Wie man einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Ich habe das ganze Jahr überlegt, ob ich das machen kann. Kann ich einen Blogbeitrag über meine schlimmsten Prakti-Trainee-Bogy-Erfahrungen schreiben? Ich habe beschlossen, es einfach zu tun. Unser 20-jähriges Jubiläum bietet ja einen guten Anlass dafür.

Kurz zur Einleitung: Ich bin in den vergangenen Jahren häufig dafür zuständig gewesen, die neuen Kollegen und Kolleginnen einzulernen. Daher bin ich meist auch Ansprechpartnerin, wenn etwas am PC nicht tut, die Leute sich nicht genügend auskennen, neue Software erklärt werden muss – die Liste könnte endlos weitergehen. Über die Jahre hinweg haben sich hier so viele Anekdoten zu Praktikanten, Trainees, Bogys angesammelt, dass es einfach mal Zeit wird, wenigstens einen kleinen Teil davon (sonst wäre der Beitrag noch länger geworden), weiterzugeben. Ganz ohne Namen, ohne bösen Hintergedanken, einfach nur, weil ich sie aufbewahren und vor allem teilen möchte. Für künftige Praktis, Trainees und Bogys: Lernt was draus! Für die, die sich hier wiedererkennen sollten: Bitte nicht böse sein!

Die Etiketten: Die Kollegin sollte 40 CDs bedrucken. Wir haben einen tollen Drucker, mit dem das eigentlich total schnell erledigt ist. Eigentlich. Aus einer kleinen Aufgabe wurde eine Tagesbeschäftigung für die Kollegin und damit auch zwangsläufig für mich und einige andere Sympraner. Zuerst habe ich erklärt wie es geht, einen Probedruck gemacht und bin anschließend vom Erdgeschoss wieder hoch in mein Büro unter dem Dach. Kaum oben angekommen, klingelt das Telefon: „Es tut nicht mehr! Des geht nicht mit den CDs, da müssen Sie noch mal kommen!“ Ich wieder ganz nach unten, Klick hier, Klick da  ̶  und eine schön bedruckte CD kommt aus dem Drucker. Befriedigt gehe ich wieder nach oben ins Dachgeschoss, kaum sitz ich, wieder ein hektischer Anruf:
Sie: „Ich hab alles genauso gemacht, wie Sie es auch gemacht haben, aber es tut nicht.“
Ich: „Das kann nicht sein, sonst würde es ja tun!“
Sie: „Doch, genauso!“
Ich: „Ich komm noch mal runter!“
Unten angekommen hat sie eine Fehlermeldung auf dem Bildschirm, die ich in all den Jahren mit dem CD-Drucker an meinem Rechner noch nicht hatte. Gut, erst mal Neustart, dann seh‘n wir weiter. Software tut nicht mehr. Ich mache einen alternativen Vorschlag: Lass uns dann halt Etiketten drucken. Dafür haben wir eine Word-Vorlage, in die man nur das Logo und Text einfügen muss, und anschließend wunderbar auf den vorgestanzten Klebebogen drucken kann. Ich: „So, hier ist die Vorlage, jetzt gestalten Sie das einfach und drucken es oben auf dem Drucker aus, dann lassen Sie sich die Etiketten geben und können es da drauf drucken. Ich fang so lange schon mal an, CDs zu brennen, sonst werden wir nicht fertig.“ Sie sitzt stumm da, klickt und verschwindet dann zum Drucker.

Ich brenne derweil 20 CDs, wundere mich, wo sie mit den Etiketten bleibt und gehe mal nach ihr schauen. Beim Kopierer finde ich sie mit Schere und Klebestift bewaffnet, wie sie das Logo ausschneidet und auf ein anderes Blatt klebt. Ich kann jetzt echt nicht mehr nett sein: „Was machen Sie denn da?!“ Sie: „Ich konnte des Logo in Word nicht verschieben, daher mach ich des jetzt so.“https://www.sympra.de/wp-content/uploads/2012/12/20-Jahre-Sympra_110217_rz_Regular-e1342435394295-3.jpg

Der PC: Bei uns gibt es ein paar Netzwerkdrucker, die nur dann funktionieren, wenn der Rechner, an dem sie angeschlossen sind, an ist. Ich bin dabei zu gehen und frage den Kollegen: „Brauchst du den Drucker noch? “

Er: „Äh, ja.”
Ich: „Gut, dann fahr bitte den Rechner runter, wenn du gehst.“
Er: „Wohin? “
Ich lache.
Er: „Ne, im Ernst, wohin? Ins Erdgeschoss?“
Ich lache.
Er schaut mich verständnislos an. Ich erkläre ihm, wie man den PC runterfährt und wähle dieses Mal das Wort „ausmachen“.

