Bienvenido al Peru

Ein Traineeship bei Sympra startet nicht zwangsläufig in den Stuttgarter Agenturräumen. Bianca ist erst einmal mehr als 10.000 Kilometer weit in die peruanische Hauptstadt Lima gereist. Hier sammelt sie (praktische) Auslandserfahrung und unterstützt in Kooperation mit unserem Kunden Siemens Stiftung Café Compadre bei der Kommunikation. Das war zunächst der Plan! Im Sympra-Blog berichtet sie über ihre Zeit und sagt heute „Kitaytiri“ (Ashaninka für „Guten Tag“) aus dem Land der Kontraste.

Diesen Blog-Beitrag schreibe ich nach wenigen Tagen hier in Peru. Und doch fällt es mir schwer, mich kurz zu fassen, angesichts der vielen Eindrücke und Erlebnisse.

Am Tag meiner Ankunft wurde ich bereits herzlich vom gesamten Team empfangen und direkt in die peruanische Küche eingeführt. Nach der langen Reise schmeckten das Ceviche (roher Fisch in Limettensaft und mein neues Lieblingsessen), der Pisco Sour (peruanisches Nationalgetränk) und die Tamal (Maisbrei mit Fleisch und Gewürzen in Bananenblättern) noch besser. Doch viel Zeit hatte ich nicht, um mich nach meiner Ankunft in Lima zu akklimatisieren, denn direkt in der zweiten Nacht starteten wir unseren Trip nach Satipo – eine Region im Dschungel Perus und das Zuhause von Compadre-Kaffeefarmer Cristobal. (Wer sich an dieser Stelle zunächst nochmal über Café Compadre und Cristobal informieren möchte, dem empfehle ich dieses Video)

„Hit The Road Jack“

Nachts um drei traten Juan Pablo und Felix (zwei Compadres) sowie Varun (ein Volunteer aus Indien) und ich unsere 12-stündige Reise in den Dschungel an. Für die anderen war es nichts Besonderes, aber für mich war es die aufregendste Fahrt meines Lebens. Die Landschaft veränderte sich stetig und ich hatte trotz Jetlags Angst, auch nur für zehn Minuten meine Augen zu schließen und irgendetwas zu verpassen. Zu Beginn fuhren wir durch verlassene Felslandschaften immer höher hinauf, bis wir letztlich bei knapp 5.000 Höhenmetern ankamen. Natürlich platzte uns ausgerechnet dort ein Reifen und wir mussten eine Zwangspause einlegen. Reifenwechseln ist ja grundsätzlich kein Vergnügen, aber unter Sauerstoffmangel macht es noch weniger Spaß. Ungefähr eine Stunde und zehn Verschnaufpausen später ging es dann weiter.

Mit jedem Kilometer wurde die Landschaft grüner, und es ging vorbei an Alpakas, Lamas und Wildpferden. Unser Ziel war der Dschungel, der so atemberaubend schön ist, dass ich mich nur schwer auf die Straße konzentrieren konnte. Tatsächlich, zu diesem Zeitpunkt saß ich am Steuer und manövrierte den riesigen Pick-up auf unbefestigten Straßen durch den Wald, während Juan Pablo und Felix seelenruhig schliefen. Aber als ich dann quer durch einen Fluss fahren musste, waren auch die beiden wieder topfit und feuerten mich lautstark an.

Kaffeebohne ist nicht gleich Kaffeebohne…

Abseits von Off-Road-Fahrten drehte sich in den vergangenen Tagen alles um Kaffee. Wir pflückten, rochen, wuschen, rösteten, brühten, probierten und bewerteten eine Kaffeesorte nach der anderen. Jeden Tag besuchten wir mehrere Kaffeefarmen und jede hatte ihre Besonderheiten. Jeremy, der ebenfalls über das „empowering people. Network“ nach Peru kam und in den USA ein eigenes Kaffeeunternehmen führte, begleitete uns und teilte eine Woche lang sein Wissen mit den Compadres und den Farmern. Und auch für mich waren seine Informationen sehr hilfreich, um die Materie besser zu verstehen.

