Marrakesch

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Letzte Woche nahm ich zusammen mit meiner Kollegin Vineeta Manglani an der Mitgliederversammlung unseres internationalen Agenturverbunds Public Relations Network (PRN) teil. Diesmal waren wir zu Gast bei unseren marokkanischen Kollegen von der Agentur Presma. Das Treffen fand in Marrakesch statt.

 

Die Mitgliederversammlung

Eine Besonderheit unseres Networks sind die Mitgliederversammlungen, die alle sechs Monate stattfinden, jeweils von einem anderen Agenturpartner ausgerichtet. Dieses persönliche Kennenlernen, der Austausch über Arbeitsweisen und nationale Ausprägungen von Öffentlichkeitsarbeit, das Diskutieren von Problemstellungen, die Präsentation von Success Stories – und nicht zu vergessen – der Afterwork-Part sind unendlich wertvoll. Wir erfahren so viel über die Möglichkeiten (und Restriktionen) auf den verschiedenen Märkten und bekommen vor allem auch ein Gefühl dafür, wie unsere Partner “ticken”. Über Mails und Telefonkonferenzen ließe sich dies nur schwer vermitteln. An unserem ersten Meeting 2013 nahmen Vertreter von zwölf Agenturen teil; die Kollegen aus Kolumbien und Kanada hatten sich über Skype zugeschaltet. Auf der Agenda standen die Vorstandswahlen (ich wurde wiedergewählt; zusätzlich haben wir Richard Moss von der UK-Agentur Proof und Belinda Chan aus Hongkong aufgenommen). Nachdem wir mit Jorge Acosta einen Boardmember haben, der die Region Amerika für das Network erschließen soll, hat Belinda Chan die gleiche Aufgabe für die Region Asien-Pazifik übernommen.

Die Macherin

Fawzia Talout Meknassi ist die Chefin unserer Partneragentur in Marokko. Dieser Satz birgt gleich zwei Eigentümlichkeiten: 1. PR-Agenturen sind in diesem Land noch eine absolute Seltenheit und das Thema Öffentlichkeitsarbeit steckt hier in einem ganz frühen Entwicklungsstadium. 2. Eine Frau als Unternehmerin ist mindestens genauso selten anzutreffen. Fawzia hat Volkswirtschaftslehre, Journalismus und Global Leadership studiert, spricht perfekt Französisch, Arabisch und Englisch. Sie hat als Redakteurin für Magazine wie Marie Claire, Paris, Cosmopolitan N. Y., Al Ahram Egypte gearbeitet und 1991 die erste marokkanische Frauenzeitschrift, Magfarah.com, gegründet.  Die Redaktion von Marie Claire hat sie 1995 zu einer der 100 fortschrittlichsten Frauen der Welt gekürt, 2005 wurde sie sogar für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Ihre Power stellte sie auch eindrucksvoll unter Beweis, als sie für mich auf dem Bazar ein Silbertablett von 100 Euro auf 20 Euro herunterhandelte.

Die Pressekonferenz

Dass eine der wenigen Public-Relations-Agenturen des Landes auch noch Mitglied in einem internationalen Verbund wird – das war für Fawzia Grund genug, eine Pressekonferenz einzuberufen. Hierzulande hätte sich vielleicht gerade noch ein Branchenmagazin für solch ein Thema interessiert – anders in Marokko: Neun Journalisten kamen, darunter vertreten die Pendants zu Handelsblatt und dpa. Angesetzt war die PK auf Samstag, elf Uhr, wofür wir unsere Mitgliederversammlung unterbrechen wollten. Der erste Journalist war schon um halb zehn da, ging dann aber nach fünfzehn Minuten, weil er kein Englisch verstand. Gegen elf Uhr kamen fünf weitere Journalisten, und wir standen gern Rede und Antwort, unser Network betreffend. Interessant für mich war, dass die Pressevertreter entweder nur Französisch oder nur Arabisch sprachen. Für Fawzia war es daher recht mühsam, Fragen, die auf Arabisch gestellt wurden, ins Französische (für die anderen Journalisten) und ins Englische (für die PRN-Mitglieder) zu übersetzen, um anschließend mit den auf Englisch gegebenen Antworten gleich zu verfahren. Während wir über PR in unseren Ländern berichteten, standen die ersten Journalisten schon wieder auf und gingen, woraufhin zwei Redakteure neu zur Gruppe stießen. Für ein Radiointerview musste die Pressekonferenz sogar kurz unterbrochen werden. Zum Schluss machte einer der Journalisten ein Gruppenbild (s. u.) mit einigen Agenturvertretern, aber auch mit seinen Kollegen aus den anderen Redaktionen. Die Berichterstattung in den Medien über unser Treffen war umfangreich und sehr positiv.

Die Stadt

Der Name Marrakesch stand für mich schon immer für eine Stadt, die ich mit den Märchen aus 1001 Nacht in Verbindung gebracht habe. Meine vage Vorstellung sollte sich bestätigen. Zwar verbrachten wir nur zwei Tage in der Stadt, davon den Großteil in einem modernen Stadtteil mit breiten Straßen, vielen deutschen Luxusautos, schicken Bars, einem Louis-Vuitton-Shop. Der Ausflug in die Altstadt mit dem berühmten Djeamaa el Fna (Platz der Gehängten) war wirklich der Besuch einer anderen Welt und einer anderen Zeit. Vermutlich hat sich hier seit Jahrhunderten nichts verändert: Schlangenbeschwörer blasen auf ihren Flöten, Artisten bauen Menschenpyramiden, Zahnausreißer zeigen besonders schöne extrahierte Kauwerkzeuge,  dazwischen verkaufen fliegende Händler getrocknetes Obst, Seifen und allerlei Wundermittel. Im angrenzenden Bazar gibt es so ziemlich jedes Konsumgut, jeder Preis ist verhandelbar. Wir feierten den Abschluss unseres Meetings mit einem gemeinsamen Abendessen in einem Riad, den traditionellen um einen Innenhof herumgebauten Stadtpalästen. Der Weg dorthin führte durch ein wahres Labyrinth aus engen Gässchen. Den richtigen Rückweg zu finden war, obwohl es an diesem Abend keinen Alkohol gab, etwas schwieriger – aber das wäre schon wieder ein Posting für sich.

Über den Verfasser

Veit Mathauer ist einer der beiden Geschäftsführer von Sympra. Wirtschaftswissenschaftler, Journalist, PR-Mensch, Boardmitglied im internationalen Public Relations Network (PRN) und Blogger. Ansonsten auch in den einschlägigen sozialen Netzwerken zu finden.

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