Wie Amazon Ihr Geschäft verändert

Digitale Transformation – jeder spricht davon, aber nur wenige wissen, wie sie ihr Unternehmen sicher durch diese rasante, veränderungsintensive Zeit bekommen. Einer, der genau weiß, auf was es dabei ankommt, ist Jörg Schreiner. Er ist Mitgründer der Strategieberatung co-shift GmbH in Stuttgart, die Unternehmen und Führungskräfte auf hochvernetzte, dynamische Märkte vorbereitet. In einer kurzen dreiteiligen Blog-Serie stellt er uns dar, warum so viele Unternehmen mit ihren jetzigen Maßnahmen zur Digitalisierung viel zu kurz springen, und wie sich das vermeiden ließe. Der heutige Beitrag startet mit dem Einfluss von Cloud-Diensten und erläutert, wie wichtig branchenübergreifendes Denken für den zukünftigen Erfolg von Unternehmen wird.

Wie Amazon Ihr Geschäft verändert

Amazon verändert die Geschäftswelt – nicht nur im Onlinehandel. Das Unternehmen ist nur 23 Jahre nach seiner Gründung eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. Als der mit Abstand erfolgreichste Betreiber von Cloud-Diensten verdient Amazon gewaltige Summen Geld – in fast jeder Branche. Und damit wahrscheinlich auch in Ihrer. Was hat das mit Ihrem Geschäft zu tun? Eine solche Dominanz kann Märkte nachhaltig verändern, wie Ihnen jeder Versand- und Buchhändler bestätigen wird. Diese Branchen haben die volle Wucht der Digitalisierung bereits durchlaufen, die vielen anderen noch bevorsteht.

Die meisten Unternehmen unterschätzen das langfristige Ausmaß der geschäftlichen Veränderung durch digitale Technologien. Ich will auf die einzelnen Technologien und deren Namen gar nicht näher eingehen; sie verändern sich ohnehin viel zu schnell. Ihre wesentliche Bedeutung für die Geschäftsentwicklung ist dabei nicht neu: Technologische Innovationen mit einem klaren Mehrwert für Kunden konnten sich in allen Märkten schon immer leicht durchsetzen, Kundenwünsche grundlegend verändern und Branchen beseitigen, die zur Anpassung nicht in der Lage waren. Gut bekannte Beispiele solcher Innovationen sind die durch Container-Logistik ausgelösten Änderungen in weltweitem Handel und Industrie, oder auch die durch Erfindung des Stahlgerüstbaus ausgelösten Veränderungen im Bauwesen bis hin zur Verstärkung globaler Urbanisierungstrends.

Neu und wichtig zu verstehen: Digitalisierung erweitert und verschärft diesmal den Wettbewerb über traditionelle Branchengrenzen hinweg – und das auf Dauer. Digitale Technologien vereinfachen die Integration von Wertströmen aus unterschiedlichsten Branchen und heben den Wettbewerb um Kunden immer auf eine globale Ebene. Das sind gute Nachrichten für Unternehmer, die sich auf einen teuren Entwicklungswettbewerb als Anbieter im digitalen Technologiebereich nicht einlassen möchten: In digitalen Märkten zählt vor allem die Nähe zum Kunden, die rasche Bereitstellung von Mehrwert. Die dafür nützlichen digitalen Technologien, z.B. im Vertrieb, im Projektmanagement oder in der Prozessintegration lassen sich zunehmend einfacher anwenden und bedarfsgerecht anmieten ohne sie unbedingt selbst entwickeln zu müssen. Diese Flexibilität hilft entscheidend, einen neu entdeckten Kundenwunsch schnell in innovative, branchenübergreifend wirksame Lösungen umzusetzen und auf Knopfdruck weltweit skalierbare Wertströme zu etablieren.

Unternehmen wie Amazon haben das verstanden. Sie stellen sich ganz grundsätzlich für die branchenübergreifende Zusammenarbeit all ihrer Unternehmensteile auf: Mit flexibel skalierbaren Wertströmen, Strukturen und einem fest in die Unternehmens-DNA eingebrannten Streben nach ständiger Verbesserung des Mehrwerts für den Kunden. Bei manchen Angeboten gehen Flexibilität und Innovationsfreude sogar so weit, dass Produkte scheinbar um denselben Kunden konkurrieren, z.B. eBooks und Print-Bücher. Tatsächlich jedoch hat Amazon durch die Forcierung des eBook-Geschäfts Flanken besetzt, über die sonst andere Firmen Amazons Kunden hätten abwerben können.

Unternehmen wie Amazon sind dabei so breit aufgestellt, dass sie grundsätzlich in fast jedem Markt aktiv werden können. Falls solche Akteure in Ihrem Markt (noch) nicht unterwegs sind, dann möglicherweise weil andere Märkte leichter zugänglich sind oder derzeit mehr Profit versprechen. Nutzen Sie die Zeit, um Ihr Unternehmen für branchenübergreifende Zusammenarbeit, Partnerschaften und Kundennähe aufzustellen. Wie das gehen kann, erfahren Sie im zweiten Teil dieser Serie.

