Social Media und Jugendliche (Teil 3/3)

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Wie nutzen Jugendliche Social Media? Wir haben Vorstellungen und machen Annahmen, aber belegen können wir sie nicht. Deshalb haben wir die Chance genutzt und unseren BOGY-Praktikanten befragt (hier geht es zu Teil 1 und Teil 2) Digital Immigrant (Claudia Mutschlechner, Jahrgang 1978) und Digital Native (Luca Preller, Jahrgang 2000) unterhalten sich:

OK, beim letzten Mal haben wir also erfahren, wie ihr es mit Facebook und Twitter haltet. Sag‘ mal, zockst Du eigentlich?

(Nickt) …

Guckst du auch diese Videos auf YouTube an, wo einer ein Spiel spielt und dazu quatscht? Kannst du mir bitte mal erklären, warum das so toll ist? Ich bin dafür wohl zu alt …

(grinsend) Irgendwie weiß das keiner so genau. Bei den „Let’s Plays“ geht in erster Linie um den Kommentar zu dem Spiel, der viele Jugendliche begeistert und dann vermutlich auch darum, sich das Spiel anzusehen und zu schauen, ob man es sich selber kaufen möchte. Die Werbung wirkt also. Trotzdem schaue ich die persönlich kaum mehr an. Ich zocke dann halt doch lieber selber.

Aber grundsätzlich ist YouTube eine der beliebteren Plattformen, oder?

Ja, das ist super, um Videos zu teilen und der ganzen Welt zu präsentieren. Es gibt unzählige Videos, und ich hörte einmal, dass man wohl um die 2000 Jahre bräuchte, um sich alle YouTube-Videos anzusehen. Dabei gibt es so viele unterschiedlichen Videos: von den Video-Blogs (Vlogs) über die Comedy-Szene mit den bekanntesten Vertretern Ytitty und Apecrime bis hin zu Werbefilmchen. Und das auch noch in unzähligen Sprachen zigtausend mal. Mich interessieren dabei vor allem Wissensvideos oder Unterhaltungsclips.

Das sagst du jetzt ja nur so…(grinst)  YouTube gehört ja zu Google, nutzt du Google+?

Google+ empfinde ich einfach nur als bloßes Plagiat von Facebook, weil es die Funktionen mehr oder weniger kopiert hat. Und was mich am meisten am Google-Imperium stört: Wer YouTube, wie ich, intensiv nutzen möchte, um Videos hochzuladen, Kommentare zu schreiben und Daumen nach oben zu geben, muss zugleich einen kompletten Google-Account für alle Google-Dienste anlegen. Und nicht nur das: Die Angabe seines echten Namens, seiner Telefonnummer und seines Geburtsdatums sind Pflicht! Nun wird Google sagen, dass es ja praktisch sei, nur ein Konto für die gesamten Google-Funktionen zu benötigen. Mag ja sein, lieber Großkonzern, aber nicht jeder möchte alle Google-Funktionen nutzen! Daran werden wir Jugendlichen wohl kaum etwas ändern können.

Hast du beim Fernsehen auch immer dein Handy in der Hand? Schaust du überhaupt noch fern oder wird das komplett über YouTube abgedeckt?

LP: Ne, ich schaue schon noch fern! Der Second Screen ist tatsächlich ein Thema, das auch mich immer wieder beschäftigt. Wir haben inzwischen so viele Möglichkeiten, dass man manchmal eben beides gleichzeitig tun möchte. Bestes Beispiel hierfür ist ein klassischer Fußballabend. Wenn das Spiel langweilig ist, geht man halt mal übers Handy oder den Laptop ins Internet und schaut nach, was andere Leute so dazu sagen, auch über Twitter. Der Fernseher läuft aber dennoch weiter, denn man will ja nichts verpassen, falls doch etwas Wichtiges passiert. Fernsehen ist in der Tat auch noch ein großes Thema bei mir. Klar schaut man mal in die Tagesschau rein, und auch amerikanische Serien stehen bei mir hoch im Kurs. Viele von den Reality- oder Castingshows sind aber einfach nur lächerlich und der Zuschauer auf dem Sofa lacht sich darüber kaputt, dass Sänger A einen Ton nicht richtig trifft. Da ist mir meine Zeit zu schade.

