Im Interview: Timo Heuer, Digital Native

Digital Natives stehen, auch wenn der Begriff umstritten ist, für eine neue Generation von Internetnutzern, die große Teile ihres Tages online verbringt. Eine Generation, die im Web alles sucht, findet und organisiert – sowohl Kontaktaufnahme als auch Beziehungspflege, sowohl Karriereplanung als auch firmenübergreifendes Wissensmanagement (mehr dazu im Interview mit IBM-Chef Martin Jetter und USU-Vorstand Gerald Lamatsch im von Sympra erstellten doit-Magazin), sowohl Unterhaltung als auch Kreativität. Klar, dass diese Generation zum einen kritisch beäugt, zum anderen gehegt und gepflegt wird. Bei DNAdigital diskutieren beispielsweise Top-Entscheider mit Digital Natives, Thema: Enterprise 2.0, frei übersetzt: Kommunikation im Unternehmen der Zukunft. Für mich ist klar: Auch Journalismus und Public Relations sollten sich rechtzeitig der Frage stellen, welche Generation hier nachwächst, welche neuen Formen der Kommunikation und Kooperation künftig angesagt sind. Einer, der mit gerade einmal 17 Jahren auf eine beeindruckende Reputation und Vernetzung als Digital Native zurückblicken kann, ist Timo Heuer. Kennengelernt habe ich ihn durchs Bloggen, zunächst nur online und neulich auch persönlich, wenn auch ganz à la Web 2.0: Wir konnten uns spontan in Hannover zum Branchentalk einfinden, nachdem Timo durch meinen Tweet

“Im ICE Stuttgart – Hannover – Sitze am Boden auf meiner brand eins. Reservieren ist fuer Schwächlinge”

(mehr zu Twitter) auf meine bevorstehende Ankunft am Bahnhof Messe/Laatzen aufmerksam geworden war. Ich freue mich, dass er bereit war, einige Fragen zu beantworten. Wie stellt sich der journalistische und persönliche Alltag, die Zukunft und die Zusammenarbeit mit PR-Menschen aus Sicht eines Digital Native dar? Hier unser kurzer Dialog zum Thema:

Timo, Du bezeichnest Dich selbst als “Digital Native”. Warum identifizierst Du Dich mit dieser Bezeichnung, was zeichnet Dich als Vertreter dieser Spezies aus?

Nun, als Vertreter der Internet-Generation spricht man zwar nicht “Digital” als Sprache, man hat aber dennoch ein anderes Empfinden vom Internet als manch ein Erwachsener. Diese Techniken sind schon so in unseren Lebensalltag eingebaut, dass wir sie als normal betrachten. Wir kennen die Welt ohne Handys und Internet nicht, wir kennen keine Welt ohne ständige Erreichbarkeit und soziale Netzwerke.

Neulich konntest Du Dich mit Managern zum Thema “Digital Natives” austauschen. Mit wem hattest Du das interessanteste Gespräch, was war das Fazit?

Das Event, das Du ansprichst, DNAdigital, war sehr spannend für mich. Das spannenste Gespräch hatte ich mit jemandem aus der Strategieentwicklung von YelloStrom. Aber auch die Anwesenden von der Telekom haben mich beeindruckt. Ein sehr interessantes Event, das neben vielen Kontakten auch neue Einsichten bringt.

Ganz konkret, was unterscheidet Deinen Alltag von dem eines Web-2.0-Abstinenten?

Ich komme in der Redaktion an, fahre den Rechner hoch und lese E-Mails. Soweit unterscheidet mich wohl nichts von anderen. Danach lese ich meine abonnierten RSS-Feeds, checke kurz einige große nationale und internationale Medien und schaue, was bei Rivver und Twitturly oben steht und viel gebloggt beziehungsweise getwittert wurde.

Im Moment bist Du 17 und arbeitest als Praktikant und Nachwuchsjournalist bei einem Verlag. Was ist Dein Berufsziel?

Mein Traumszenario würde folgendermaßen aussehen: Ein schönes Leben in Hamburg als freier oder festangestellter Journalist bei einem renommierten Medienhaus. Natürlich gibt es immer andere Möglichkeiten. Ich würde auch gerne im Ausland tätig sein. Da ich gerne mit Menschen arbeite, ihnen Fragen stelle und ihnen zuhöre, trifft es das Berufsbild des Journalisten sehr gut. Medien haben mich schon von kleinauf interessiert. Mit 10 gab ich eine eigene “Zeitung” heraus, die ich an Nachbarn verkaufte. Auch Schreiben ist eine Leidenschaft, die ich seit dieser Zeit pflege. Bloggen hilft dabei, am Schreibstil zu arbeiten und ihn zu verbessern. Und natürlich ist auch die Hilfe von erfahrenen Journalisten bei yeebase nützlich. yeebase ist der Verlag, der unter anderem das Printmagazin T3N herausgibt.

