Was ich in Bielefeld gelernt habe

Neulich war ich auf der Jahrestagung des Arbeitskreis Baufachpresse e. V. in Bielefeld. Ich war zum ersten Mal in dieser Stadt und musste zunächst mal schauen, wo genau sie eigentlich liegt.

Bielefeld hat 344.000 Einwohner, eine Oberbürgermeisterin und einen ehrenamtlichen Ersten Bürgermeister. (Stuttgart hat 600.000 Einwohner, einen Oberbürgermeister und sieben hauptamtliche Bürgermeisterinnen und Bürgermeister.) Der Erste Bürgermeister Frank Strothmann begrüßt uns am ersten Abend und erzählt mir bisher Unbekanntes über seine Stadt und die wirtschaftlich starke Region Ostwestfahlen; er ist im „richtigen Leben“ Führungskraft beim Fenster-, Tür- und Fassadenbauer Schüco.

Zu Schüco geht’s am nächsten Tag. Das ist eines der ganz große Unternehmen der Stadt: 6.750 Mitarbeitende, über zwei Milliarden Euro Umsatz. Wir werden im Schüco One empfangen, der Unternehmenszentrale von Schüco. Das dynamisch geformte Bürogebäude wurde nach den Plänen des Kopenhagener Architekturbüros 3XN realisiert und zeigt mit zukunftsweisenden Fassadensystemen, was heute schon technisch möglich ist Zudem ist es das erste Gebäude weltweit, das mit allen drei Nachhaltigkeitszertifizierungen – DGNB, LEED und BREEAM – ausgezeichnet ist.

Wir spazieren über den stylischen Schüco Campus und erreichen das Welcome Forum und lernen dort das umfangreiche Produkt- und Maschinensortiment des Unternehmens kennen. Beim anschließenden Rundgang im Technikum fasziniert mich die weltweit größte Indoor-Fassadentestanlage (s. u.).

Parallel besuchen die Kolleginnen und Kollegen GOLDBECK, eines der europaweit führenden Bauunternehmen, Arbeitgeber für mehr als 14.000 Menschen, die einen Jahresumsatz von über sechs Milliarden Euro erwirtschaften. Das Unternehmen war und ist bekannt für den Bau von Parkhäusern und Gewerbebauten, macht sich inzwischen aber auch einen Namen im Wohnbau. Ich treffe meine Arbeitskreiskolleginnen und -kollegen beeindruckt im Bus.

Mit diesem fahren wir weiter zum Gütersloher Wertstoffzentrum. Auf mehr als 40.000 m2 werden hier jährlich über 750.000 Tonnen Wertstoffe und Recyclingbaustoffe sortiert und gereinigt. Zwei Wertstoffhallen mit insgesamt 8.000 Quadratmetern dienen der Behandlung mineralischer Abfälle aus Landschafts- und Erdbau sowie aus Abbrucharbeiten dazu. Das Ziel: möglichst viel wiederverwenden. Meine weniger erfreuliche Erkenntnis: Noch immer landet vieles davon auf der Deponie.

Foto: bauforumstahl e.V.

Bereits am Vormittag sind wir Gast auf dem 42. Deutschen Stahlbautag, dem zentralen Branchenevent für Stahlbau, Planung und Industrie. Wir verfolgen das Entstehen eines Livepodcasts: Meine Kollegin Alexandra Busch („Architektourist“) diskutiert gemeinsam mit Dr. Kati Herzog von Goldbeck, Dr. Martina Bender vom Institut Bauen und Umwelt e. V. (IBU), und Arno Sorger vom Österreichischen Stahlbau-Verband über die Treibhausgasinventur im Bauwesen und die Frage, welche Konsequenzen sich daraus für die Wahl von Baustoffen ergeben. Da Stahl beim Einschmelzen keine Qualität verliert, kann der Baustoff beliebig oft wieder verwertet werden. In Deutschland werden über 91 Prozent des Baustahls recycelt. Bei der Produktion von „Grünem Stahl“ ersetzt Wasserstoff die Kohle, wodurch bis zu 95 Prozent der CO₂-Emissionen entfallen können. Allerdings ist grüner Stahl derzeit deutlich teurer als konventioneller Stahl: je nach Sorte und Marktlage betragen die Mehrkosten 30 bis 60 Prozent.

Am Samstagvormittag stellt Dennis Jäger, Chefredakteur des SHK-Magazins SBZ, seine Podcastreihe „SBZ ruft an“ vor. Ein cooles und technisch denkbar einfaches Format: Jäger unterhält sich am Telefon mit Fachleuten aus den Bereichen Sanitär, Heizung, Klima über Trends, Projekte und alles, was die Branche sonst beschäftigt. Die interessanten Telefonate stehen im Web zur Verfügung, können dort auch abonniert werden.

Mit der obligatorischen Mitgliederversammlung endet die Jahrestagung. Auf der Website des AK BAU heißt es dazu: „Man trifft bekannte Gesichter wieder, lernt neue Menschen kennen und kommt miteinander ins Gespräch. Oft entstehen dabei Kontakte und Ideen, die weit über die gemeinsamen Tage hinausreichen.“ Ich hätte es nicht besser formulieren können.

Über den Verfasser

Veit Mathauer ist einer der beiden Geschäftsführer von Sympra. Wirtschaftswissenschaftler, Journalist, PR-Mensch, Boardmitglied im internationalen Public Relations Network (PRN) und Blogger. Ansonsten auch in den einschlägigen sozialen Netzwerken zu finden.

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Kommentare zu diesem Post

Rainer Bluthard

... und das alles in einer Stadt, die es doch gar nicht gibt.