Du schaust dir echt noch Serien im Fernsehen an? Sogar ich schau die über Amazon Prime!

(lachend) Ne, ich schau die auch eher bei Streaming Diensten, weil ich keine Lust habe solange zu warten bis die Serien auch im Free TV kommen. Die ständigen Werbeunterbrechungen stören da meiner Meinung nach auch beim Erlebnis einer Serie. Nur, wenn mir mal langweilig ist, sehe ich mir die eine oder andere Wiederholung von einer Folge auch mal regulär im TV an.

Hörst du Radio?

Eigentlich nur, wenn ich mit meinen Eltern im Auto sitze.

Und wie kommst Du dann an Informationen, z. B. die aktuellsten News?

Einerseits habe ich eine News-App auf meinem Handy installiert, die mich regelmäßig über das neuste Geschehen informiert. Aber vor allem für Hintergrundberichte und Kommentare schaue ich auch gerne mal auf der Internetseite deiner Tageszeitung oder eines Magazins vorbei.

Jetzt hört man immer wieder von CyberMobbing oder CyberGrooming. Bist Du der Meinung, dass Jugendliche und Kinder sich den Gefahren auf Social-Media-Plattformen bewusst sind oder halt einfach mal mitmachen, damit sie cool sind?

Hm, gute Frage. Es ist ja schon so, dass Facebook und YouTube eigentlich erst ab 13 Jahren oder WhatsApp sogar erst ab 16 Jahren freigegeben sind. Das soll uns wohl schützen. Aber eine wirkliche Alterskontrolle gibt es ja nicht. Kinder und Jugendliche sind so der Gefahr ausgesetzt, in Kontakt mit sogenannten „Hatern“ zu kommen, die ihre Entwicklung schädigen können. Ausreichenden Schutz oder auch ein Aufklärungsseminar im Umgang mit Social Media erhalten Jugendliche in der Schule nicht. Das bleibt den Eltern überlassen. Ob die allerdings selber so genau Bescheid wissen, was ihr(e) Sohn/Tochter so im Internet treibt, ist fraglich.

Ist Social Media Deiner Meinung nach also eher eine Gefahr oder ein Zugewinn im Leben von Jugendlichen?

Es gibt viele Vorteile, die Social Media mit sich bringen kann. Häufig pflegen die Teenager ja auch durchaus echte Beziehungen mit realen Menschen in Social-Media-Netzwerken. Es ist eben eine neue Art, eine andere Art der Kommunikation und Interaktion zwischen Menschen. Aber über die Gefahren sind sich viele Jugendliche meiner Ansicht nach nicht bewusst, oder sie setzen entsprechende „Gegenmaßnahmen“ nicht oder nicht richtig um. Es müsste schon im frühen Alter der Kinder eine Sensibilisierung zum Thema, entweder an der Schule oder im Elternhaus stattfinden, um über Gefahren aufzuklären und den Umgang mit Social Media zu schulen. Ansonsten könnten Kinder und Jugendliche in den nächsten Jahren mehr den Gefahren von Social Media ausgesetzt sein, als dass sie die Vorteile für sich nutzen. Dieser Trend darf sich nicht weiter fortsetzen. Daher ist meiner Meinung nach auch ein Eingreifen seitens der Politik notwendig, denn Konzerne wie Google oder Facebook werden wohl kaum in eine Schule kommen, um über die Nachteile ihrer Plattform zu diskutieren und aufzuklären.

 Das ist ein schönes Schlusswort, ich danke dir!

 

 

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