Herausforderung Generationswandel – wo bleibt die Medizin?

mr055789Gestern habe ich an der Veranstaltung „Leading Generation Y – Werte und Kulturwandel in der Führung“ teilgenommen. Die Hedele Stiftung hatte in Zusammenarbeit mit der Initiative Zukunftsfähige Führung nach Salach geladen. Ich selbst bin Angehöriger der Generation X oder Golf und insofern nicht mehr dem Personenkreis der Impulsgeber angehörig. Doch ich bin davon überzeugt, dass nicht nur Arbeitnehmer sich immer wieder wandeln müssen, sondern auch Arbeitgeber. Insofern eine gute Gelegenheit für mich zu erfahren, wie die Zukunft der Management-Unternehmenskultur denn nun aussehen soll.

Studenten der Hochschule der Medien aus Stuttgart stellten eine Case Study vor, die sich in vielen Punkten nur unwesentlich von repräsentativen Studien großer Beratungsunternehmen und Institute wie PwC oder Signum International unterschied. Die Ergebnisse haben mich daher nicht geschockt: Management von gestern, Arbeitnehmer von morgen, Veränderungswille niedrig – Patient krank. Selbstbestimmung, Spaß, überdurchschnittliches Gehalt, Sinn, Work-Life-Balance und gutes Image sind die bestimmenden Werte für die Arbeitswelt junger Menschen: nicht unbedingt deckungsgleich mit den Unternehmenswerten deutscher Arbeitgeber.

Hohe Erwartungen hatte ich an den Vortrag von Dr. Steffi Burkhart. Die Sportwissenschaftlerin und Dozentin an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln zählt sicherlich zu den Top-Influencern der Generation Y. Lebendig schlug sie den Gästen die Argumente um die Ohren. Bis 2020 wird die Hälfte der Arbeitnehmer aus Millennials bestehen. Fünf Jahre später werden es sogar 75 Prozent sein. Schwierig, wenn aktuell in Unternehmen gut und gern vier bis fünf unterschiedliche Generationen miteinander arbeiten sollen. Nachkriegsgeneration, Baby-Boomer, Generationen X, Y und sogar teilweise schon Z. Die Konsequenzen daraus sind vielfältig. Arbeitgeber müssten sich auf Zick-Zack-Lebensläufe einstellen, die aus der neuen „Multioptionalität“ entstünden. So prognostiziert Burkhart, dass 40 Prozent der Digitale Natives in einem Angestelltenverhältnis, 40 Prozent als Job-Hopper und 20 Prozent als Selbstständige arbeiten werden. Lebensläufe die alle drei dieser Teile beinhalteten seien daher immer öfter zu erwarten, sodass sich nicht nur im Management, sondern auch auf Recruitingebene Veränderungen ergeben müssten.

Ein paar Instrumente nannte Burkhart, um sich auf die neuen Gepflogenheiten der Ysiloner einzustellen: Wandel von Recruiting zu Procuiting, in dem sich das Unternehmen um den Mitarbeiter bemüht und mit Social Influencern, Online-Auftritten und ähnlichem ein Bild von sich zeichnet – Employer Branding 2.0, wenn man so will. Einführung eines „zweiten Betriebssystems“ in dem neben klassischer Hierarchie ein Netzwerk mit Change Agents steht und anstelle eines vertikalen Karrieremodells der Wandel zu einem Karrieregitter, das völlig neue Tätigkeitsfelder bietet . Management müsse neu definiert werden, unterteilt in Organisation von Abläufen sowie Aufgaben und Leadership. Letzteres soll sich um den Mitarbeiter, die Visionen und damit Ideenentwicklung und Führung kümmern. Gute Ansätze.

Doch was tun mit all der Erkenntnis? In mir als Consultant, der regelmäßig andere Unternehmen in Sachen Kommunikationsstrategie berät, und als Angestellter mit Führungserfahrung blieb eine gewisse Unzufriedenheit zurück. Und es hatte den Anschein, dass es auch anderen so erging. Was nutzt es, wenn ich zum Arzt gehe und erfahre, dass ich krank bin, die Therapie jedoch fehlt? Und wäre es nicht sogar besser zu wissen, wie ich zukünftig erst gar nicht mehr krank würde? Im Raum blieb nur die drastischste Methode: Alle Manager, die nicht führen, kommunizieren und Mitarbeiter zu Visionen motivieren: kündigen! Das ist nicht sehr realistisch. Die Frage, welche Schritte ich unternehmen kann, um Zweifler, Blockierer oder sogar Ewig-Gestrige zu überzeugen und mitzunehmen, blieb offen. Insofern hätte ich mir neben dem Krankheitsbild zumindest auch ein paar weichere Therapieansätze gewünscht.

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Über den Verfasser

Tim S. Schmidt ist seit über zehn Jahren im Bereich Kommunikation tätig, darunter als Redakteur für Printmedien und Privatfunk, Online und Social Media, Pressesprecher und PR-Berater. Bei Sympra ist er seit August als Senior Consultant in den Bereichen IT und Automotive eingesetzt.

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