Journalismus – lebendig, bunt und mit Tiefgang

Auf riffreporter.de haben freie Journalistinnen und Journalisten die Möglichkeit, ihre Beiträge zu publizieren. Die Themen sind vielfältig, die Bezahlmodelle einfach, die Community besteht aus erfahrenen Profis. Ziel der Plattform: Qualitätsjournalismus und unabhängige Journalisten zu stärken. Wir haben mit Eva Wolfangel, Aufsichtsratsvorsitzende der RiffReporter eG, gesprochen.

Was steckt hinter den RiffReportern?

Wir, die RiffReporter Genossenschaft, sind ein genossenschaftlicher Zusammenschluss von freien und unabhängigen Autorinnen und Autoren sowie Fotografinnen und Fotografen. Auf unserer gemeinschaftlich betriebenen, multimedialen Plattform publizieren und verkaufen Journalisten ihre Inhalte. Aktuell haben wir 80 Autoren-Mitglieder, von denen etwa die Hälfte aktiv ist. Die andere Hälfte bereitet ihre Angebote vor. Zudem haben wir rund 30 investierende Mitglieder, darunter die Schweizer Demokratiestiftung und die gemeinnützige GLS Treuhand e.V.. Investierende Mitgliedschaften sind für Unterstützer, Mäzene und gemeinwohlorientierte Institutionen oder Impact Investoren gedacht. Sie haben aber keinen inhaltlichen Einfluss.

Gibt es redaktionelle Schwerpunkte?

Thematisch sind wir breit aufgestellt: Wissenschaft, Gesellschaft, Kultur, Umwelt und Technologie werden in allen erdenklichen Ausrichtungen behandelt. Solche inhaltlich eigenständigen Projekte, bei denen sich mehrere Autoren zusammenschließen und tief in die Materie eindringen, heißen bei uns ‚Korallen‘. Davon gibt bereits 20 Stück – unter anderem zu Journalismus der Dinge, Lobbyismus oder Bildungspolitik oder meine Koralle „Die VR-Reporterin“ über virtuelle Realität.

Was hat Euch zur Gründung bewogen?

Mit dieser besonderen Form des digitalen Journalismus‘ haben wir vor knapp zwei Jahren begonnen. Nicht zuletzt als Reaktion auf die bisherige Abhängigkeit von Verlagen, die uns immer schlechtere Bedingungen anbieten – vermutlich, weil sie selbst in der Klemme sitzen: Die großen Medienhäuser entwickeln einerseits erst zögerlich ihre Geschäftsmodelle in Zeiten der Digitalisierung weiter; Konsumenten auf der anderen Seite sind es noch nicht gewohnt, für Online-Artikel zu bezahlen.

Das klingt nach einem Dilemma…

Die Folge sind manchmal besonders reißerisch aufgemachte Titel, mit dem Ziel, möglichst viele Klicks auf kostenlose, aber inhaltsleere Texte zu bekommen. Hier bringen die Anzeigen das Geld. Das halte ich für gefährlich, denn so werden Geschichten verzerrt. Um aber fundierte und hochwertige journalistische Arbeit zu leisten, ist die entsprechende Finanzierung wichtig. Auch für Nachwuchs-Journalisten, die sich noch am Markt etablieren müssen, bietet unsere Plattform eine Möglichkeit, ihre Marke und eine zahlungsbereite Community aufzubauen. Und auch wir etablierten Journalistinnen und Journalisten haben keine Erfahrung damit, unsere Arbeit direkt an Leserinnen und Leser zu verkaufen. Dabei sind wir teils schon als unsere eigene Marke etabliert und haben sehr treue Leser. Da ist ein logischer Schritt, unsere Produkte selbst anzubieten.

Es geht also auch um einen Kulturwandel?

Richtig! Wir wollen gute Arbeit in entsprechender Qualität anbieten. Gleichzeitig glauben aber viele Menschen, Journalisten arbeiteten nicht mehr unabhängig. Dem wirken wir entgegen, unter anderem mit einer sehr strikten Qualitätssicherung. Wir nehmen nur ausgewiesene Journalistinnen und Journalisten auf, redigieren intern unsere Texte gegenseitig. Ein Ethikrat und wir als Aufsichtsrat sorgen zudem dafür, dass die Unabhängigkeit gewahrt bleibt, also dass keine Interessenskonflikte auftreten. Ein wichtiger Grundsatz ist beispielsweise: Wir lassen uns nicht von denen bezahlen, über die wir schreiben. Und Texte werden den Protagonisten nicht vor Erscheinen zur Freigabe vorgelegt.

 Wie verdienen Journalisten ihr Geld auf RiffReporter?

Die User entscheiden, wie und wofür sie Geld ausgeben. Das reicht von Einzelkäufen über Abos bis hin zur gezielten thematischen Förderungen einzelner Korallen. Die Genossenschaft leitet die erzielten Einnahmen an die Autoren bzw. die Autoren-Teams weiter, abzüglich einer Pauschale, mit der die Genossenschaft betrieben wird. Wichtig: Die Rechte an den Texten verbleiben bei den Autorinnen und Autoren, sodass diese sie  selbstverständlich auch an anderen Stellen publizieren können.

Wo wollen die RiffReporter mittel- und langfristig hin?

Wir wollen wachsen! Unsere Mitglieder sollen von ihrer Arbeit gut leben können. Hierzu entwickeln wir unser Angebot kontinuierlich weiter. Vor allem mit Flatrates für Institutionen wie Hochschulen und Bibliotheken, aber auch für Verlage, wollen wir das Korallenriff ausbauen. Dabei haben wir stets das Ziel vor Augen, mit Themenvielfalt, Qualitätssicherung und Medienbildung unseren Beitrag für die Gesellschaft zu leisten.

 

Über Eva Wolfangel:

Eva Wolfangel (www.ewo.name) ist freie Journalistin, Speakerin und Moderatorin. Sie schreibt seit vielen Jahren (u.a. für Die ZEIT, Spiegel, Geo, Süddeutsche Zeitung, Technology Review und andere) über neue Technologien, deren Implikationen und wie sie unser Leben verändern. Bei den Riffreportern baut sie derzeit ein eigenes journalistisches Format in der Virtuellen Realität auf. 2017 wurde sie mit ihrer Reportage „Mein Leben als Avatar“ für den Deutschen Reporterpreis nominiert und 2018 mit dem „European Science Writer of the Year“ Award ausgezeichnet.

Über den Verfasser

Jasmin Sieverding ist seit Mai 2012 bei Sympra und als Consultant überwiegend in den Bereichen Maschinen- und Anlagenbau sowie Logistik tätig.

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