Google macht dumm!

Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer konfrontierte am 9. Oktober 2012 die knapp 400 Besucher des Weiterbildungskongresses „Und was lernen wir morgen?“ im Haus der Wirtschaft in Stuttgart mit den neuesten Erkenntnissen aus der Hirnforschung. Weitere namhafte Referenten des Kongresses, der im Rahmen der Initiative „Lernen bedeutet Leben“ vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg veranstaltet wurde, waren unter anderem Prof. Dr. Dieter Hundt, Präsident der Landesvereinigung Baden-Württembergischer Arbeitgeberverbände e. V., sowie Nikolaus Landgraf, DGB-Landesvorsitzender Baden-Württemberg. Die Initiative des Ministeriums soll insbesondere ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ansprechen und dazu motivieren, sich beruflich weiterzubilden.

Prof. Dr. Dieter Hundt betonte in seinem Vortrag vor allem den finanziellen Mehraufwand bei einer Ausweitung der betrieblichen Weiterbildungsmaßnahmen. Nach der 7. Weiterbildungserhebung des Instituts der Wirtschaft haben 2010 mehr als 83 Prozent der Unternehmen Weiterbildungsmaßnahmen angeboten, was zu Kosten in Höhe von 1.000 Euro pro Mitarbeiter im Jahr führt. Auf der anderen Seite, so Nikolaus Landgraf, seien gut qualifizierte Arbeitnehmer der Schlüssel zum Erfolg der Unternehmen in Baden-Württemberg. Die Bevölkerung nehme immer weiter ab, das Durchschnittsalter steige und die Zahl der potenziellen Erwerbspersonen sinke. Diese demografischen Entwicklungen erfordern eine stärkere Wertschätzung und Förderung der beruflichen Qualifikation.

Die Erkenntnisse der Hirnforschung aus den letzten Jahren zeigen ebenfalls, dass sich betriebliche Weiterbildung bei älteren Arbeitnehmern lohnt. Zwar können junge Menschen Neues viel schneller lernen, Ältere können jedoch auf bereits gespeichertes Wissen zurückgreifen und lernen, indem sie das Neue mit dem Alten verknüpfen. So kann jemand, der bereits fünf Sprachen fließend beherrscht, leicht eine sechste lernen, wohingegen ein Kleinkind viel länger braucht, bis es sprechen kann. Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer wies in seinem Vortrag außerdem auf problematische Entwicklungen der letzten Jahre hin. Es wurde herausgefunden, dass die Suchmaschine Google für den Wissenserwerb junger Menschen schädlich ist. Gegoogelte Informationen bleiben mit der geringsten Wahrscheinlichkeit hängen, da man sich die Information ja nicht merken muss, sondern sie immer wieder neu googeln kann. Kinder verfügen jedoch nur über eine geringe Vernetzungsdichte im Gehirn und lernen, indem sie sich mit der Welt auseinandersetzen. Weiterhin schädlich seien Spielekonsolen, führte der Hirnforscher weiter aus. Kinder, die eine Spielekonsole besitzen, haben schlechtere Noten als Heranwachsende ohne eine solche.

Sympra hat zusammen mit der Agentur Dorten die Initiative konzipiert und den Kongress organisiert.

Mehr zum Thema hat Manfred Spitzer kürzlich in seinem Buch „Digitale Demenz“ veröffentlicht.

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