Frag’ das Erdferkel!

Erdferkel; Bildquelle www.zoo.saarbruecken.deWenn ich morgens – egal ob um 6.00 oder 9.30 Uhr – meinen Rechner hochgefahren habe und Twitter oder Tweetdeck öffne, sehe ich täglich weit über ein Dutzend Tweets à la „Guten Morgen, liebe Twitterer!“ oder „Hallo Welt – bin da!“. Twitter kennt ja viele Spielregeln und jeder Zwitscherer hat so seine ganz eigenen Nutzungsgewohnheiten. Ich habe mich aber doch immer wieder gefragt, ob hinter diesen Guten-Morgen-Meldungen mehr steckt: Vielleicht der Geheimcode einer Twitter-Subcommunity? Oder eine Netiquette, die ich seit Jahren missachte?

Ich wollte es genau wissen. Dazu habe ich mich des Dienstes Aardvark bedient. Dieser verbindet Freunde miteinander, um ungelöste Fragen schnell zu klären. Ich gebe meine Frage ein – vorsichtshalber auf Englisch: „Why do people twitter ‘Good morning, dear Twitter community!’ when they start their day? Does this make any sense?“ Diese Frage schickt Aardvark nun an die Community, genauer gesagt: an ausgewählte Menschen, die sich hier mit einem Expertenprofil registriert haben. Sie haben z. B. angegeben, dass sie sich zum Thema „Twitter“ auskennen und dass sie gern bis zu dreimal am Tag für Antworten auf Aardvark-Fragen zur Verfügung stehen. Klassisches Crowdsourcing also.

Aardvark recherchiert nicht in Datenbanken von Suchmaschinen, sondern befragt Personen, die sich als Experten bei Aardvard registriert haben. (Ich bin dort übrigens auch zu ein paar Themen „Experte“ und wurde auch schon um Tipps gebeten.) Aardvark kann via E-Mail, Instant Messenger, Twitter und über das iPhone genutzt werden, sowie über die Website vark.com. Im Februar 2010 hat Google das Unternehmen übernommen, seither kann man auch sein Google Profil in Aardvark einbinden.

Die Antworten kommen in der Regel innerhalb von 5 Minuten, bei mir ging’s noch schneller. Ross aus New York schreibt mir nach knapp zwei Minuten:

There are several kinds of twitter people. One group uses it for business… and then there are the people who have verbal diarrhoea who think everyone wants to read what they have to write. It’s those people that typically say things like “Good morning twitter.”

Zwei Minuten erreicht mich eine Mail von Martin aus Manchester:

That’s the way they choose to use Twitter. Not the way I’d do it but you don’t have to follow them if they annoy you by doing it 🙂

Beneidenswert, was Lee ebenfalls aus New York, eine Minute später dazu weiß:

I’ve never seen anyone do that

Zwei weitere Minuten später Brian aus Dedham:

There is a community of Twitter users. For some, it is as important as their real life communities. For them, it is like walking into the office and saying good morning to everyone.

Und schließlich noch Anne aus München:

Tja, dann wissen die “Follower”, dass derjenige jetzt auch da ist und man kann ihn direkt mit privaten Nachrichten und ähnlichem bombardieren… So seh ich das. Ich mach es selber aber nicht und halte es auch für relativ überflüssig.

Nach acht Minuten habe ich also Gewissheit:

a) Crowdsouring funktioniert! Das Erdferkel (engl. aardvark) hat ganz Arbeit geleistet.

b) Die Guten-Morgen-Tweets sind wohl tatsächlich weitgehend sinnfrei. Wenigstens wussten die Aardvark-Experten auch nicht mehr als ich. Beruhigend.

Wer es selber mal ausprobieren will: www.vark.com. Registrieren und fragen. Oder antworten. Beides macht Spaß und ist hilfreich.

Nachtrag: Gerade habe ich diesen Beitrag fertig gestellt, da treffe ich auf http://twick.it, eine Art Kombination aus Wiki und Twitter. Das nächste Crowdsourcing-Tool …

Bild: www.zoo.saarbruecken.de

Über den Verfasser

Veit Mathauer ist einer der beiden Geschäftsführer von Sympra. Wirtschaftswissenschaftler, Journalist, PR-Mensch, Boardmitglied im internationalen Public Relations Network (PRN) und Blogger. Ansonsten auch in den einschlägigen sozialen Netzwerken zu finden.

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