To pay or not to pay

gedruckte Zeitschriftenvielfalt - klassische bezahlte Inhalte Deutsche Verlage wissen es genau: Paid Content hat keine Zukunft. Das ist die Quintessenz einer Veranstaltung der dpa-Tochter news aktuell am 12. Mai in Berlin. Demnach sehen deutsche Verlage bezahlte Inhalte nicht als Modell, um im Internet Geld zu verdienen. Einen Tag vorher nimmt der Newsletter der „werben & verkaufen“ Absichtserklärungen von News Corp und des Wall Street Journal zum Anlass ein „Ende der Gratiskultur“ zu vermelden. Was jetzt? Und worum geht’s eigentlich?

In den letzten Jahren hat sich das Internet gerade bei jungen Lesern zum Leitmedium entwickelt. Jugendliche und junge Erwachsene lesen immer weniger gedruckte Zeitungen, beziehen Informationen hauptsächlich aus dem Internet. Werbegelder wandern von print zu online und die Abonnentenzahlen der Printmedien sinken. Das ist ein weltweiter Trend, der unterschiedlich starkt ausgeprägt ist. In den USA sind bereits einige Zeitungen eingestellt worden oder erscheinen nur noch online, in Deutschland geht diese Entwicklung langsamer und zeitverzögert voran – aber sie ist da. Und macht den Verlagen Angst. Denn Inhalte im Internet, zum Beispiel Nachrichten jeder Art, sind – meist – kostenlos. Versuche, das zu ändern, sind wiederholt gescheitert. Die New York Times stellte beispielsweise im Jahr 2007 ein zwei Jahre dauerndes Modell ein, bei dem Artikel von Kolumnisten und archivierte Beiträge in einem Abo-Modell bezahlt wurden. Die Abonnentenziele wurden wohl erreicht, die Einnahmen waren dennoch wohl zu gering, verglichen mit denen, die durch Werbung erzielt wurden.

In diese Kerbe hat Uwe Vorkötter, Noch-Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, bei der Veranstaltung in Berlin geschlagen: „Mit Paid Content Geld zu verdienen, war vor einigen Jahren ein schöner Traum. Jetzt stellen sich einige hin und sagen, wir wollen diesen Traum nochmal träumen. Auch die werden wieder aufwachen und merken, dass es nicht funktioniert”. Der Schlüssel zum Erfolg für die Verlage ist ihm zufolge, das Nutzen von Synergien, also das „Austauschen von Inhalten“ da „wo sich Identitäten verschiedener Titel nicht berühren“. Frank Thomsen, Chefredakteur von stern.de sieht’s ähnlich und hält ein „Kartell für Paid Content“ gar für „Selbstmord“. „Nur wenn wir guten Journalismus machen, werden wir überhaupt die Chance haben, gekauft zu werden“. Mehr dazu.

Was veranlasst das Wall Street Journal, es dennoch wieder mit einem Bezahlmodell zu versuchen? Warum widerspricht der Chefredakteur von InternetWorldBusiness, Dominik Grollmann in seiner täglichen Kolumne der geballten Meinungsmacht von FR, stern.de und Zeit-Magazin? Was lässt die w&v glauben, dass Bezahlmodelle im Kommen sind? Vielleicht würden manche sagen, es ist schiere Verzweiflung, andere vielleicht, fehlende Kreativität – vielleicht ist die Antwort aber auch irgendwo denjenigen, die jetzt Paid Content am Kommen sehen und der dezidierten Skepsis der Chefredakteure.

Die Bereitschaft für Dienste im Web zu zahlen, steigt. Überall da, wo ein besonderer Zusatznutzen geboten wird. Gerade erst hat die Online-Community Xing eine starke Zunahme der zahlenden Mitglieder vermeldet. Für Musik- und Software-Downloads zahlen Menschen ebenfalls wie selbstverständlich. Dominik Grollmann führt noch weitere Dienste auf, und empfiehlt Verlagen, über solche Dienstleistungen nach zudenken. Dass User aber für News zahlen, bezweifelt er, da die zu sehr daran gewöhnt seien, dass die kostenlos sind.

Doch je mehr hochwertige Inhalte für das Web produziert werden, je mehr hier Qualität zu finden ist, desto mehr könnte die Bereitschaft steigen, auch für solche Online-Artikel zu zahlen. Immerhin akzeptieren Leser heute schon, dass der Zugriff auf Archivartikel bei den großen Tages- und Wirtschaftszeitungen Geld kostet. Guter Journalismus muss auch zukünftig honoriert werden. Warum sollte ein Mix aus Premium-Informationen und Basis-News langfristig nicht funktionieren. Nischen-Anbieter wie der Branchendienst. www.ibusiness.de machen es vor. Vielleicht funktioniert Paid Content ja doch?

Ein kleines Update:
Mittlerweile mehren sich die Stimmen aus Verlagshäusern, die sich offen oder indirekt pro Bezahlmodelle für Premium-Content im Internet aussprechen. So hält WAZ-Chef Bodo Hombach eine Diskussion über Bezahlmodelle im Internet in Deutschland für “überfällig”

 

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