Jörg Schreiner ist Mitgründer der Strategieberatung co-shift GmbH in Stuttgart, die Unternehmen und Führungskräfte auf hochvernetzte, dynamische Märkte vorbereitet. Sein kürzlich erschienenes Buch “FUTURE LEGENDS – Business in Hyper-Dynamic Markets” wurde vom angesehenen Global Peter Drucker Forum sofort in der Kategorie “Thought Leadership” empfohlen.

 

Kommunikation in der Virtualität

So ganz schnell von der Zunge gehen die Begriff noch nicht: Virtual Reality, Augmented Reality oder auch Mixed Reality gehören zu den aufregendsten und gleichzeitig bedeutendsten Techniken der letzten Jahre. Die Technologien sind zwar im weitesten Sinne verwandt, jedoch selbstständig und auch als solche zu betrachten. Gerade, was ihren Nutzen und ihre Einsatzmöglichkeiten betrifft.

Bei der Virtual Reality kreieren verschiedene Devices – vor allem Brillen – eine interaktive 3D-Abbildung, die sich dem Nutzer jederzeit anpasst. Das Besondere dabei ist die gänzliche Abschottung, die sogenannte Immersion, von der Außenwelt. Bei der Augmented Reality hingegen werden virtuelle Objekte in die physikalische Welt des Users projiziert und verschmelzen miteinander. Die reale Welt wird um diese Teile erweitert bzw. „augmentiert“. Die Mixed Reality wiederum ist ein Überbegriff von VR und AR. Er wird jedoch auch häufig verwendet, um zu beschreiben, dass anders als bei AR die realen und die virtuellen Elemente direkt und in Echtzeit miteinander korrespondieren. Das ist vor allem für die Kommunikation untereinander ein spannendes Tool.

Mixed Reality als großer Wurf in der Kommunikation

Es gibt bereits Plattformen, in denen sich Avatare treffen und im virtuellen Raum miteinander kommunizieren, also eine Interaktion zwischen der realen und der digitalen Welt und umgekehrt. Dank zunehmend leistungsfähigerer Technik werden die virtuellen Abbilder realistischer und die Kommunikationsmöglichkeiten in 3D und Echtzeit immer größer. Das erlaubt sogar echte Meetings und Projektbesprechungen mit Teilnehmern an ganz unterschiedlichen Orten. Das Besondere dabei ist die Arbeit an einem gemeinsamen Objekt. Die Gesprächspartner nehmen die Dinge vor sich stets in Relation zum eigenen Körper wahr. Das macht die Projektionen unvergleichlich glaubwürdig und die Kommunikation bekommt eine ganz andere Qualität.

Die HoloLens von Microsoft ist hier ein Vorzeigemodell für die Interaktion im virtuellen Raum. Der Bildschirm ist direkt in der Brille verbaut und sein Inhalt wird in den freien Raum projiziert. Das können Computerfenster sein, die sich antippen, zoomen bearbeiten oder frei verschieben lassen; aber auch Personen sind an Ort und Stelle holografisch darstellbar. Zwar ist die Bildqualität noch nicht so perfekt, wie wir es von zweidimensionalen Darstellungen gewohnt sind, doch auch hier ist die Technik kontinuierlich in der Weiterentwicklung. Und HoloLens hat das Potenzial, AR massentauglich zu machen.

Ohne Content geht’s nicht

Bei all der Realitätsnähe könnte man nun vermuten, dass Inhalte über VR/AR per se besser beim Adressaten ankommen als zum Beispiel ein normaler TV-Spot. Doch Storytelling braucht es auch in diesem Bereich, denn Medienwirkung allein ist selbst bei anschaulichen Dokumentationen beispielsweise eines immersiven Journalismus nicht automatisch gegeben. Sollen Zielgruppen für sich gewonnen werden, dann muss – wie bei jedem anderen Medium auch – die Geschichte stimmen und die Inhalte für sich emotionalisieren. Content is King! Der Transportweg ist lediglich ein anderer und sicher in mancherlei Hinsicht auch barrierefreier, weil mögliche störende Außeneinflüsse, die ablenken könnten, ausgeblendet werden.

„Erleben statt Sehen“ im Oktober

Wie genau das alles funktioniert, welche Einsatzmöglichkeiten VR/AR/MR bieten und wie die Technik uns in unserem Alltag begegnet und beeinflusst – das wollen wir bei unserer Kundenveranstaltung im Oktober näher beleuchten.

