Einmal Klassik und zurück

Mit dem Arbeitskreis Baufachpresse unterwegs

DerArbeitskreis Baufachpresse ist der Berufsverband für „baupublizistisch Tätige“. Seine Mitglieder decken das gesamte Spektrum des Bauens, angefangen bei Architektur und Planung, über die einzelnen Sparten des Tiefbaus, Hochbaus und Ausbaus bis hin zum Ingenieurbau, dem Baumanagement wie auch dem Facility Management ab. Sie arbeiten in Redaktionen der Fachmedien, in Pressestellen von Unternehmen der Bau(stoff)industrie, in Verbänden, – wie ich – in Agenturen oder sind als Freelancer unterwegs. Hauptaktivität des Arbeitskreises ist die Jahrestagung, immer im Herbst, diesmal in Weimar. Ein paar Eindrücke.

Mit oder ohne Glas: da neue Bauhaus-Museum
In Weimar wurde 1919 das Bauhaus gegründet. 2008 haben der Bund und das Land Thüringen die Klassik Stiftung Weimar mit dem Bau eines neuen Bauhaus-Museums beauftragt. Den internationalen Architekturwettbewerb hat Prof. Heike Hanada, laboratory for art and architecture in Berlin, gewonnen – 536 Architekturbüros hatten ihre Beiträge eingereicht. Die Bauarbeiten begannen im November 2015, zum 100-jährigen Gründungsjubiläum des Bauhauses wird das bauhaus museum weimar am 6. April 2019 eröffnen. Prof. Hanada führte uns durch die weit fortgeschrittene Baustelle, erläuterte uns ihr Konzept, das Museumsgebäude als Verbindung zwischen dem Gau-Forum, einem Relikt der NS-Zeit, dem Stadtpark und der Innenstadt zu platzieren. Eine Besonderheit des Kubus ist seine vorgehängte Betonfassade: 400 Stahlbetonelemente aus weißem Zement werden derzeit montiert; später sollen integrierte LED-Bänder für Lichteffekte sorgen. Sehr beeindruckend, wie präzise die gerillten Elemente gestapelt am Gebäude verankert werden. Ein Museum in Betonoptik also? Das ist noch nicht ganz klar: Denn eigentlich soll (oder sollte) vor die Betonfassade eine Glasfassade gehängt werden, was meines Erachtens dem Gebäude ein komplett anders Aussehen geben würde. Da sich die Bauherren das Ganze inzwischen aber auch ohne Glas vorstellen könnten, wird noch einmal neu diskutiert. Dabei geht’s diesmal nicht in erster Linie ums Geld, sondern tatsächlich um die Ästhetik. Im November 2018 soll final entschieden werden – die Eröffnung im Frühjahr 2019 erfolgt aber auf jeden Fall ohne Glasfassade!

Viele Böden und ein Bunker im Stadtschloss
Seit Juli und bis 2023 ist das Stadtschloss Weimar wegen Sanierung geschlossen. Hier werden künftig verschiedene Kunstmuseen untergebracht sein, wobei der Zugang durch das Untergeschoss erfolgen wird. Und genau dieses haben wir uns angeschaut: ein Labyrinth von Gängen und Räumen, Gewölben und Treppen. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Böden immer wieder mal aufgeschüttet oder abgetragen, sodass es Höhenunterschiede von gut einem Meter gibt. Regelmäßig entdecken die Archäologen neue Steinböden. Im Dritten Reich wurde in den tiefsten Gewölbekeller ein riesiger Bunker einbetoniert. Zurzeit sind die Bauarbeiter damit beschäftigt, diesen Stück für Stück auszubauen. Die meterdicke Decke wird mithilfe von Seilen zerschnitten, über Hubbühnen herabgelassen und über Rampen ins Freie transportiert. Der Rückbau dürfte ein Vielfaches der damaligen Bauzeit und der Baukosten betragen.

Was gab’s noch?
Rechtsanwalt Florian Eckert von Heussen Rechtsanwaltsgesellschaft erläuterte uns die Auswirkungen der DSGVO auf die journalistische Arbeit. Es ging um Präventionsmöglichkeiten im Umgang mit Asbest und Staub. Und die neue Initiative Pro Steildach stellte sich vor: Sie will auf die Vorteile geneigter Dächer hinweisen und dafür sorgen, dass deren Marktanteil von rund 65 Prozent nicht vom Flachdach gefährdet wird. Vor allem gab’s natürlich interessante Gespräche mit den Kollegen, Erfahrungsaustausch, angeregte Diskussionen. Bemerkenswert fand ich, dass von den rund hundert Teilnehmern die meisten zum ersten Mal in Weimar waren, einige sogar zum ersten Mal in den östlichen Bundesländern. Nächstes Jahr findet die Jahrestagung in Wilhelmshaven statt – auch da war ich schon mal. 1973.

 

© Bilder: Sympra, AK Baufachpresse

Über den Verfasser

Veit Mathauer ist einer der beiden Geschäftsführer von Sympra. Wirtschaftswissenschaftler, Journalist, PR-Mensch, Boardmitglied im internationalen Public Relations Network (PRN) und Blogger. Ansonsten auch in den einschlägigen sozialen Netzwerken zu finden.

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