Bleib‘ mal locker – also geistig!

135146_web_R_by_ulitie_pixelio.de So oder so ähnlich könnte das Fazit sein, was ich nach zwei Tagen Seminar bei Frank Seeger zum Thema „Rhetorische Kommunikation“ fassen könnte. Wohlgemerkt: Könnte! Denn mit Blick auf Körpersprache, Mimik, der Behandlung des Gegenübers und vor allem der Wortwahl ist es zu kurz gefasst.  Sehr schnell war jedoch klar, dass wir „Rhetorik“ auch ohne explizit diesen Begriff zu verwenden, täglich einsetzen. Nämlich immer dann, wenn es darum geht, unseren Standpunkt zu vertreten und unser Gegenüber davon überzeugen zu wollen.

„Innere Haltung“ und „geistige Lockerheit“ sind hier die Zauberwörter. Und nein, das ist keineswegs esoterisch angehaucht! Die innere Haltung ist es, die großen Anteil daran hat, ob Gespräche erfolgreich, passabel oder einfach nur katastrophal laufen. Natürlich sind auch Aspekte wie Anlass, Zielsetzung, Vorbereitung etc. nicht zu vernachlässigen. Aber für den Gesprächsverlauf ist es entscheidend, welche Einstellung ich dazu habe und damit verbunden, wie geistig locker ich denn bin. Denn beides ist Grundvoraussetzung dafür, dass ich mich auf neue, ungeahnte Punkte im Gespräch einstelle und Argumente schlagfertig anbringe.

In meinem Beruf als PR-Schaffende gehören Unterhaltungen zum Alltag. Doch so unterschiedlich die Themen, so divers die Gesprächspartner und so verschieden die Anlässe innerhalb kürzester Zeit sind, so dringend muss ich mir im Vorfeld eine „perfekte Minute“ nehmen. Sie ist dazu da, um sich vor der Unterhaltung einmal klar zu werden, weshalb man diese führt und vor allem mit welcher Intention. Huch, ein Fremdwort! Das gehört übrigens auch zum Thema „Wortwahl“.  „Weniger ist mehr“ ist hier das eindeutige Motto, also: Tausche „Intention“ gegen „Zielsetzung“. Wenn ich dann noch den Viersprung „Thema-Hörer-Redner-Situation“ ordentlich beachte, kann eigentlich nichts schief gehen.  (Anm. „Eigentlich“ ist auch so ein Wort – sollte in der Rhetorik gar nicht vorkommen. Aber das nur nebenbei.)Rhetorik_Duden

Und was tun, wenn der Diskussionsverlauf einfach nicht funktionieren will? Wenn die Hände nicht wissen wohin mit sich? Wenn die Notizen schon feuchte Abdrücke vom Stressschweiß bekommen? Dann hilft wieder nur noch eins: Innere Haltung einnehmen („Ihr könnt mir mal so gar nix!“) und gegebenenfalls mit wehenden Fahnen untergehen. Klingt dramatisch und das ist es auch, je nach Anlass wohlgemerkt. In der harmlosesten Variante kann man ehrlich eingestehen, dass verschiedene Aspekte im Vorfeld nicht bedacht worden waren.  Hauptsache, es ist überzeugend. Und das ist der zentraler Punkt der Rhetorik – zu Zeiten ihrer Entstehung in der griechischen Antike bis heute in die Gegenwart.

Bild: ulitie  / pixelio.de

Über den Verfasser

Jasmin Sieverding ist seit Mai 2012 bei Sympra und als Consultant überwiegend in den Bereichen Maschinen- und Anlagenbau sowie Logistik tätig.

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