Land der kreativen Netzarbeiter

create5 @ NL
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Die Niederlande. Das ist für viele: Königin Maxima, die traditionellen Tässchen Kaffee (kopjes koffie) zu jeder Tages- und Nachtzeit, Fahrräder. Ja, auch Holzschuhe, Tulpen und der berühmte Käse. Mancher weiß noch, dass die Niederländer keine Schwerindustrie haben und im wirtschaftlichen Bereich vor allem als Dienstleister gelten. Und dass neben dem Weltkonzern Philips die Landwirtschaft ein big player ist. Wer aber weiß, dass in den Niederlanden viele clevere Köpfe unterschiedlicher Herkunft leben, die zum Beispiel im Hightech-Campus in Eindhoven arbeiten und von dort aus die erstaunlichsten technischen Neuentwicklungen für den IT-, Automobil-, Maschinenbau-, Gesundheits-, Erneuerbare Energien- und Umweltbereich produzieren? Und zwar für und in Kooperation mit zahlreichen namhaften Unternehmen in Deutschland. Und in enger Zusammenarbeit mit den verschiedenen Universitäten deutschlandweit.

Möglich macht das die wohltuende Unbeschwertheit und die kreative Begeisterung, mit der sich die Niederländer an die Lösung von Herausforderungen und Aufgaben machen. Auch in (wirtschaftlich) schwierigen Situationen. Diesen Eindruck bekommt man jedenfalls, egal mit wem man sich dort unterhält, seien es Redakteure, Unternehmer oder Start-up-Gründer. Dabei ist sicher auch hilfreich, dass – laut den Niederländern – die Bürokratie nicht so restriktiv ist wie in Deutschland. Auch die unglaubliche Flexibilität der Niederländer spielt eine große Rolle. Und dass sie offenbar keine Scheu vor dem Betreten für sie fachfremder Terrains haben.

Auf den Spuren der PR

Leider ist das vielen Deutschen wenig bekannt. Vor allem denen im Süden der Bundesrepublik nicht. Liegt das daran, dass der Abstand zu groß ist? Oder funktioniert die Kommunikation in dem Benelux-Staat anders? Und wenn ja, wie?! Dieser Frage wollte ich auf den Grund gehen. Und eine Unternehmerreise dorthin – von der Exportakademie der IHK Stuttgart initiiert, von der Deutsch-Niederländischen Handelskammer in Den Haag mit unglaublichem Engagement bestens organisiert – bot eine hervorragende Gelegenheit dazu. Also machte ich mich Anfang Oktober im Zuge von create5 auf in Richtung Schiphol Amsterdam. Nijmegen, Utrecht, Eindhoven, Deventer, Den Haag: Vier Tage lang sprach ich mit Herausgebern und Verantwortlichen verschiedener Fachpublikationen, lernte die Arbeit unterschiedlichster Start-ups und Research Labs kennen, die auf dem Hightech-Campus in Eindhoven zuhause sind, und konnte hinter die Kulissen eines weltweit operierenden Auftragsherstellers für Elektronikprodukte schauen. Alles ausgesprochen spannend.

Direkt und ohne Umschweife

Auch mit Vertretern der PR-Branche habe ich mich über das Thema Kommunikation in, für und um Unternehmen herum ausgetauscht. Das Resultat: Im Bereich Presse- und Öffentlichkeit funktioniert sehr vieles wie bei uns, allerdings sind die Niederländer uns in der Nutzung digitaler Medien ein gutes Stück voraus. Der entscheidende Unterschied ist aber: Niederländer sind die geborenen Networker. Offen für jede neue Begegnung. Und – anders als hierzulande – ungeniert die Frage stellend: „Was habe ich davon, dir meine Zeit zur Verfügung zu stellen?!“ Als diese Frage in einem der ersten Gespräche zum ersten Mal gestellt wurde, war das zugegebenermaßen etwas gewöhnungsbedürftig. Doch tatsächlich ist dieses direkte Ansprechen eines konkreten Benefits klasse, denn auf diese Weise kommen relativ schnell handfeste Projekte zustande. In diesem konkreten Fall stehen die Chancen übrigens gut, dass besagter Gesprächspartner Unterstützung für ein Event erhält, das er fürs Frühjahr 2017 plant.

Das „Nebenprodukt“ eines solch direkten Networkings ist eine sehr direkte Kommunikation. Denn von Mund zu Mund wird das Wissen um und die Information über die Fähigkeiten und Angebote des jeweiligen Gesprächspartners weitergetragen. Aus erster Hand, belastbar und eine erste Einschätzung etwa hinsichtlich Kompetenz und Qualität inklusive. Ein Anwenderbericht mit Zitaten von Testimonials könnte nicht effektiver sein. Wer braucht da noch einen kommunikativen Überbau?!

Über den Verfasser

Martina Hönekopp ist Senior Consultant bei Sympra und betreut u. a. Themen aus Wissenschaft, Automotive und Anlagenbau. Ende der 1990er-Jahre begann sie ihre berufliche Karriere bei Sympra, wechselte nach sechs Jahren auf Redaktionsseite (Staatsanzeiger, Schwäbischen Tagblatt). Seit 2012 wieder bei Sympra.

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