Innovationsbooster Corporate Startup: Mit Startup-Geist zum digitalen Unternehmen

Die Digitalisierung beeinflusst nicht nur unseren Alltag, sondern auch die Arbeitswelt. Gerade für Unternehmen bieten neue digitale Technologien ein großes Potenzial, das in Deutschland allerdings noch kaum genutzt wird. Es besteht dringender Handlungsbedarf, um den Wandel nicht völlig zu verschlafen. Denn mit der Digitalisierung steht Unternehmen nicht nur eine veränderte Arbeitsweise ins Haus, sondern auch eine deutliche Veränderung der bisherigen Marktstrukturen. In Zukunft zählen weniger Produkte und deren technischen Fähigkeiten, sondern Geschäftsmodelle, die sich an den Kundenbedürfnissen orientieren. Doch wie können Unternehmen hier punkten und neue Wege gehen?

Tanker vs. Speedboat

Geschäftsmodelle neu zu denken – das gelingt Startups in der Regel tatsächlich viel besser. Durch kreative – oftmals auch unkonventionelle – Ansätze und ihren unverbrauchten Blick auf die (Wirtschafts-)Welt haben sie meist ein besonderes Feingefühl, um frühzeitig Zukunftsmärkte zu erkennen und innovative Lösungen als Antwort zu liefern. Flache Hierarchien und schlanke Abläufe erlauben eine agile Handlungsweise. Das möchten sich auch immer mehr große Unternehmen zu Eigen machen. Um ihre eigene Schwerfälligkeit zu überwinden und starre Strukturen aufzulockern, lagern einige Unternehmen ihre Mitarbeiter samt kreativen Ideen aus und gründen interne, sogenannten „Corporate Startups“ – wie beispielsweise unser Kunde pakadoo eines ist. Der Dienstleister für die berühmt-berüchtigte „letzte Meile“ in der Logistik gehört zum Konzern LGI.

Existenzgründer im eigenen Unternehmen

Die Idee zu pakadoo entstand bereits 2014 und wurde ein Jahr später in die Tat umgesetzt. Um dem neuen Geschäftsmodell direkt zu Beginn die bestmöglichen Voraussetzungen zu bieten, wurde pakadoo gleich nach der Gründung aus dem Mutterkonzern LGI, einem der größten Kontraktlogistiker Deutschlands, ausgegliedert. Mit dem Umzug auf eine eigene Etage innerhalb des Firmengebäudes wurde die konsequente operative Trennung auch nach innen und außen sichtbar. Das erlaubte den Neugründern sich eigenständig auszurichten, Budgets flexibel zu handhaben und viele Ideen auszutesten. Ein entscheidender Punkt, der zum Erfolg des Vorhabens beiträgt.

Das richtige Maß Nähe und Abstand

Gleichzeitig bringt die Nähe zum Konzern entscheidende Vorteile mit sich. So können Corporate Startups unter anderem bei administrativen Themen auf bestehende Funktionen des Mutterkonzerns setzen. Vor allen Dingen ist das Unternehmen im Hintergrund aber in finanzieller Hinsicht eine große Stütze und bietet gleich von Beginn an eine Grundsicherheit, die externen Startups fehlt. Ohne diesen Existenzdruck im Nacken, können sich die internen Neugründer voll und ganz auf ihre Geschäftsidee konzentrieren. Außerdem bietet der Mutterkonzern neben wertvollem Wissen und Erfahrung auch ein Netzwerk an Geschäftskontakten und Kunden.

Feel the breeze…

Unternehmensinterne Startups können hingegen viel frischen Wind ins Unternehmen bringen. Diese Hoffnung besteht nicht zu unrecht: Denn die „jungen Wilden“ umgibt in der Regel ein frischer, kreativer Spirit und sie sprudeln nur so vor Ideen. Da sie aus der Unternehmensstruktur herausgelöst sind und unabhängig(er) agieren können, sind sie außerdem experimentierfreudiger, was neue digitale Tools angeht. Kurze Entscheidungswege, gepaart mit Neugier und Tatendrang, tun ihr Übriges. Es sind aber nicht nur neuartige Tools, die frischen Schwung in das Alltagsgeschäft bringen. Die Jungunternehmer bieten auch bei der Arbeitsweise viele neue Ansätze, die eigene, möglicherweise festgefahrene aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und zu überdenken.

Statt gegen- lieber miteinander

Es ist nicht neu, dass Jungunternehmer die Wirtschaftswelt ordentlich aufwirbeln. Mit ihren innovativen Ideen und ungebremsten Tatendrang sind sie durchaus ernstzunehmende Konkurrenten für die Alteingesessenen. Und in der Lage, ihnen früher oder später auch große Marktanteile streitig zu machen. Vor allen Dingen ihre Experimentierfreudigkeit und viel beschworene Flexibilität sind es, mit der Startups gerade bei der Digitalisierung auftrumpfen. Es muss aber nicht zwingend ein Gegeneinander – ein Old gegen New Economy – sein. Der allgegenwärtige Startup-Kult ist vielmehr der längst überfällige Weckruf. Etablierte Unternehmen sollten ihn als Chance sehen, um die digitale Transformation voran zu treiben.