Bürgerbeteiligung 2.0

Heute fand im Literaturhaus im Rahmen von Kreativraum und in Zusammenarbeit zwischen der MFG Baden-Württemberg und Sympra Die Blaue Stunde zur Demokratie 2.0 statt. MFG-Geschäftsführer Klaus Haasis informierte über europäische Bürgerkommunikation mit innovativen Medientechnologien; Andreas Huber vom InnovatorsClub und Herausgeber des Buches “Web 2.0 für Kommunen und Kommunalpolitik” und mein Kollege Bernhard Jodeleit, Sympra-Social-Media-Experte, diskutierten über Bürgerkommunikation im Web 2.0.

Collaboration und Crowd Sourcing – zwei Erfolgsfaktoren in der virtuellen und in der realen Welt. Darauf ging Klaus Haasis in seiner Einleitung ein. So entstünden z. B. Zukunftsfelder wie Gaming durch die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen, ihre Akteure vernetzt, technologisch verwoben über Web-2.0-Technologien. Collaboration ist auch bei der Veranstaltungsreihe Kreativraum selbst angesagt: Das neue Format wurde begleitend zu fmx/09, Trickfilmfestival und anderen Medienveranstaltungen gemeinsam von der Landeshauptstadt Stuttgart, der Wirtschaftsregion Stuttgart und der MFG Baden-Württemberg organisiert. Wo bisher die jeweiligen Institutionen ihre Grenzen gesehen haben (die Stadt-Wirtschaftsförderung an den Stadtgrenzen, die WRS in der Region und die MFG mit ihrem Landesblick wiederum vor allem im IT-Fokus), werden diese Grenzen jetzt sinnvollerweise unbedeutend. Damit spielen nicht mehr die politischen Positionen die Hauptrolle, sondern die Vernetzung in den Marktfeldern, die das beste Mittel gegen Krisen ist.

kreativraum
Andreas Huber, Bernhard Jodeleit, Klaus Haasis (v.l.)

Bernhard Jodeleit stellte anschließend Social-Media-Kanäle und -Plattformen vor, die sich speziell dafür eignen, damit sich Bürger an politischen Entscheidungen beteiligen. Blogs und Social Networks zum Beispiel, die über Twitter & Co. bekannt gemacht werden. Sein Hinweis: Die Kommunikation muss dialogisch angelegt sein, authentisch, und konzeptionell in eine Gesamtstrategie eingebettet. (Dass dies Zeit oder Geld bzw. Zelt und Geld kostet, wissen wir ja aus eigenen Projekten, wie z. B.  unsere Veranstaltung DemokratieZweiNull – Wahlkampf im Web.)

Aktuelle Beispiele der Bürgerbeteiligung im Web 2.0 stellte Andreas Huber vor. Er vertrat den Innovators Club , der sich 2005 auf Initiative des Deutschen Städte- und Gemeindebundes mit dem Ziel gegründet hat, innovative Praktiker aus dem kommunalen Umfeld mit Vertretern der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Politik zusammenzubringen. Huber berichtete darüber, wie sich mithilfe von Web 2.0 Bürger an den kommunalen Haushaltsplanungen der Städte Köln und Hamburg beteiligen konnten. In den “Unortkataster” der Stadt Köln können die Bürger Kritik und Verbesserungsvorschläge für einzelne Stadtbereiche direkt vermerken und diskutieren. Ähnlich funktioniert das englische Projekt FixMyStreet, bei dem Schlaglöcher und andere Missstände im öffentlichen Bereich in Landkarten eingetragen werden, um die Kommunalverwaltung zum Handeln zu animieren. Ein anderes Beispiel war die Diskussion über die Gestaltung eines Gebiets an der ehemaligen Berliner Mauer, die teils im Web, teils real mit einer großen Gruppe interessierter Bürger geführt wurde.

Eine engagierte Diskussion folgte. Hier ging’s dann auch noch um ganz andere Dinge rund ums Social Web – Fakes, Digital Divide, Spam, Datenmüll.

Klar wurde an diesem Abend: Bei der Beteiligung der Bürger an politischen Entscheidungsprozessen stehen wir noch am Anfang und dürfen noch auf vieles gespannt sein. Ganz entscheidend für den Erfolg vom Mitmach-Web in der Politik, und da waren sich alle die Referenten einig, ist ein Umdenken der Vertreter in Politik, Parteien und öffentlicher Verwaltung. Sie müssen die neuen Instrumente kennen und sie schätzen und sich auf ganz neue, dialogische Kommunikationsformen einlassen. Technisch sind wir hier schon sehr weit …

Wer sich für das Thema Bürgerbeteiligung 2.0 interessiert, dem sei das Buch “Web 2.0 für Kommunen und Kommunalpolitik” von Franz-Reinhard Habbel und Andreas Huber (Hrsg.) empfohlen. Oder ein Anruf bei Sympra.

Über den Verfasser

Veit Mathauer ist einer der beiden Geschäftsführer von Sympra. Wirtschaftswissenschaftler, Journalist, PR-Mensch, Boardmitglied im internationalen Public Relations Network (PRN) und Blogger. Ansonsten auch in den einschlägigen sozialen Netzwerken zu finden.

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