich. Onlinehandel ist das Metier von Digital River. Spezialisiert auf Software für Unternehmens- und Privatkunden wickelt Digital River für die „großen Jungs“ wie Microsoft, Adobe oder Kaspersky, wie Tom sagen würde, aber auch für kleine IT-Firmen Kauf, Aktualisierung oder Vermietung von Software im SaaS-Modell ab. Und das seit vielen Jahren und mit großem Erfolg. Digital River sieht sich selbst als einen Pionier im E-Commerce, da es diesen seit 1994 mitgestaltet. Bei Onlinehandel, Marketing und Payment hält Digital River 38 Patente, managt über 22 Milliarden Online-Transaktionen (2012) und generiert Umsätze – 2012 waren es 386 Millionen US-Dollar – in über 170 Ländern.

Neueste Trends im Onlinehandel, praktische Tipps zu SEO und E-Payment-Optimierungen sowie die aktuellen Angebote von Digital River waren unter anderem Vortragsthemen. Besonders hervorheben möchte ich Tom Beidles Vortrag zur Bedeutung von Mobile. Die bunte Welt der Apps liegt im Trend. Wer sich die Aufregerthemen aus der ITK-Welt anschaut, kann leicht den Eindruck gewinnen, dass sich (fast) alles um die Auseinandersetzung zwischen Samsungs Galaxy mit Googles Android und Apples iPhone mit iOS sowie den jeweiligen Ökosystemen dreht. So schaffen es derzeit selbst Übersetzer-Apps in Spiegel Online und führen zu Lagerdiskussionen: 42 Sprachen übersetzt die iPhone-App automatisch, sagt der SPON-Autor. „Das ist doch nicht ihr ernst, dazu eine Nachricht zu schreiben? Google Translator gibt es seit 2010 mit über 60 Sprachen“, kommentiert ein Leser.

Was ist dran am Mobile-Hype? Smartphones und Tablets boomen. Die Anzahl der verkauften Einheiten wuchs um sagenhafte 948 Prozent von 2006 auf 2010 (von 64 auf 671 Millionen Einheiten) und von 2010 auf 2012 nochmals um 27 Prozent auf 850 Millionen Einheiten (IDC 2012). Die PC-Verkäufe dagegen stagnieren seit 2010 (350,9 Millionen Einheiten in 2010, 352,7 Millionen Einheiten in 2012 laut Gartner); von 2000 bis 2010 hatten sie noch eine Zunahme um 150 Prozent verzeichnet. 2013 werden den Analysten zufolge mit 345 Millionen Einheiten wohl 4 Prozent weniger PCs ausgeliefert werden, gleichzeitig sollen 1,2 Milliarden „mobile smart devices“, davon 169 Milliarden Tablets, verkauft werden – ein Plus von 37 Prozent. 2015 haben in diesem Szenario die Tablet-Verkäufe die der PCs überholt. Dennoch: PCs werden sich weiterhin in hohen Stückzahlen und zu deutlich höheren Preisen verkaufen.

Zwar steigen die Umsätze in den App-Stores ebenfalls rasant: Gartner erwartet einen Anstieg um 62 Prozent auf 25 Milliarden US-Dollar dieses Jahr. Mit „traditioneller“ PC-Software werden Softwarehäuser dagegen Umsätze von 296 Milliarden US-Dollar einfahren. Diese Relation wird noch einige Jahre so bleiben. Denn mobile Apps kosten deutlich weniger als PC-Software. Die Margen sind niedrig und 67 Prozent aller Software-Entwickler erwirtschaften mit ihren Apps nicht mehr als 500 US-Dollar im Monat. Umsatzstärkste Apps sind zudem Spiele, Business-Software gewinnt nur nach und nach an Bedeutung.

Kurz: Apps & Co. wachsen zwar stark, aber wenn’s richtig um Umsätze geht, dann bleibt PC-Software noch lange der Platzhirsch. Mobile ist ökonomisch betrachtet also (noch) nicht wichtig. Und trotzdem: Menschen verbringen immer mehr Zeit an Smartphones und Tablets, suchen weniger Lösungen für Arbeitsplatzrechner. Tom Beidle empfiehlt Softwarefirmen daher Mobile Apps mit ins Portfolio aufzunehmen, wenn das noch nicht geschehen ist, und eine integrierte Strategie entwickeln. Dabei sei es nicht damit getan, dass die App einfach ein Abklatsch der vorhandenen PC-Lösung würde. Sie sollte vielmehr die Frage beantworten: Welche Aufgaben lösen meine Produkte und wie kann meine App das tun?

 

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