Das Excel: Kollege sitzt im Nebenbüro und ruft mich zum Hundertsten Mal. „Claaaaaudia, kennst du dich mit Excel aus?“
Ich: „Ja, was is?“
Er: „Ich seh, dass da in der Tabelle noch was steht, mein Bildschirm hört aber auf und ich weiß nicht, wie ich da hinkomme. “

Ich gehe rüber und erkläre ihm den Scrollbalken.

Der Veit: Kollege hat seinen ersten Tag und wird GF Veit Mathauer vorgestellt und sagt „Hallo Veit!“. Veit Mathauer, sichtlich verwirrt, sagt „Ich bin nicht Veit. Ich bin Herr Mathauer.“ Ja, man sollte auch in Agenturen nicht gleich jeden duzen.

Die Siedler: Für einen Kunden haben wir eine Ausstellung im öffentlichen Raum organisiert. Damit die Besucher einen Ansprechpartner haben, setzten wir den derzeitigen Praktikanten dort hin, um für den Kunden wirtschaftlich zu sein. An einem der Tage machen wir dort einen Überraschungsbesuch. Der Bub sitzt mit seinem Laptop und mit Kopfhörern in den Ohren da und spielt Siedler, kriegt also nicht mit, dass wir kommen. Des Weiteren sitzt noch ein Mann am Tisch, der in einem der ausgelegten Bücher blättert. Wir weisen den Kollegen darauf hin, dass es nicht in Ordnung ist, hier zu spielen, und fragen, ob er dem Herrn weiter geholfen hat. Er, ganz selbstverständlich: „Ach, das ist mein Vater, der leistet mir heute Gesellschaft.“

Die Handtasche: Eine große Veranstaltung stand an, wir waren mit Messebauer und jeder Menge Kisten und Boxen ausgerüstet, um alles vorzubereiten. Als Unterstützung nahm ich eine Praktikantin mit. Wir mussten ca. 60 Bilder hängen. So richtig mit ausmessen, hämmern und austarieren. Etwa eine Stunde habe ich mir angeschaut, wie sie einhändig versuchte, zu helfen. Einhändig deshalb, weil über der linken Schulter ihre riesig große Handtasche hing, die sie etwas einschränkte und die sie mit der linken Hand festhalten musste, damit sie nicht runterrutscht. Ich bot ihr an, die Tasche ins Auto zu tun, damit wir etwas schneller fertig werden. Sie: „Neee, des geht schon.“

Der Ranghöhere: Wir hatten einen Kollegen, der an der Bundeswehruniversität studiert hat. Wir waren gleichzeitig Praktikanten, ich war schon länger da und erläuterte ihm, wo unsere ganzen Dienstleister sind, und versprach ihm „Wenn ich das nächste Mal dahin fahre, kannst du ja mitkommen, dann weißt du wo die sind.“ Er: „Ich mach hier doch keine Botengänge!“

Der Anrufer: Telefon klingelt. Kollege gegenüber geht ran, meldet sich und hört zu. „Nein, die gibt es hier nicht, da haben Sie sich wohl verwählt.“ Da das häufiger vorkommt, frag ich dann, wen der Anrufer sprechen wollte. Er: „Da war ein Herr Steiger dran und wollte seine Tochter sprechen.“ Ich: „Ja, des ist die Nicole.“ Er: „Ach stimmt, die heißt ja Steiger.“

Wie gesagt: Es geht hier nicht um öffentliches Anklagen, an sich sind die Sachen auch nicht soooo schlimm. ABER: Keiner der beispielhaften Protagonisten hatte ein Gefühl von Reue oder Scham. Im Gegenteil, bei manchen ging es sogar so weit, dass sie mit einer gewissen Arroganz forderten, dass ich ihnen alles dreimal erkläre (weil man ja nicht mitschreibt!), schließlich ist man „Einser-Absolvent“, hat aber keinerlei Berufserfahrung. Ich frage mich nur, wie man durchs Studium kommt, ohne zu wissen, wie der PC ausgeht, oder wo das Sternchen auf der Tastatur ist (diese Geschichte musste ich leider rauskürzen). Aber gut, vielleicht erwarte ich eben doch zu viel. Und ich muss dazu sagen, bei den Beispielen hier handelt es sich zum Glück um eine Minderheit. In der Regel haben wir lernfreudige, nette und flexible Kollegen hier, die mitdenken. Und ich hoffe, das ist auch in den nächsten 20 Jahren noch so ! 🙂

 

Bild: http://www.someecards.com/reminders-cards/there-are-stupid-questions

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