Grenzenlose Innovation und Zusammenarbeit

Im letzten Beitrag der dreiteiligen Blog-Serie von co-shift Mitgründer Jörg Schreiner geht es um den Mut zur Digitalisierung. Er zeigt an einem Praxisbeispiel, wie erfolgreich auch in klassischen Branchen digitale Werkzeuge eingesetzt werden können.

Die Digitalisierung erfasst immer mehr Branchen, stellt Kunden völlig neue Lösungen bereit und bereitet jahrzehntelang erfolgreichen Unternehmen Kopfzerbrechen. Sie erzeugt dauerhaft eine Marktdynamik ganz neuer Art, wie in Teil 1 und Teil 2 dieser Artikelserie erläutert: Digitalisierung löst die Grenzen zwischen Branchen zunehmend auf. Und der verschärfte Wettbewerb verkürzt die Lebenszyklen aller Produkte und Dienstleistungen. Beides zusammen zwingt Unternehmen zu beschleunigter und dauerhafter Innovation, wenn sie ihre  Kunden behalten und neue gewinnen wollen.

Und diese Kunden werden anspruchsvoller. Sie erwarten klaren Mehrwert und die Lösung von Problemen – und zwar in einer Geschwindigkeit und Qualität, die sie von den besten Anbietern in anderen Branchen gewohnt sind. Exzellenz in einer bestimmten Branche ist kein Verkaufsargument, wenn Kunden aus anderen Branchen bessere Leistungen gewohnt sind. Sie erwarten einfach mehr. Mehr interdisziplinäre Kompetenz, tiefere Integration von Produkten in ihre Wertschöpfungsketten, besseren Service, höhere Geschwindigkeit.

Oftmals mehr, als ein einzelnes Unternehmen leisten kann. Wenn ein neuartiges Kundenproblem mit Bordmitteln nicht lösbar erscheint, neigen viele immer noch zum Aussitzen. Statt ihr Unternehmen für neuartige Chancen zu öffnen, spezialisieren sie sich lieber noch tiefer in ihrer Branche. Statt nach Partnern mit komplementären Fähigkeiten zu suchen und sich bietende Geschäftschancen gemeinsam anzugehen, verteidigen sie lieber ihre angestammte Position und Klienten vor fremdem Zugriff. Statt durch Bündelung interdisziplinärer Kompetenzen ganz neuartige, für Kunden leichter einsetzbare Lösungen zu finden, begnügen sie sich lieber mit der kleinteiligen Verbesserung ihrer bestehenden Produkte.

Die großen Chancen für Kooperationen bleiben so weitgehend ungenutzt. Gerade hier eröffnet sich durch Digitalisierung jedoch ein großes, fruchtbares Feld. Im privaten Bereich kennen und nutzen wir bereits alle das große und wachsende Angebot digitaler Helfer. Ähnliche digitale Werkzeuge entstehen auch für Unternehmen. Sie können und werden von immer mehr Firmen sehr erfolgreich zur Vereinfachung von Zusammenarbeit und zur Innovation über Unternehmensgrenzen hinweg eingesetzt.

An dieser Stelle sind ausnahmsweise einmal nicht die USA Vorreiter, sondern asiatische Länder. Beispielhaft dafür ist Haier. Der aus einer deutschen Kooperation heraus entstandene chinesische Konzern entwickelte sich innerhalb von 30 Jahren von einem akut pleitebedrohten, regionalen Kühlschrankhersteller zum unangefochtenen Marktführer für Hausgeräte im asiatischen Raum, der für seine kundennah entwickelten Produkte weltweit Innovationspreise erhält und für seine außergewöhnlich unternehmerische Kultur bewundert wird. Kernelement des Erfolgs sind kunden- und marktnahe Teams, die weitgehend selbstständig agieren. Unterstützt werden sie dabei von einem Netzwerk an Dienstleistern, die ihnen verschiedenste Fähigkeiten bereitstellen – von der Forschung, Entwicklung und Fertigung bis zu Finanzierung, Marketing und Vertrieb. Sowohl intern als auch extern akquirierte Dienstleistungen sind von diesen Teams über digitale Werkzeuge innerhalb kürzester Zeit hocheffizient und flexibel buchbar.

Das Beispiel von Haier zeigt, wie Prinzipien des Zusammenwirkens aus der digitalen Welt auch im industriellen Bereich umsetzbar sind. Haier erzielte 2016 ein Umsatzplus von 13%, bei einem Gewinnsprung um 30%. Diesen Zahlen ist nichts hinzuzufügen.

 

Jörg Schreiner ist Mitgründer der Strategieberatung co-shift GmbH in Stuttgart, die Unternehmen und Führungskräfte auf hochvernetzte, dynamische Märkte vorbereitet. Sein kürzlich erschienenes Buch „FUTURE LEGENDS – Business in Hyper-Dynamic Markets“ wurde vom angesehenen Global Peter Drucker Forum sofort in der Kategorie „Thought Leadership“ empfohlen.

 

Über den Verfasser

Jörg Schreiner, Managing Partner bei co-shift, ist Experte in Softwareentwicklung, Organisationsdesign, Agilität, Prozessdesign, Qualitäts- und Projektmanagement. www.co-shift.com

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