Jeder einzelne Tag vor Ort zeigte mir, welchen großen Mehrwert das Compadre-Team hier im Dschungel leistet. Die Menschen hier leben in ärmsten Verhältnissen und arbeiten jeden Tag 12 Stunden auf ihren Farmen, um sich zumindest das Nötigste leisten zu können. Und selbst dafür reicht es meist nicht. Dank der Technologie von Compadre wird Cristobals Hütte mittlerweile mit Strom versorgt und er kann seinen eigenen Kaffee rösten. Juan Pablo erzählte, dass der Moment, als Cristobal 2015 zum ersten Mal seinen eigenen Kaffee probieren konnte, bis heute eine besondere Erinnerung für das ganze Team ist.

Die Arbeit in Lima ist keine „Kaffeefahrt“

So motiviert das Compadre-Team auch versucht, das Leben der Farmer zu verbessern, die harte Realität zieht auch an ihnen nicht vorbei. Bis vor zwei Jahren waren sie ein von der Universität gefördertes Projekt und konnten sich voll und ganz auf die Entwicklung der Technologie und das Wohlergehen der Farmer konzentrieren. Mittlerweile sind sie jedoch ein selbstständiges Unternehmen und müssen lernen, ihre Ideologie mit der Wirtschaftlichkeit in Einklang zu bringen. Doch Compadre besteht aus leidenschaftlichen Idealisten, Industriedesignern und Ingenieuren, nicht aus Betriebswirten. Dementsprechend stellt sie diese neue Rolle vor viele Herausforderungen. Die Diskussionen drehen sich um interne Prozesse, Vertriebsstrategien, Qualitätsstabilität und die Frage, wie bis Juni 2018 schwarze Zahlen geschrieben werden können. Denn wenn sie bis dahin keine Möglichkeit gefunden haben, Compadre als Marke zu etablieren und Gewinne zu erzielen, können sie das Unternehmen nicht weiter finanzieren. Die Uhr tickt. Das Team braucht also jede Unterstützung, die es kriegen kann, um eine möglichst erfolgsversprechenden Plan für die nächsten Monate aufzubauen.

Alles kommt irgendwie anders

Ursprünglich drehte sich mein Aufenthalt allein darum, ein Kommunikationskonzept zu entwickeln. Doch mittlerweile arbeiten wir zusätzlich an einer umfassenden Vertriebs- und Marketingstrategie, versuchen die Logistik zu verbessern und Möglichkeiten zu finden, die Kaffeequalität konstant zu halten. Wir diskutieren, recherchieren und planen bis unsere Köpfe rauchen, während sich draußen die Rösttrommel mit einem mittlerweile heimeligen Quietschen immer weiterdreht. Das ist alles sehr anstrengend, macht mir aber auch sehr viel Spaß. Das Kommittent und die Begeisterung, die jeder Einzelne hier für Café Compadre aufbringt, sind inspirierend, mitreißend und geben jeden Tag aufs Neue das Gefühl, Teil von etwas wirklich Gutem zu sein.

Die nächsten Wochen nutzen wir intensiv, um eine detaillierte Marktanalyse durchzuführen, konkrete Marketing-Maßnahmen zu entwickeln sowie einen Zeit- und Budgetplan aufzustellen. Dann geht es für mich auch schon wieder zurück nach Deutschland. Ob wir bis dahin alles schaffen, was wir uns vorgenommen haben und noch weitere, kleine Geschichten aus meinem peruanischen Leben, erzähle ich im Sympra-Blog, sobald ich wieder in Stuttgart bin. Wer bis dahin Interesse hat, mehr über Café Compadre zu erfahren oder das Vorhaben zu unterstützen, kann gerne auf Facebook vorbeischauen oder sich über die Website mit dem Team in Verbindung setzen. Und damit liebe Grüße nach Deutschland und „Amaje“ (Ashaninka für „bis bald“).

 

Über den Verfasser

Bianca Finkel mit Master in Kommunikationswissenschaft war zunächst Praktikantin, dann Werkstudentin bei Sympra. Seit Juni 2017 ist sie Trainee. Ihre Ausbildung startete sie mit einem Praxiseinsatz bei einem Kaffeeproduzenten in Peru, den sie bei der Öffentlichkeitsarbeit unterstützte.

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