Jahrmarkt in Hannover – Gedanken zur CeBIT 2010

München, 2. März 2010 - AZ zur CeBIT 2010 mit altem Palm-Rechner
München, 2. März 2010 – Nix Neues in Hannover? AZ-Werbung zur CeBIT 2010 mit altem Palm-Handheld

Vor knapp einer Woche schloss die CeBIT 2010, die weltgrößte IT-Messe, ihre Pforten. Die Zahlen sind bekannt: Die Besucher- und Ausstellerzahlen haben sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stabilisiert, bei ersteren gab es ein Plus von 3,7 Prozent, die zweiteren haben nur ganz leicht abgenommen. Beim Vergleich der Besucherzahlen von Messe zu Messe, ohne den fehlenden Tag herauszurechnen, bewegten sich sehr viel weniger Menschen durch die Hallen. Und die Zahl der Aussteller ist wieder da angelangt wo sie vor 20 Jahren schon mal war. Grund genug für so Manchen Abgesänge auf die Messe anzustimmen.

„Ich gebe der CeBIT noch drei Jahre … – Also ich war dieses Jahr das letzte Mal da. –  Die Messe ist tot, ich meine, nicht dieses Jahr und auch nicht nächstes, aber in ein paar Jahren sicher. Das Konzept hat sich überlebt … Aus publizistischer Hinsicht hat die CeBIT weniger zu bieten als früher: viel weniger Produktlaunches, kaum Top-Management vor Ort, es werden keine Trends mehr gesetzt.“ Als ich am Dienstagabend, meinem ersten Messetag, die Hallen in Hannover-Laatzen verließ, hatte ich mich von der negativen Stimmung insbesondere von Journalisten anstecken lassen.

Negativ war die Stimmung tatsächlich anfangs im Pressezentrum. Einige Journalisten schienen den „goldenen Jahren“ nachzutrauern. Aber: tempora mutantur – die Zeiten ändern sich und die Menschen mit ihnen. Als die CeBIT vor neun Jahren den Aussteller- und Zuschauerspitzenwert (wohl) aller Zeiten erreichte, hatten die Redaktionen die Stellenstreichungen der Folgejahre noch vor sich, wer konnte, kam zur CeBIT. Es gab quasi keine Konkurrenz anderer Messen und die ganze IT-Branche schwebte auf Wolke Sieben.

Diese Zeiten sind längst vorbei, auch wenn Cloud Computing schon wie letztes Jahr eines der Trendthemen der CeBIT war. Die Messeleitung greift solche aktuellen Themen auf und versucht so seit ein paar Jahren den Puls der Zeit wieder zu finden – und Aussteller sowie Besucher mit einem entsprechenden Programm zur Messe zu locken. Das gelingt, wenn auch nicht immer mit durchschlagendem Erfolg. Immerhin sind einige Firmen zur Messe zurückgekehrt, andere wie Google sogar erstmals dabei gewesen. Bei Veranstaltungen wie dem Broadband-Forum oder dem CeBIT Studio Mittelstand wurden aktuelle Themen zielgruppengerecht aufbereitet und modern dargeboten.

Und ohne die vielen Gespräche mit negativen Tenor am ersten Messetag, wäre mein Eindruck da schon positiver gewesen. Weil nämlich einige Hallen geschlossen und das Interesse insgesamt größer war als im Vorjahr, war doch auch an diesem traditionell ruhigen Tag schon mehr los. Im Verlauf der folgenden zwei Messetage wandelte sich mein Eindruck von Zustand und Zukunft der Messe. Der Webciety-Bereich, der besonders die Internet-Firmen ansprechen sollte, hatte beständig viele Besucher und interessierte Zuhörer bei den Podiumsdiskussionen. Unternehmensvertreter freuen sich in Gesprächen über reichen Andrang und gute Geschäfte und auch die eine oder andere Innovation sprang mir ins Auge. In Halle 9 zeigten mir beispielsweise begeisterte Jungforscher vom Institut Carnot M.I.N.E.S. eine von ihnen entwickelte Drohne, die von einem iPhone über WLAN und ohne GPS gesteuert wurde.  Auch die Insidermeinungen wurden positiver. Die CeBIT bleibe für sie der wichtigste Branchentreffpunkt im Kalenderjahr, meinte eine Journalistin, die ich in der Planet Reseller-Halle traf. Ein ehemaliger Journalist, mittlerweile Analyst und Berater, brachte nach eigenem Bekunden von jedem Termin einen Auftrag mit.

An meinem letzten Messetag kam ich auch am bayerischen Gemeinschaftsstand vorbei: Bayern Innovativ war hier vertreten. Ein Schild wies am Eingang darauf hin, dass heute bayerischer Tag auf dem Stand sei. Und plötzlich hörte ich mir aus München vertraute Töne: Blasmusik. Skurril mutete das schon an, inmitten all der Hightech-Installationen. Aber diese musikalische Einlage zur Mittagszeit brachte mich auf den Gedanken, was die CeBIT für mich ist und bleibt: die führende Schau der ITK-Branche, oft geschäftsmäßig, häufig technikverliebt und immer noch mit neusten Innovationen, manchmal ein Parcours für Jäger und Sammler, immer aber eines: der jährliche Treffpunkt und Jahrmarkt einer Branche, die gereift ist und einen enorm wichtigen Stellenwert für die Gesamtwirtschaft hat.

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