Von der neuen Leichtigkeit des Seins im 2.0-Kosmos

Moshe Rappoport

Seit Mittwochabend fühle ich mich wieder wohl in meiner Haut. Seit Moshe Rappoport, seines Zeichens Trendforscher bei IBM Research in Zürich, auf der ersten Digital Night des Social Media Club Stuttgart den anwesenden Digital Natives erklärt hat, wie das so ist – das Leben als Einwanderer in der schönen neuen digitalen Welt. „Looking Back – Looking Forward. Some Thoughts about a Social World“ hieß sein genauso unterhaltsamer wie spannender Vortrag darüber, woher wir IT-technisch gesehen kommen und wohin wir in diesem digitalen Kosmos wollen. Stichworte seien nur „Any Time Any Place“ und das Handling von Big Data, insbesondere deren – nach Volume, Velocity und Variety­ – vierter Dimension Veracity. Also dem Umgang mit Informationen, die in riesigen Mengen verfügbar sind, aber deren Stimmigkeit aufgrund dieser Masse nicht von Zweifeln (bezüglich ihrer Relevanz) frei ist. Höchst interessant, was da so alles auf die Forscher und Entwickler laut Rappoport zukommen wird. Auch und vor allem deshalb, da inzwischen eben nicht mehr so sehr die technologische Machbarkeit das entscheidende Kriterium ist, sondern das, was der Nutzer beziehungsweise die Gesellschaft sich wünscht, was neue Technologien und Geräte können sollen.

Und damit sind wir wieder bei den Digital Immigrants (spezielle Gruppe der Nutzer). Und deren Berührungsängsten. Die laut eigener, augenzwinkernder Aussage auch einen Moshe Rappoport noch immer befallen, sobald er es mit neuen Produkten zu tun hat. Das glaubt dem alten Computer-Hasen natürlich kein Mensch, macht ihn aber ausgesprochen sympathisch – und lässt unbelecktere Immigranten leise aufatmen. Frei nach dem Motto „doch nicht allein auf dieser zwischen Realität und Virtualität schwankenden Welt mit ihren ungeniert voranstürmenden digitalen Youngsters“. Letztere, so erklärte Rappoport, müssten diesen Unterschied im Umgang mit den Errungenschaften der IT im Hinterkopf behalten, schließlich hätten sie die nächsten rund 40 Jahre noch mit diesen Immigrants (als Kunden und Käufer ihrer Produkte) zu tun, die zunächst einmal ausführlich die Gebrauchsanweisung lesen, denn es könnte ja ‘was kaputt gehen. Aber dieses Immigranten-Problem würde sich schließlich auf ganz natürliche Art lösen… Ist es nicht schön, wenn man mit Mitte Vierzig schon zu einer aussterbenden Art zählt?! Macht aber auch gar nix. Denn bis es soweit ist, kommen laut IT-Trend-Forscher Moshe Rappoport ja noch viele faszinierende IT-Schöpfungen auf den Markt, die ich als bekennende (leicht misstrauische) 2.0-Immigrantin dann – dem leisen Spott der mich umgebenden, ungeduldigen Natives zum Trotz – in meinem eigenen Tempo erobern darf.

Hier gibt es das Storify der Stuttgarter Zeitung zum Nachlesen.

Bild: Österreichische Computer Gesellschaft (OCG)

Über den Verfasser

Martina Hönekopp ist Senior Consultant bei Sympra und betreut u. a. Themen aus Wissenschaft, Automotive und Anlagenbau. Ende der 1990er-Jahre begann sie ihre berufliche Karriere bei Sympra, wechselte nach sechs Jahren auf Redaktionsseite (Staatsanzeiger, Schwäbischen Tagblatt). Seit 2012 wieder bei Sympra.

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