Boomtown Wien

Am Wochenende war ich mit dem Arbeitskreis Baufachpresse in Wien. Hier war ich schon ein paar Mal, kenne den Stephansdom, die Hofburg, Museen, Kaffeehäuser. Unsere Partneragentur hat hier ihren Sitz; wir arbeiten eng zusammen. Wien ist groß, hat knapp 1,8 Millionen Einwohner. Was ich nicht auf dem Radar hatte ist die Dynamik dieser Stadt. Das Bevölkerungswachstum ist gewaltig: 25.000 Menschen ziehen jedes Jahr in diese Stadt, die in zehn Jahren weit mehr zwei Millionen Einwohner haben wird. Internationale Organisationen, Headquarters von Unternehmensgruppen, Gründer lassen die Wirtschaft der Hauptstadt boomen. Die neuen Wiener kommen von überall her, sehr viele übrigens aus Deutschland.

Städte müssen diese neuen Bewohner aufnehmen können. Wien ist seit mehr als hundert Jahren für seinen städtisch geförderten Wohnungsbau bekannt. Sie Stadt ist der weltgrößte Wohnungsbesitzer und -vermieter, die Mietpreise sind im internationalen Vergleich unglaublich günstig. Gut 60 Prozent aller Wiener leben in einer städtischen oder von der Stadt geförderten Wohnung.

Wir unternehmen eine Exkursion zur Seestadt Aspern, dem zurzeit größten Stadtentwicklungsprojekt Europas. Auf dem 240 qm großen Gelände eines ehemaligen Flughafens im Nordosten Wiens entstehen bis 2028 Wohnungen für mehr als 20.000 Menschen und bis zu 20.000 Arbeitsplätze. Rund fünf Milliarden Euro werden in Neubauten mit einer geplanten Bruttogeschossfläche von mehr als 2,6 Millionen qm investiert. 6.000 Menschen wohnen bereits in den rund 3.000 Wohneinheiten, einige Unternehmen mit 1.500 Arbeitsplätzen haben sich ebenfalls schon angesiedelt. Noch ist das Ganze eine gewaltige Baustelle, mit zig Gebäuden, die in verschiedenen Sektoren rund um den zentralen, künstlichen See angeordnet sind. Das mit 84 Metern höchste Holz-Hochhaus („HoHo Wien“) wird zurzeit hochgezogen. Charakteristisch für den entstehenden Stadtteil sind breite Gehwege, Stationen mit Mietfahrrädern, Cargobikes, die man sich beim zentralen Stadtteilmanagement ausleihen kann – und 0,7 Parkplätze pro Wohneinheit; die Seestädter sollen also möglichst selten ein Auto benutzen, stattdessen ihre Einkäufe in den Läden der Fußgängerzone erledigen und mit der U-Bahn fahren. (Die U-Bahn fährt übrigens schon seit Jahren, auch schon lange, bevor das erste Gebäude fertiggestellt war.) Es gibt keine Gärten, dafür jede Menge öffentlicher Plätze. Nachhaltigkeit und Nachbarschaft sind Teil des Konzepts

Wien ist eine Stadt, früher etwas am Rande gelegen, jetzt in der Mitte Europas, deren Dynamik ich bis dato so nicht kannte. Tatsächlich ist hier eine echte Boomtown entstanden mit Anziehungskraft für Unternehmen aller Art, vor allem aber auch aus Zukunftsbranchen wie Kreativwirtschaft, Biotech und Fintech. Startups fühlen sich hier genauso wohl wie internationale Institutionen. Eine Stadt, die unbedingt einen Besuch lohnt!

Seit einigen Jahren bin ich Mitglied im Arbeitskreis Baufachpresse, dem Berufsverband für alle Baufachpublizisten. Hier finden sich Redakteure, Unternehmensvertreter und auf Bauen spezialisierte Agenturmitarbeiter zusammen, um sich austauschen, sich zu vernetzen – und um im Rahmen der Jahrestagung gemeinsam spektakuläre Baustellen zu besichtigen: mal den Rohbau der Elbphilharmonie, mal den fast fertigen Hauptstadtflughafen BER, mal Stuttgart 21.

Über den Verfasser

Veit Mathauer ist einer der beiden Geschäftsführer von Sympra. Wirtschaftswissenschaftler, Journalist, PR-Mensch, Boardmitglied im internationalen Public Relations Network (PRN) und seit einiger Zeit Blogger. Ansonsten auch in den einschlägigen sozialen Netzwerken zu finden.

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Kommentare zu diesem Post

gerhard schuster

lieber herr mathauer, es hat uns sehr gefreut, dass sie wien und aspern seestadt besucht haben. die besichtigung unseres stadtentwicklungsprojektes mit fachleuten ist immer ein willkommener anlass die qualität des masterplans und seine ausführung in den verschiedensten facetten kritisch zu reflektieren. geschieht dies mit kommunikationsprofis, die ihre eindrücke teilen, ist die wirkung eines erfahrungsberichtes umso gewichtiger. und von besonderer bedeutung ist natürlich für uns alle eine positive beurteilung, die uns in unserem qualitätsstreben bestätigt. herzliche grüsse aus der seestadt gerhard schuster