„Ich hatte erwartet, dass Unternehmensseiten auf Google+ mit irgendeinem Killerfeature starten würden.“

Annette Schwindt über Unternehmensseiten bei Facebook und Google+

facebook_vs_googleIn Deutschland kennt kaum jemand Facebook so gut wie Annette Schwindt. Die Beraterin für Kommunikation und Bloggerin berät mit ihrer Ein-Frau-Agentur schwindt-pr rund um das Thema Onlinekommunikation. Als Autorin von „Das Facebook-Buch“ hat sie sich als Facebook-Expertin etabliert und hält die Leser ihres Blogs über Aktuelles aus den verschiedenen sozialen Netzwerken auf dem Laufenden. Seit Einführung der Unternehmensseiten ist schwindt-pr auch auf Google+ vertreten. Im Interview mit Sympra-Mitarbeiterin Helen Reiser zieht Annette Schwindt eine erste Bilanz zu den Unternehmensseiten auf Google+ und erklärt, warum sie nicht gerne Äpfel mit Birnen vergleicht.

Seit Anfang November können auf Google+ Unternehmensseiten angelegt werden. Was war Ihr erster Eindruck der Unternehmensseiten auf Google+?

Mein erster Eindruck war: „Ist das jetzt alles?“ Bislang weisen die Seiten nicht mehr Funktionalitäten auf als die schon bekannten Profile. Gut, ich darf die jetzt nach meinem Unternehmen benennen und ich kann jetzt Hangouts für Kunden anbieten. Aber das Ganze ist doch noch sehr im Anfangsstadium. Ich hatte erwartet, dass Unternehmensseiten auf Google+ mit irgendeinem Killerfeature starten würden…

Sie sind dort auch schon vertreten und haben innerhalb weniger Tage mehr als 800 Follower gewonnen. Was ist aus Ihrer Sicht das Erfolgsrezept für Unternehmen? Welche Faktoren sorgen dafür, dass Unternehmensseiten von der Community angenommen werden?

Die Anzahl der Follower ist – wie auch auf anderen Plattformen – nicht der primäre Indikator für den Erfolg einer Präsenz. Vielmehr ist interessant, ob und wie die Seite oder Beiträge angenommen und weiterempfohlen werden. Von den über 3.000 Followern meines Profils haben noch lange nicht alle meine Seite eingekreist. Und die kamen wiederum von anderen Präsenzen – Facebook-Fanseite etc. – wo ich mir bereits über Jahre einen Namen aufgebaut habe. Solche Zahlen darf man nicht überbewerten. Die Faktoren, die eine gute Seite machen sind wie immer: Inhalte, Inhalte, Inhalte und gute Vernetzung. Wo liegt der Mehrwert für die Follower? Warum sollten sie mir hier auch folgen, wenn sie das vielleicht schon auf Facebook, im Blog und auf Twitter tun? Ich habe das so gelöst, dass ich auf Google+ auch nur Google+ bediene und Facebook auf der Facebook-Fanseite. Im Blog und auf Twitter hingegen gibt es zu allem etwas.

Welche Vorteile gegenüber Facebook-Unternehmensseiten sehen Sie in Google+?

Annette SchwindtOje, immer dieses Vergleichen von Äpfeln mit Birnen… Google+ ist Teil von Google und Facebook ist Facebook. Natürlich werden die beiden jetzt noch heftiger um Werbekunden ringen, aber solange die Unternehmensseiten auf Google+ keine verbesserten Funktionalitäten bieten, sind sie erst mal keine Konkurrenz. Das einzige, was Facebook im Moment nicht kann, sind geschäftliche Hangouts (Videocalling auf Facebook geht nur privat und nicht mit mehreren gleichzeitig). Positiv für die Onlinereputation ist außerdem das bevorzugte Google-Ranking von Profilen und Seiten in Google+. Umgekehrt haben Fanseiten derzeit noch sehr viel mehr Möglichkeiten als die Seiten auf Google+. Wenn Google schlau ist, dann sorgen sie für bessere Betreuung der Geschäftskunden und stabilere Performance als Facebook, denn das frustriert die Geschäftskunden dort am meisten. Aber so lange Facebook die Mehrheit der Nutzer hat, pflegt man seine Community natürlich erst mal vorwiegend dort.

Und was gefällt Ihnen an Ihrer Facebook-Unternehmensseite besser als bei Google+?

Wie gesagt: Äpfel und Birnen. Unternehmensseiten auf Google+ sind gerade erst gestartet, Facebook ist schon sieben Jahre alt. Mit iframe-Tabs, eigenen Apps und anderen Diensten, die in die Fanseiten integriert werden können, hat man dort im Moment noch die größeren kreativen Möglichkeiten. Andererseits wird von vielen dafür die Pinnwand, die das Herzstück von Fanseiten darstellt, vernachlässigt. Man rennt nur den Fanzahlen und der nächsten blinkenden App für zehntausende Euros hinterher, statt sich um echte Gespräche zu kümmern. In die Falle kann man bei Google+ Seiten (im Moment) gar nicht erst geraten. Außerdem kann man Unternehmensseiten derzeit nur vom selben Konto aus erstellen, zu dem das persönliche Profil gehört. Damit kann es gar nicht erst zu den Verwirrungen kommen, die Facebooks Unternehmenskonten verursachen.

Sehen Sie schwindt-pr dauerhaft auf beiden Netzwerken? Was würden Sie Unternehmen raten?

Ja sicher, das ist ja mein Beruf. Ich kann ja nicht andere darin beraten, ob sie Google+ nutzen sollen, wenn ich den Dienst nicht selber kenne. Und es ist auch sehr spannend, die Entwicklung von Anfang an beobachten zu können. Ob ein Unternehmen auf Google+ präsent sein sollte oder nicht, muss man genauso individuell entscheiden wie über eine Präsenz woanders. Es bietet sich aus SEO-Gründen natürlich an, aber man muss auch Kapazitäten und das entsprechende Know-how dafür im Unternehmen haben.

Wenn Sie sich für eines entscheiden müssten, wäre es Facebook oder Google+?

Fragen Sie mich nochmal, wenn sich Google+ Unternehmensseiten etwas mehr etabliert haben. Die sind ja gerade ein paar Tage alt und Facebook gibt es schon viel länger. Im Moment kann man das unmöglich sagen.

Vielen Dank, Frau Schwindt!

Bild: Annette Schwindt

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