Alles fließt – oder was Bewegtbild in Bewegung setzt (1/2)

Ein großer europäischer Versicherungskonzern macht’s vor: Für die Einführung seiner neuen iPhone-App hat er eines der ersten Werbeangebote mit Apples iAds überhaupt auf den Markt gebracht – und eine Printanzeige mit einem Werbefilm auf dem iPhone kombiniert.

Bewegtbild interagiert hier quasi mit der Werbung und führt zum Applestore. Ähnliche Visionen mögen Marktforscher schon vor langer Zeit gehabt haben, aber noch vor ein, zwei Jahren haben die meisten Beobachter eine so schnelle Realisierung nicht erwartet. Zu zögerlich erschienen die Marktteilnehmer.
Zum Durchbruch verholfen haben dem Bewegtbild im Internet drei Faktoren: eine weitgehend verfügbare hohe Bandbreite für ruckelfreie Übertragungen, bedienerfreundliche mobile Endgeräte und leicht handhabbare Anwendungen. Zattoo.com bietet heute kostenlos Internet-TV mit einer beeindruckend großen Auswahl an Sendern, das iPad bindet Bewegtbild in statische Inhalte ein und beispielsweise Sevenload bietet Video on Demand mit einer Fülle von TV-Formaten und Musikvideos.

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Auch in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist Bewegtbild in kurzer Zeit zu einem Format avanciert, das die Markenbildung und Profilierung von Unternehmen und deren Sprechern unterstützt. Immer häufiger wertet es die Homepage eines Unternehmens oder einer Institution auf. Ich habe mich mit Peter Hankowiak, Marketingleiter der AV MEDIEN Gruppe*, über Bewegtbild und Social Media unterhalten.

Stackelberg: Als PR-Agentur haben wir im vergangenen Jahr bei Kundenprojekten die Beobachtung gemacht, dass bewegte Bilder rasant an Bedeutung gewinnen, und zwar nicht nur bei internen Präsentationen oder zur Vorführung auf Messen, sondern vor allem im Netz. Wie sieht das auf der Produzentenseite aus – können Sie das bestätigen?

Hankowiak: Durchaus. Eigentlich alle Filmbeiträge, die wir heute produzieren – ganz gleich ob für Messen, Events oder als Imagefilme – landen auf den Websites der Unternehmen, auf YouTube oder in sozialen Netzwerken. Die Konkurrenz ist groß, wenn man als Unternehmen wahrgenommen werden will. Ein gelungener Film präsentiert die Vorteile des Unternehmens und seiner Leistungen sehr einprägsam. Und erreicht über das Web und die Nutzung von Social Media sehr viel mehr Zuschauer als früher.

Stackelberg: Das Web bietet heute aber auch fantastische Möglichkeiten für die Verbreitung von Videoclips. Ein gut gemachter Film mag zunächst auf YouTube hochgeladen, über den Facebook-Like-Button in Freundesnetzen bekannt gemacht und über Twitter verlinkt werden, um so im Idealfall in wenigen Stunden um den Erdball zu wandern. Social Media ist damit der entscheidende Kapazitätsverstärker für Bewegtbild.

Hankowiak: Das klingt ja grundsätzlich gut und alle freuen sich. Aber was ist ein gut gemachter Videoclip? Bewegtbild und Social Media in der modernen Kommunikation werfen neue und andere gestalterische und kommunikative Herausforderungen auf – gerade im B2B-Bereich. Was nützt es, wenn mit Wackelvideos oder sinnentleerten Social-Media-Aktivitäten eine Modernität gezeigt werden soll, die gar nicht vorhanden ist? Oder völlig verkehrt kommuniziert wird und der vermeintlichen Aussage jegliche Substanz fehlt? Nutzen, Spaß und Relevanz: Das sind die Gründe, warum sich Menschen im Internet mit einer Anwendung, einem Angebot oder einem Videoclip beschäftigen.

Stackelberg: Nun fragen sich neben den großen und bekannten Marken wie Coca-Cola, Hugo Boss oder Porsche natürlich auch Mittelständler, Städte und Gemeinden, Ministerien und die große Zahl der B2B-Unternehmen, ob und was sie im Bereich Social Media und Bewegtbild machen sollen. Worauf kommt es an?

Hankowiak: Hier gilt wie im klassischen Marketing und in der PR: Gute Strategien und Konzepte wollen wohl überlegt sein und haben ihren Preis. Natürlich gibt es Glücksfälle und überzeugende Ideen, die sich viral verbreiten. So wie der amerikanische Mixer-Hersteller, der so angetan von seinem Produkt war, das er darin nicht nur Gemüse und Eiswürfel, sondern sogar Holz zerkleinert hat. Das Video dazu war auf YouTube so erfolgreich, dass das Unternehmen daraus eine Serie entwickelte und alles Mögliche shredderte, bis hin zum iPhone.

Stackelberg: Solche Beispiele sind aber, wie Sie sagen, singuläre Glücksfälle. In den meisten Fällen geht es doch darum, Bedingungen zu schaffen, die einen Erfolg vielleicht nicht garantieren können, aber doch mit höherer Aussicht auf Erfolg ermöglichen. Im ersten Schritt sollte man sich überlegen, welche Kundengruppen denn Produkte und Dienstleistungen bei diesem Anbieter kaufen sollen. Was sind die Gründe, wofür steht das Unternehmen? Letzten Endes geht es um die filmische Umsetzung des USP – witzig und kurzweilig, anschaulich und unterhaltsam.

Hankowiak: Ja, es ist ein Bündel von Fragen, das zu beantworten ist. Dass sich viele aktuelle Themen, sei es Ideenführerschaft, attraktiver Arbeitgeber oder Innovationsführer filmisch umsetzen lassen, ist fast schon selbstverständlich. Mit keinem anderen Medium lassen sich komplexe Zusammenhänge oder Abläufe so hocheffizient aufzeigen. Kein anderes Element kann so sehr emotionalisieren wie ein Film.

(->Teil 2)

* Aktuell hat AV MEDIEN die Fashion Show von HUGO BOSS in Berlin gedreht, die übrigens Live auf der Unternehmenshomepage und bei Facebook zu sehen war. Darüber hinaus produziert die AV MEDIEN Gruppe Spielfilme, Imagefilme, Web-TV, Magazinbeiträge und News, aber auch Features über Kultur und Lokales, Reisemagazine, Stadtportraits, Veranstaltungsfilme, und vieles mehr für alle großen Sendeanstalten in Deutschland. Mit 45 festangestellten Spezialisten aus den Bereichen Fernsehen, Spielfilm, Industriefilm und Postproduktion gehört sie zu den großen Filmproduzenten hierzulande.

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