NYC TrendSnack No. 2: Peter von Klueger trifft NeueHouse-Mitbegründer James O’Reilly

Mitgründer von NeueHouse James O’Reilly gibt mir im angesagten Zuhause der GenY Einblicke in das Konzept und erzählt von den Anfängen. Unsere Wege kreuzten sich 2010, als ich meine Meetings oft im Boutique Hotel ACE abhielt, das eine alternative Wohn- und Arbeitsform für Kreative bietet. Früher berüchtigt für gefährliche Schwarzmarktgeschäfte in heruntergewirtschafteten Artdeco-Gebäuden, mauserte sich das Viertel zu einer der heißesten Gegenden in NYC. Hier machte James seine ersten Schritte als Veranstaltungsleiter des Hotels. ACE ist für den kreativen Reisenden eine Institution und kommt direkt aus der Seattle Grunge Kultur. Vom einfachen Etagenbett bis zum luxuriösen Penthouse Loft gibt es dort alles, und in der riesigen Eingangshalle wird an etlichen Schreibtischen und in Sofaecken den ganzen Tag fleißig in Laptops gehackt. Es riecht nach Stumptown Coffee, DJs spielen ihre Playlists – ein attraktives Umfeld für attraktive Leute.  Das machte das ACE zu einem Vorreiter von offenen Arbeitsplätzen für die Digital Nomads. Die Gegend, in der sich das ACE befindet, wurde schließlich “NOMAD” genannt, für „NOrth of MADison Square Park”, ein Zufall?!

Vom Trend zur Geschäftsidee: Coworking im NeueHouse
James’ Team transferierte die ACE-Erkenntnisse in eine starke Geschäftsidee: ein neues Arbeitsumfeld für den besser bemittelten und mit ersten Erfolgen gesegneten Digital Nomad zu schaffen. Ein reizvolles Veranstaltungsprogramm soll die Zusammenarbeit fördern und eine Gemeinschaft  aufbauen helfen, die mit mindestens fünf Jahren Mitgliedschaft beständiger dabei ist. Das siedelt das NeueHouse genau zwischen Kurzzeitmietern von Startup-Unternehmen und exklusiven Social-Club-Mitgliedschaften an. Im Herzen von Manhattan, auf der Park Avenue West, verwandelte Stararchitekt David Rockwell 6.000 Quadratmeter eines klassischen Industriegebäudes im Gründerstil zu einem stimulierenden, eindrucksvollen Treffpunkt und Arbeitsplatz für die etwa 1.000 Mitglieder.

Jede Branche soll nur mit einem Anteil von 15 Prozent vertreten sein. James fasst es so zusammen: „Diversity creates Ideation”. Die Mitgliedervielfalt reicht vom aufsteigenden Hip-Hop-Producer, Creative Director, Modedesigner und Öko-Hundefutteranbieter bis zum BitCoin-Produzenten. Fern von Blitzlichtern produzieren hier Schauspieler wie Meg Ryan oder X-files Schauspieler David Duchovny ihre Filme oder stellen ihre neuen Bücher vor. Wer allerdings von Berühmtheiten wie Werner Herzog, Paul Smith oder Verpackungskünstler Christo lernen möchte, muss einen anspruchsvollen Aufnahmeprozess bestehen. Trotzdem ist die Warteliste lang.

Events, Speed Dating und täglich eine Happy Hour
Im Interview wird geprüft, ob hinter einer interessanten Geschäftsidee mehr als nur ein talentierter Kopf steckt. Damit der kreative Prozess nicht nur einer finanziellen Elite vorbehalten bleibt, bietet das NeueHouse Mitgliedschaften für unterschiedliche Geldbeutel. Virtuelle Jobboards, ein kostenloser Kindergarten oder ein voll ausgestattetes Film- und Tonstudio gehören zum Mitgliederservice. Die täglichen “Mixologist” Cocktail Happy Hours sind ebenfalls gut besucht. Geboten wird eine Kultur, die inspiriert und zur Zusammenarbeit anregt. Ein Beispiel dafür ist auch das Speed Dating, in dem Mitglieder in drei Minuten ihre Geschäftsidee überzeugend beschreiben müssen.

Vom Anwalt bis zum vertikalen Farmer – es passt nicht immer
Das Konzept der verschiedensten Formen von Kooperation funktioniert im Großen und Ganzen gut. Da ist beispielsweise der auf Einwanderung spezialisierte Anwalt, der über 45 Prozent der zugereisten Mitglieder vertritt. Oder das kreative Markenstudio, das neue Produkte wie vertikales Farming betreut. Aber kein Umfeld ist perfekt. In diesem offenen Arbeitsumfeld ist es zum Beispiel nicht einfach, Geheimhaltung zu wahren. So geben die Laptop-Bildschirme schnell ungewollte Einblicke. Für vertrauliche Gespräche muss man sich eigens einen Konferenzraum mieten. Und wie geht man sich aus dem Weg, wenn man herausfindet, dass der Schreibtischnachbar ein Wettbewerber ist, oder eine anfänglich enthusiastische Zusammenarbeit nach der Hälfte des Projekts falsch läuft? Da braucht es im hippen Umfeld dann eine ganz traditionelle Lösung: Die streitenden Parteien werden gebeten, in unterschiedliche Etagen zu ziehen und verschiedene Fahrstühle zu benutzen. Tatsächlich besteht bei den meisten Kollaborationen jedoch eine gesunde Ehrlichkeit. Denn beim Teilen von gemeinsamem Arbeitsraum lernt man sich rasch ziemlich gut kennen – und Blender werden schnell entlarvt.

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Über den Verfasser

Peter von Klueger lebt seit 15 Jahren als Kreativschaffender in New York. Er ist Mitbegründer von The NeueHouse, einer angesagten Co-Working-Institution mit Mitgliedern aus Film, Mode, Design, Architektur, Branding und Kunst. Der Creative Director mit Masterdegree in Multimedia und Film der School of Visual Arts in New York gilt als Multimedia-Visionär. Er ist Designer, konzipiert Brand Identity-Konzepte , fotografiert und entwirft Werbekampagnen für Lifestyle-Produkte und bekannte Mode- und Kosmetikmarken.

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