Kennen Sie Lalamove? Sollten Sie kennen.

Dass das Problem der Logistik vor allem die „letzte Meile“ ist, weiß ich nicht zuletzt durch die Arbeit für unseren Kunden pakadoo. Während Pakete von Stadt zu Stadt relativ einfach und preisgünstig befördert werden, ist die Auslieferung hin zum Empfänger aufwändig, kompliziert (wenn der Empfänger nicht da ist, zum Beispiel) und teuer.

Letzte Woche war ich auf dem PRN Digital Forum in Hongkong, das unsere dortige Partneragentur organisiert hatte. Es ging hier um die digitale Transformation in ganz unterschiedlichen Geschäftsbereichen, was zu sehr anregenden Diskussionen geführt hat. Besonders beeindruckt hat mich dabei der Vortrag von Blake Larson, MD International von Lalamove.

Lalamove – bis dato noch nie gehört. Das Unternehmen, das 2014 in Hongkong an den Start ging, beschäftigt sich mit Innenstadtlogistik, und zwar in Südostasien und China. Und weil in dieser Region sowieso alles in anderen Dimensionen gerechnet wird: Das Unternehmen beschäftigt mehr als zwei Millionen Fahrer. Zum Vergleich: UPS hat weltweit 435.000 Mitarbeiter, DHL 340.000. Der große Unterschied ist, dass UPS und DHL ihre Mitarbeiter angestellt haben und ihnen Fahrzeuge bereitstellen; Lalamove hingegen hat lediglich ein cooles Geschäftsmodell entwickelt und dieses in eine App gepackt.

Lalamove funktioniert nämlich nach dem UBER-Prinzip. Wer als Fahrer tätig werden will, registriert sich online. Fortan bekommt er auf seinem Smartphone mögliche Fahrten angezeigt, die er annehmen kann. Die Abholstellen befinden sich jeweils in der Nähe seines aktuellen Standorts. Bei jedem möglichen Auftrag sind die Transportkosten und der für den Fahrer verbleibende Gewinn angegeben. Den Warentransport erledigt der Fahrer z. B. auf dem Weg ins Büro, oder eben als Vollzeit-Kurierfahrer.

Durchschnittliche Zustellzeit: 46 Minuten

Aktuell gibt es den Dienst in Taipei, Hongkong, Bangkok, Singapur, Ho-Chi-Minh-Stadt, Manila und in mehr als 100 Städten in China. Je nach Verkehrssituation verspricht Lalamove, dass die Sendung binnen 50 bis 60 Minuten zugestellt wird. Zu den Kunden gehören Pizzadienste, Burger King, IKEA, Shoppingmalls, Fabriken, aber auch DHL und UPS, die sich von Lalamove auf der letzten Meile unterstützen lassen – zum großen Teil also Geschäftskunden. In Bangkok sind es vor allem Speisen und Getränke, die mit dem Motorrad ausgeliefert werden; in Hongkong transportieren die Fahrer meistens Baumaterial mit Kleintransportern, und in Singapur werden insbesondere per Lastwagen Produkte zugestellt, die die Empfänger vorab im Onlineshop bestellt haben. Rund 30 Millionen Sendungen waren es im letzten Jahr; für 2018 gilt: „Lalamove continues to expand rapidly across China and Southeast Asia”.

MD Blake Larson beim PRN Digital Forum in Hongkong.

Und warum spricht Blake Larson auf einer Digitalkonferenz? Weil sein Unternehmen im Wesentlichen aus einer IT-Lösung besteht, die auf der einen Seite Aufträge entgegennimmt und auf der anderen Seite passende Fahrer sucht und das Ganze am Ende abrechnet. Alle Prozesse basieren dabei auf einem ausgeklügelten Trackingsystem, das alle relevanten Daten über den Kunden, das Fahrzeug und die Route, aber auch über Nutzungsverhalten und über die Wirkung von Marketingmaßnahmen miteinander verknüpft. Am Beispiel von Manila zeigte Blake Larson auf, wie er sich in der Vorweihnachtszeit auf die zu erwarteten Steigerung der Fahrten um das Drei- bis Fünffache einstellen konnte. Durch Prognosemodelle, visualisiert in „Heatmaps“, konnte er recht genau voraussagen, wann er wo wie viele Fahrer benötigt. Dementsprechend aktivierte er Fahrer und incentivierte sie, damit er das Ziel der Zustellung innerhalb einer Stunde auch in diesen Stoßzeiten zusichern konnte.

Eigentlich ist es naheliegend, die Geschäftsidee von UBER auf Pakete und Pizzen zu übertragen. Auch hier profitiert ein Unternehmen davon, dass es Transportdienstleistungen offeriert, ohne einen eigenen Fuhrpark vorhalten zu müssen. (Man kennt diesen Ansatz ja auch von AirBnB.) Die Investoren glauben an  Lalamove und versorgten das Unternehmen im Oktober 2017 mit weiteren 100 Millionen US-Dollar. Beeindruckend finde ich vor allem, welch atemberaubende Dynamik so ein Dienst gerade in Asien entwickeln kann und innerhalb von wenigen Jahren so groß wird. Während wir in Deutschland und Europa erste Erfahrungen in Smart-Logistik-Pilotprojekten sammeln, bedient Lalamove bereits mehr als 15 Millionen Kunden. Auch bei der letzten Meile können wir offenbar von China lernen. Oder genauer gesagt: von Hongkong.

Über den Verfasser

Veit Mathauer ist einer der beiden Geschäftsführer von Sympra. Wirtschaftswissenschaftler, Journalist, PR-Mensch, Boardmitglied im internationalen Public Relations Network (PRN) und Blogger. Ansonsten auch in den einschlägigen sozialen Netzwerken zu finden.

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