Florence Nightingale war die Erste oder: Wenn Daten zur fesselnden Lektüre werden

Datenjournalismus_184548_web_R_K_by_Mariocopa_pixelio.deDie Engländerin Florence Nightingale war die Erste, die eine Vorform des Datenjournalismus betrieben hat. Sie sammelte Daten zu den Sterberaten britischer Soldaten und präsentierte diese entsprechend visualisiert den politischen Entscheidern. Diese überraschende Verbindung der engagierten Krankenschwester aus dem 19. Jahrhundert zum heutigen, seit 2009 auch bei uns zunehmend bekannter werdenden data-driven-journalism schafft der Journalist Lorenz Matzat in seinem Überblicksartikel “Datenjournalismus”. Meine Kollegin Ines Kübler und ich kamen jüngst auf einem anderen Weg in Berührung mit diesem Thema. Bei einer gleichnamigen Veranstaltung der MFG Baden-Württemberg stellten vier Redner vor, was sich hinter dem Begriff Datenjournalimus verbirgt (Martin Welker von der Uni Leipzig). Was es dazu (technisch) braucht (Stefan Kaufmann von der Ulmer OpenData-Initiative UlmAPI an der Uni Ulm). Was sich damit in den Online-Medien (Jan Georg Plavec, Online-Redakteur der Stuttgarter Zeitung) und den Web-Auftritten von Kommunen (Christian Geiger, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Projekt ulm 2.0 der Stadt Ulm), Ländern und Bund machen lässt.

Um was geht es bei Datenjournalismus? Datenjournalismus ist eine weiterentwickelte, visualisierende, multimediale, interaktive Spielart des Online-Journalismus. „DDJ [Data Driven Journalism] [ist] eine Kombination aus einem Recherche-Ansatz und einer Veröffentlichungsform: Ein oder mehrere maschinenlesbare Datensätze werden per Software miteinander verschränkt und analysiert – damit wird ein schlüssiger und vorher nicht ersichtlicher informativer Mehrwert gewonnen. Diese Information wird in statischen oder interaktiven Visualisierungen angeboten und mit Erläuterungen zum Kontext, Angaben zur Datenquelle (bestenfalls wird der Datensatz mit veröffentlicht) versehen. Letztere wird ggf. kommentiert (in Schrift, Ton oder Bewegtbild). Liegen die Daten nicht maschinenauswertbar vor (z.B. hundertausende Emails) können die User aufgefordert werden, die Recherche weiter mit voranzutreiben (“Crowdsourcing”).“ (Quelle: Lorenz Matzats „Data Driven Journalism: Versuch einer Definition“ in opendata-network.org)

Zusammengefasst  geht es also um die investigative Aufbereitung von – von Regierungen, Unternehmen und NGOs zu den verschiedensten Zwecken erhobenen – Rohdaten. Bei „databank journalism“ sichten Journalisten Datenjournalismus_110797_web_R_by_sprisi_pixelio.dediese offen zugänglichen Datensätze und/oder -sammlungen, die meist in staubtrockener Tabellenform daherkommen. Sie verknüpfen sie, verarbeiten sie zu Storys bzw. leiten aus den Datenmengen (Hintergrund-)Geschichten ab. Kurz: Sie kreieren informativen Mehrwert und vermitteln diesen auf unterhaltsame, interessante Weise. Und am besten noch interaktiv nutzbar. Denn das Entscheidende ist nicht, dass eine Grafik anklickbar ist. Entscheidend ist, dass der Leser sich in einer interaktiven Rechercheumgebung, in der sich etwa Zeitpunkt, Ausschnittgröße, Suchbegriff oder Standort selber bestimmen lassen, ein eigenes Bild machen kann. Beispiele, wie so etwas aussieht, gibt es ziemlich viele in der ZEIT und auch vereinzelt bei der Stuttgarter Zeitung. Diese Exempel zeigen allerdings auch: Während data driven journalism in den USA und Großbritannien schon längst wichtiger Bestandteil des medialen Geschehens ist, ist er hierzulande im Moment vor allem noch eher Gimmick als Hauptgewinn. Aber je mehr die Nachfrage und die technischen Möglichkeiten steigen, desto schneller wird sich hoffentlich auch in unserer Medienlandschaft was tun …

Weiterführende Informationen gibt es hier: www.datenjournalist.de; www.datenjournal.de;

Bilder: Mariocopa/ pixelio.de; Sprisi / pixelio.de

Über den Verfasser

Martina Hönekopp ist Senior Consultant bei Sympra und betreut u. a. Themen aus Wissenschaft, Automotive und Anlagenbau. Ende der 1990er-Jahre begann sie ihre berufliche Karriere bei Sympra, wechselte nach sechs Jahren auf Redaktionsseite (Staatsanzeiger, Schwäbischen Tagblatt). Seit 2012 wieder bei Sympra.

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