Chefs sind gar nicht so gut, wie sie denken!

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Weiß gar nicht, ob ich als Chef zu diesem Thema überhaupt etwas bloggen soll. Wahrscheinlich müsste ich zunächst mal meine Kollegen dazu fragen. Womöglich geht’s mir so wie den Führungskräften, die im Auftrag der Initiative Zukunftsfähige Führung (izf) e. v. befragt wurden: Die schätzen nämlich ihr Führungsverhalten deutlich positiver ein, als es ihnen Nachwuchskräfte attestieren. Die Studie, durchgeführt vom Institut für Demoskopie Allensbach, wurde jetzt in Stuttgart vorgestellt.

 Am weitesten auseinander liegen demnach die Bewertungen, wenn es um die Zuverlässigkeit der Führungskraft geht, also um das Einhalten von Absprachen: 84 Prozent der Chefs glauben, hier einen guten Job zu tun, gerade mal 55 Prozent der Berufsanfänger teilen diese Einstellung. Anderes Beispiel: 70 Prozent der Führungskräfte meinen, sie könnten Veränderungen im Arbeitsumfeld gut begründen – lediglich 38 Prozent der Mitarbeiter sehen das auch so. Ebenfalls nur 38 Prozent der Nachwuchskräfte bescheinigen ihrem direkten Vorgesetzten, offen für Kritik zu sein. Erschreckend, wie sehr Selbstbild und Fremdbild divergieren.

Führung wird sich weiter verändern. Während beispielsweise die Integration von Beschäftigten unterschiedlicher Herkunft, Kultur oder Alter derzeit eine noch geringe Rolle im Selbstverständnis einer Führungskraft spielt und nur jeder dritte Befragte die Integration als besonders wichtig einschätzt, wird der Umgang mit Diversität in Zukunft als eine der wichtigen Kompetenzen von Führungskräften beurteilt. Nahezu zwei Drittel der befragten Führungskräfte bewerten die Integrationsfähigkeit als zentrale Zukunftskompetenz (62 Prozent). Zudem werden vor allem Kommunikationsfähigkeit, Entscheidungsstärke, fachliches Wissen, Lernbereitschaft, Offenheit, Teamfähigkeit, Kritikfähigkeit oder Flexibilität als zukünftige Schlüsselqualifikationen oder Verhaltensweisen wichtiger werden, so die Einschätzung der Befragten.

Eine wichtige Herausforderung der Zukunft wird auch sein, Nachwuchskräften bei der Sicherstellung einer Work-Life-Balance zu unterstützen. So scheint für viele Youngsters die Übernahme von Führungsverantwortung unattraktiv, aus Angst vor privaten Opfern. Derzeit finden Führungskräfte flexible Arbeitszeiten sowie eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben noch deutlich weniger bedeutend als ihre Nachwuchskräfte.

Und was bedeuten die Ergebnisse der Studie für Sympra?

Wir haben es sicher in vielem einfacher als die 278 Führungskräfte und 273 Nachwuchskräfte, die die Allensbacher im Herbst 2015 befragt haben: Sie sind nämlich alle in größeren Organisationen mit mindestens 50 Mitarbeiter der Wirtschaft (produzierendes Gewerbe, Handel und Dienstleistungen) und der öffentlichen Verwaltung tätig. In einem Unternehmen mit 20 Mitarbeitern, wie dem unsrigen, sind Kommunikationswege kürzer und direkter, kann Kritik jederzeit adressiert werden, lassen sich flexible Arbeitsmodelle viel einfacher umsetzen.

Trotzdem: Auch wir müssen umdenken, z. B. wenn Mitarbeiter tageweise im Homeoffice arbeiten wollen und wir Projekte so über mehrere Standorte hinweg koordinieren müssen. Oder wenn in Bewerbungsgesprächen immer wieder der Wunsch nach einer 60- oder 80-Prozent-Beschäftigung geäußert wird, um an ein oder zwei Tagen „was ganz anderes zu machen“. Und eines wissen wir auch schon: Die Generation, die jetzt sie Schulen und Hochschulen verlässt, haben noch einmal ganz andere Wünsche und Anforderungen. Mitarbeiterführung bleibt also eine Herausforderung für derzeitige und für künftige Chefs.

Auftraggeber der Allensbach-Studie war die gemeinnützige Initiative Zukunftsfähige Führung (IZF), die 2013 in Stuttgart von Führungskräften aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft gegründet wurde. Zweck der Initiative ist es, den Erfahrungsaustausch zwischen heutigen und künftigen Führungskräften zur konkreten Umsetzung zukunftsfähiger Führung zu fördern sowie zur öffentlichen Diskussion und Anerkennung von bewährter Führung anzuregen. IZF-Vorsitzender ist J. Menno Harms, ehemaliger Chef von Hewlett-Packard. Sympra unterstützt die Initiative regelmäßig bei der Öffentlichkeitsarbeit.

Über den Verfasser

Veit Mathauer ist einer der beiden Geschäftsführer von Sympra. Wirtschaftswissenschaftler, Journalist, PR-Mensch, Boardmitglied im internationalen Public Relations Network (PRN) und Blogger. Ansonsten auch in den einschlägigen sozialen Netzwerken zu finden.

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