Denkst Du, dass Dir Social Networking und die Tatsache, dass Du bloggst und auf Social-Media-Plattformen aktiv bist, beim Erreichen dieses Ziels helfen wird?

Ich denke schon. Ich merke, dass einige journalistische Grundtechniken auch für das Blogging gelten. Mit der Zeit lernt man, wie man am besten und effektivsten an Informationen kommt, wen man für ein Interview ansprechen sollte und wer spannende Dinge zu erzählen hat.

Inwiefern hast Du ganz persönlich von der Tatsache profitiert, dass Du im Web 2.0 aktiv bist?

Ich habe sehr davon profitiert. Ein Netzwerk zu haben ist wichtig, auch als Minderjähriger. Man kann nie früh genug damit anfangen, sich für das Berufsleben gut zu rüsten. Deshalb denke ich, dass diese Fähigkeiten (etwa ohne zu Zögern auf andere Leute zuzugehen, Kontakte im Kopf kategorisieren, abspeichern und in richtigen Moment wiederfinden) von kleinauf an gelehrt werden müssen. Ich denke, als angehender Journalist ist es wichtig, über ein Netzwerk in vielen Bereichen zu verfügen. Web 2.0 und die Social Networks sind hilfreich dabei.

Können Schüler von Web 2.0 und Bloggen profitieren?

Es gibt eindrucksvolle Beispiele, wie das Web 2.0 und Blogging im Unterricht eingesetzt werden. Das sollte man stärker fördern und ihnen ganz klar zeigen, welche Vorteile Bloggen ihnen bietet: Verbesserung des Sprachverständnisses, neue Kontakte, Dialoge mit Lesern und viele mehr. Man muss natürlich darauf achten, über was gebloggt wird. Teilweise können falsche Inhalte auch schädlich sein, etwa bei der Jobsuche.

Du bist bestens in der Internetszene vernetzt. Auf wieviel Verständnis stößt Du mit Deinen Web-2.0-Aktivitäten außerhalb dieser Szene? Was sagen andere Journalisten, was Dein persönliches Umfeld?

Meine Mutter liest mittlerweile, was ich bei Twitter schreibe. Das hat für uns beide einen Vorteil: Ich muss weniger SMS schicken, dass ich angekommen bin oder dass es mir gut geht und sie erfährt weitere Details, wenn ich zum Beispiel auf ein Flickr-Foto verlinke. Auch in meiner Verwandtschaft stoßen meine Aktivitäten auf viel Verständnis. Sie wissen über die Vorteile Bescheid. Ich kenne einen begabten Journalisten aus Hamburg, der nicht stark im Web 2.0 aktiv ist. Er findet es dennoch spannend, wie man es für journalistische Zwecke verwenden kann. Die meisten anderen Journalisten, zu denen ich Kontakt habe, sind auch Online-Journalisten und somit vertraut mit dem Web 2.0.

Hast Du den Eindruck, dass Deine Web-2.0-Aktivitäten Zeitfresser sind?

Natürlich sind sie Zeitfresser. Aber sie bringen auch etwas, wenn auch nicht sofort. Es kann dauern, bis man dafür belohnt wird. Bei vielen Diensten macht es auch einfach nur Spaß, sich mit ihnen zu beschäftigen. Andere wiederum dienen der Kontaktaufnahme und -pflege.

Als Nachwuchsjournalist hast Du auch mit PR-Leuten zu tun. Was machen die falsch und richtig in Sachen Web 2.0?

Schwere Frage. Da möchte ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Nico Lumma formulierte es einmal so: “Die Pressemitteilung ist tot.” Das bedarf keines weiteren Kommentars.

Was wird sich aus Deiner Sicht in den nächsten Jahren in Sachen Medien und PR ändern? Wer profitiert von den neuen Trends in der Kommunikation?

Alles wird digitaler. Profitieren dürften davon natürlich alle, die diese Trends frühzeitig erkannt haben und erkennen, also die sogenannten Early Adopters.

Verstehst Du die Scheu vieler etablierter Journalisten und PR-Menschen vor dem Web 2.0? Ist diese teilweise legitim?

Klar verstehe ich sie. Es liegt glaube ich in der menschlichen Natur, Neues erst einmal abzulehnen. Wütende Leserkommentare und schlechte Bewertungen und die Furcht vor der Macht der Blogger können Journalisten abschrecken. Aber Journalisten sollten eigentlich aufgrund ihres Berufes wissen, dass in Neuem auch viele Vorteile liegen können. Und so ist es auch hier.

Über den Verfasser

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *