Wer führt hier eigentlich wen?

meerkat-255564_1920Schon heute – nicht erst morgen – sollten Führungskräfte ihre Haltung zur Macht hinterfragen und sich neuen Herausforderungen stellen. Man könnte meinen, schuld daran sei die „Generation Y“. Deren Vertreterinnen und Vertreter würden ja ihre Arbeitsbedingungen stets hinterfragen, unbedingt den Sinn hinter ihrem Tun suchen und sprunghaft den Arbeitgeber wechseln, wenn’s nicht passt. Doch das wäre zu simpel gedacht. Richtiger wäre zu sagen: Die Zeiten der Machtkonzentration bei der Führungselite sind einfach vorbei. Die Zukunft wird noch mehr Digitalisierung, noch mehr Entgrenzung und noch mehr Komplexität mit sich bringen. Daraus entstehen neue Bedürfnisse und neue Anforderungen an den Arbeitgeber. Wer also zukunftsfähig führen will, sollte sich jetzt und ernsthaft damit auseinandersetzen.

Prominente Führungskräfte plaudern aus dem Nähkästchen

Dieser Ansicht ist nicht nur die Initiative Zukunftsfähige Führung e.V. (IZF) – genauso schätzten es auch die Diskussionsteilnehmer bei der Veranstaltung „Macht – Führung – Spaß?“ am 9. November 2015 in der IHK Region Stuttgart ein. Sympra unterstützt die gemeinnützige Initiative pro bono bei ihrer Pressearbeit. Die IZF um Jörg Menno Harms, Aufsichtsratsvorsitzender der Hewlett Packard GmbH, hatte prominente Gäste geladen: Aus Düsseldorf reiste Prof. Dr. Miriam Meckel an, Chefredakteurin der Wirtschaftswoche, aus Karlsruhe Martin Hubschneider, Gründer und CEO der CAS Software AG, aus Stuttgart ergänzte Wilhelm Dresselhaus, Vorstandsvorsitzender der Alcatel-Lucent Deutschland AG, die Runde. Moderator war Tobias Leipprand, Geschäftsführer von LEAD, das Mercator Capacity Building Center for Leadership & Advocacy in Berlin.

Vom Speed-Networking auf’s offene Panel

Die eigentliche Diskussion begann schon viel früher. Zum Auftakt lud die IZF ihre Gäste im Foyer der IHK zum Speed-Networking ein. In Teams erarbeiteten die Teilnehmer in kurzen Austauschrunden Stellungnahmen zu neun Thesen aus den Themenbereichen Macht, Führung und Spaß. Darunter beispielsweise Aussagen wie: „Führung ohne Hierarchie ist möglich“, „Führungsverantwortung und Familie lassen sich nicht vereinbaren“ oder: „Nur wer Spaß an Führung hat, wird von den Geführten auch akzeptiert“. Ihre Positionen trugen die Teams im Plenum vor. Das innovative Konzept ging auf. Als die Kernveranstaltung in Saal 1 losging, waren die Geister und Gemüter bereits deutlich angeregt. Entsprechend gut funktioniert das Fishbowl-Setting, in dem die Diskussionsrunde zwischen Hubschneider, Dresselhaus und Meckel stattfand.

Und das ging so: Zwei rotierende Stühle auf dem sogenannten „offenen Panel“ durften im dynamischen Wechsel von Publikumsteilnehmern eingenommen werden. Wer wollte, setzte sich auf einen freien Stuhl, diskutierte mit oder äußerte Themenwünsche. Diese Möglichkeit wurde reichlich genutzt. Das Ergebnis war eine kreative, lebendige Mischung aus ethischen Grundsatzfragen, Einblicken in die eigene Führungspraxis und -haltung und humorvollen wie intelligenten Reaktionen auf die bohrenden Fragen von Moderator Leipprand.

Was sollten Führungskräfte von morgen also bedenken?

Was sind die großen Führungsherausforderungen der Zukunft? Hier eine kleine Auswahl der großen Fragen, die an diesem Abend im Raum standen:

  • Zunächst einmal: Nicht nur die „Generation Y“ (Jahrgang 1977 bis 1998) hat das Bedürfnis nach Sinnhaftigkeit. Eine Umfrage im Saal zeigte, dass die Mehrheit im Publikum sich sinnvolles Arbeiten wünscht – und das Durchschnittsalter lag deutlich über 40. Wie kann ich also als Führungskraft motivieren? Wie kann ich meine Mitarbeiter in die Zielsetzungen des Unternehmens einbeziehen, sie an der Entwicklung der Organisation beteiligen – und auf diese Weise in ihrer individuellen Entwicklung fördern?
  • Gleichzeitig stellt die Digitalisierung eine Herausforderung dar. Während die junge Generation quasi mit dem Smartphone auf die Welt kommt, steht mancher älterer Mitarbeiter der Digitalisierung skeptisch gegenüber. Wie kann ich dann als Führungskraft mein Team aus Jung und Alt zusammenhalten? Wer trifft in Zukunft die Entscheidung – Maschinen oder Menschen? Mit Clickworking und Crowdsourcing verschwimmen auch die Organisationsgrenzen. Wer gehört noch zu meinem Unternehmen? Wer führt hier eigentlich wen?
  • Eins ist klar: So wie früher geht es nicht mehr weiter. Führungskräfte müssen sich neu aufstellen und dazu ihre Rolle immer wieder reflektieren. Doch was für eine Art von Führungsfigur bin ich überhaupt? Und was mache ich, wenn ich als Führungskraft nicht mehr weiter weiß?

Die Veranstaltung fand großen Anklang, der große Saal war gut gefüllt. Die Diskussion spiegelte nicht nur die hohe Komplexität des Themas wider, sondern auch die Offenheit und Nachdenklichkeit derjenigen, die heute führen und morgen führen werden. Die nächste Veranstaltung der IZF findet 2016 statt.

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