Ein Plädoyer für “Public Relations” – oder: Warum Sympra nicht eine PR-Agentur ist

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1. Auf die Frage: „Was machst Du so?“ hatte ich früher meist geantwortet: „Ich habe eine PR-Agentur.“ Darunter konnten sich die meisten zwar nichts Konkretes vorstellen, aber so in etwa wussten sie dann doch Bescheid: Das ist so etwas wie eine Werbeagentur, weniger mit Anzeigen und Plakate, mehr mit Zeitungsartikeln und so. In vielen Fällen genügte es mir, dass man mich beruflich somit einigermaßen einordnen konnte.

2. Moritz Hunzinger ist ein PR-Berater. Dieter Thomas Heck wollte seine Gattin erwürgen – war aber wohl nur ein PR-Gag für die Vermarktung seiner Memoiren. Beim PR-Bild-Award gibt’s auch mal ein schönes Portraitbild vom Regierungssprecher und ein Foto von einem Balkon an der Chinesischen Mauer. “Liszt war ein geniales PR-Genie” (Pianistin Hélène Grimaud zum 200. Geburtstag von Franz Liszt).

3. Ein Anruf erreicht mich im Büro: „Guten Tag! (…) Ich bringe ein neues Produkt auf den Markt und komme zu Ihnen, weil ich PR dafür brauche.“ Im Klartext bedeutet diese Anfrage: Ich brauche Unterstützung bei der Pressearbeit. Genau genommen bei der Produktpressearbeit. Aufgabe der PR ist hier Verkaufsförderung, soll die Werbung ergänzen (oder gar ersetzen), fast ausschließlich marktorientiert. Legitim.

4. Im Strategieworkshop unseres Agenturverbands GPRA e. V. machen wir uns Gedanken, ob die GPRA umfirmieren soll. Die beiden mittleren Buchstaben im Akronym stehen für „Public Relations“ und einige Agenturkollegen fühlen sich damit nicht mehr so richtig wohl. Ihr Tätigkeitsspektrum sei viel umfassender geworden, sie böten umfassende Kommunikation, Events, Public Affairs und das sei doch weit mehr als Pressearbeit. Wir diskutieren über die Vertrauenskrise in der Öffentlichkeit, die durch großes Misstrauen gegenüber politischen Autoritäten, staatlichen Organisationen und Unternehmen gekennzeichnet ist. Eine große Rolle spielt der Wandel des Mediensystems, vor allem die Krise der klassischen Medien und der Bedeutungsgewinn von Social Media. In dieser Situation wollen wir unsere Kernkompetenzen stärker nutzen: Wir sind doch die Experten für den Aufbau und Erhalt von Vertrauen sowie für Meinungsbildung und Dialog mit Stakeholdern – Public Relations pur! Es bleibt bei „GPRA“.

5. „Public Relations [sind] das bewusste und legitime Bemühen um Verständnis sowie um Aufbau und Pflege von Vertrauen in der Öffentlichkeit auf der Grundlage systematischer Erforschung“ definiert die Deutsche Public Relations Gesellschaft (DPRG).

Auch wenn “PR” nur die Abkürzung für “Public Relations” ist: Ich fühle im allgemeinen Sprachgebrauch einen großen Unterschied zwischen den beiden Begriffen. „PR“ reduziert unsere Disziplin nur zu oft auf Pressearbeit und Event, gern laut und am besten kurzfristig wirksam. „Public Relations” steht für mehr: für Aufklärung, für langfristig angelegtes Informieren und Aufbauen von Vertrauen, für Interessensausgleich, vor allem für Dialog. Pressearbeit gehört dazu, Kommunikation über soziale Medien, aber auch Hintergrundgespräche, runde Tische und Diskussionen mit Befürwortern und Gegner. Public Relations sind nach meinem Empfinden leiser als PR, brauchen mehr Zeit und wirken nachhaltiger. Sympra ist ganz klar eine Public-Relations-Agentur.

Empfinde nur ich diesen semantischen Unterschied? Ihre/Euere Meinung würde mich interessieren.

Über den Verfasser

Veit Mathauer ist einer der beiden Geschäftsführer von Sympra. Wirtschaftswissenschaftler, Journalist, PR-Mensch, Boardmitglied im internationalen Public Relations Network (PRN) und Blogger. Ansonsten auch in den einschlägigen sozialen Netzwerken zu finden.

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